Kosten im „normalen Bereich“

Wegebau zur Erntezeit: Erste Maßnahmen in der Flurbereinigung Kirchdorf

Eine Moorlinse erforderte umfangreiche Auskofferungsarbeiten auf dem Verbindungsweg zwischen Kirchdorf und Kuppendorf.
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Eine Moorlinse erforderte umfangreiche Auskofferungsarbeiten auf dem Verbindungsweg zwischen Kirchdorf und Kuppendorf.

Kirchdorf – Mitten in der Erntezeit sind Straßen aufgerissen und für den Durchgangsverkehr gesperrt – und keiner beschwert sich. Dass der Start der ersten Wegebaumaßnahmen im Rahmen der Flurbereinigung Kirchdorf so konfliktfrei erfolgt, kommentiert Ludolf Becker, Vorsitzender der Teilnehmergemeinschaft Kirchdorf, mit einem Schulterzucken und den Worten: „Wenn man lange und viele Vorgespräche mit allen geführt hat, dann klappt das auch.“

Eingeladen zum Ortstermin hatte Karl-Heinz Schütte, Geschäftsführer des Verbandes der Teilnehmergemeinschaften Sulingen. Und damit schon ein bisschen gezeigt, welche Aufgaben der VTG hat: die verwaltungstechnische Seite der Bauarbeiten, kurz: alles, was mit Anträgen und Formularen rund um die Bauarbeiten zu tun hat. Und die Bauoberleitung selbst.

Ausgiebige Verhandlungen im Vorfeld

„Amtlich“ begleitet wird das Verfahren durch die Flurbereinigungsbehörde, das Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) Leine-Weser Geschäftsstelle Sulingen. Hier ist Dennis Schröder als Projektverantwortlicher für die Kirchdorfer Flurbereinigung zuständig. Seine Behörde kümmert sich um die Grundlagen: Verhandlungen mit Grundstückseigentümern, Verfahrensbeteiligten und den Behörden im Hinblick auf Zuschussgewährung sowie Aufnahme in Förderprogramme.

Ortstermin im Wiesengrund mit, von links, Ludolf Becker, Dennis Schröder, Gerd Sandmann (Vorstandsmitglied der Teilnehmergemeinschaft Kirchdorf), Bauamtsleiter Olaf Heuermann, Heinrich Kammacher, Karl-Heinz Schütte und Jürn Köper.

Die Teilnehmergemeinschaft Kirchdorf hat die Inhalte der Flurbereinigung im September 2018 beschlossen, im August 2020 den „Beschluss zur Herstellung der ersten Wege“ gefasst. Die Plangenehmigung erteilte das ArL im Dezember 2020.

Nach ausgiebigen Verhandlungen geht es jetzt nicht um schnellstmögliches Abarbeiten der Projekte, gleichwohl sagt Dennis Schröder mutig: „Die Abschlussveranstaltung wollen wir für 2029 planen.“

Dazwischen liegen etliche kleine, mittlere und größere Projekte. Die jetzt angesetzten Wegebaumaßnahmen umfassen rund 5,22 Kilometer entlang der Brunsberger Straße in Richtung Himmelsberge, des Wiesengrundes, der Brunsberger Straße nach Osten, des Weges von Brunsberg in Richtung Hohes Moor und der dann anschließenden Straße entlang des Hohen Moores sowie den Borgstedter Weg. Nicht alle Abschnitte werden in Asphaltbauweise erstellt, manche auch als Betonspurbahn. Außerdem wird entlang der Brunsberger Straße und des Wiesengrundes ein Leerrohr für die Breitbandversorgung mitverlegt.

Im ersten Schritt wurden Klinker abgetragen und Oberflächen abgefräst. Auffälligkeiten gab es im Verbindungsweg zwischen Kuppendorf und Kirchdorf: „Hier musste die Straße ausgekoffert werden, weil wir auf eine Moorlinse gestoßen sind“, erklärt Jürn Köper, Bauingenieur beim VTG Sulingen. Nach einer zweiwöchigen Urlaubspause werden die Arbeiten in dieser Woche wieder aufgenommen und Jürn Köper mahnt: „Wenn die Betonspurbahnen gezogen sind, dürfen sie vier Wochen nicht betreten werden.“ Geplant sei für diese Sperrung der Zeitraum 23. August bis 20. September. Auch nicht von Radfahrern? „Nein“, sagt Köper. Die Betonspuren würden etwa 14 Zentimeter hoch sein und während der Trocknungsphase dürfen die Zwischen- und Seitenräume nicht angefüllt werden. Eine Benutzung sei daher sehr gefährlich.

Die Gesamtkosten dieser ersten Bauabschnitte belaufen sich auf rund 873 .000 Euro (75 Prozent an Zuschüssen fließen über die EU), 25 Prozent schultert die Teilnehmergemeinschaft (erstmals wurden Beiträge von den Grundstückseigentümern erhoben) sowie der Gemeinde Kirchdorf.

Ausführende Firma ist die Firma Koldewei aus Schwaförden, die sich gegen nur einen Mitbewerber durchgesetzt hat.

Damit Anwohner den Wiesenweg nutzen konnten, war er während der Urlaubspause befestigt worden.

Angesichts der allgemeinen Kostenexplosion im Baugewerbe – wie sieht es hier aus? Köper winkt ab: „Außer einigen üblichen Kostensteigerungen liegt alles im normalen Bereich. Die Nähe zum Steinbruch hat auch für ein gutes Ergebnis gesorgt.“

Flurbereinigung ein „positives Signal“

Für die Kommune sei die Flurbereinigung ein äußerst positives Signal: „ Das ist eine Maßnahme, die uns weiter nach vorne bringt“, erklärt Samtgemeindebürgermeister Heinrich Kammacher. Auch der Zusammenhalt werde gestärkt: „Das Abstimmungsverfahren ist gut gelaufen, alle Beteiligten haben gut zusammengearbeitet. Wir hoffen, dass es so weitergeht.“ Nach diesen ersten Wegebaumaßnahmen, die Mitte Oktober beendet sein sollen, folgen weitere und die beiden Großprojekte: die nördliche Entlastungsstraße, die die Bundesstraße 61 und die Landesstraße nach Voigtei (Steyerberger Straße) verbinden soll sowie die Sanierung der Brücke über die Große Aue im Bereich Loge.

Für die Flurbereinigung Kirchdorf ist ein Kostenrahmen in Höhe von 3,9 Millionen Euro errechnet worden, erwartet werden Zuschüsse in Höhe von 2,4 Millionen Euro. Für die Teilnehmer werden nur gut 150.000 Euro anfallen, denn die Gemeinde deckelt ihren Anteil: Maximal 200 Euro pro Hektar sind zu zahlen. Die insgesamt betroffene Fläche umfasst gut 1 600 Hektar, hauptsächlich nördlich der Gemeinde.

Von Sylvia Wendt

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