Die Etappen im Überblick

Vorwürfe gegen Spargelhof-Betrieb nach Corona-Ausbruch: Was wir wissen

Arbeiterinnen werfen dem Unternehmen vor, verspätet auf die Infektionsfälle auf dem Spargelhof im Landkreis Diepholz reagiert zu haben. Die Etappen im Überblick. 

Kirchdorf – Nach dem Corona-Ausbruch auf dem Spargelhof Thiermann in Kirchdorf haben einige Erntehelfer schwere Vorwürfe gegen das Unternehmen erhoben. Im Mittelpunkt der Kritik steht unter anderem die angeblich verspätete Reaktion des Betriebes auf die ersten Corona-Fälle. Hier fassen wir zusammen, was wir bisher dazu wissen.

Gemeinde Kirchdorf
BevölkerungEtwa 2.200
Fläche 47,76 km2
Landkreis Diepholz

Corona-Ausbruch im Landkreis Diepholz: Erste Fälle am 18. April

1011 Mitarbeiter zählt die Thiermann Gartenbaubetrieb GmbH & Co. KG Spargel- und Beerenfrüchte in Kirchdorf. 130 davon gelten als positiv getestet. Über den Startpunkt des Corona-Ausbruches scheint Einigkeit zu herrschen. Einige Arbeiterinnen aus Polen erzählten der „Deutschen Welle“, dass die ersten Fälle am 18. April festgestellt wurden.

Im Interview mit der Kreiszeitung bestätigte Seniorchef Heinrich Thiermann diesen Zeitpunkt. „Als es am 18. April zu der ersten Infektion kam, begannen wir mit regelmäßigen Testungen“, sagte Thiermann. „Als vermehrt positive Fälle auftraten“, fügte er hinzu, wurde die Firma „am 29. und 30. April mit den PCR-Reihentestungen vom DRK und Gesundheitsamt des Landkreises Diepholz unterstützt“. 

Ein Erntehelfer deckt nach einem Erntedurchgang den Spargel mit Plastikfolie ab.

Unklar ist bisher, was zwischen dem 18. und dem 29. und 30. April passierte. Ebenfalls unklar ist, welche Corona-Tests am Anfang bei den Erntehelfern durchgeführt wurden, ob Selbst-, Antigen-Schnell- oder PCR-Tests.

Die Frage ist insofern relevant, weil nur PCR- und Antigen-Schnelltests der Meldepflicht nach dem Infektionsschutzgesetz unterliegen. Die durchführenden Zentren oder Labore müssen die positiven Test-Ergebnisse innerhalb von 24 Stunden beim zuständigen Gesundheitsamt melden.

Laut dem Robert-Koch-Institut sind nicht nur Ärzte, sondern auch Angehörige eines anderen Heil- oder Pflegeberufs und Leiter von Einrichtungen (unter anderem Schulen, Kindergärten, Pflegeeinrichtungen, Altenheimen und sonstigen Massenunterkünften) meldepflichtig.

Selbsttests sind hingegen nicht meldepflichtig. Positive Selbsttests sollten allerdings durch einen PCR-Test bestätigen werden. In ihrem Beschluss vom 03. März 2021 weisen Bund und Länder „eindringlich darauf hin, dass ein positiver Schnell- oder Selbsttest eine sofortige Absonderung“ (sprich: Quarantäne) und „zwingend einen Bestätigungstest mittels PCR erfordert.“

Corona-Ausbruch auf Spargelhof: Das Gesundheitsamt wird am 24. April benachrichtigt

Nach dem, was wir bisher wissen, erfährt das Gesundheitsamt des Landkreises Diepholz sechs Tage später von den ersten Infektionen. „Am Samstag, 24.04.2021 erhielt das Gesundheitsamt des Landkreises Diepholz erste Hinweise auf ein mögliches Infektionsgeschehen bei der Firma Thiermann Gartenbaubetrieb GmbH & Co.KG Spargel & Beerenfrüchte, da 3 Mitarbeiter positiv auf das Corona-Virus getestet wurden“, ist in der infektionsschutzrechtlichen Allgemeinverfügung des Landkreises vom 30. April zu lesen. Mit diesem Verwaltungsakt wird die sogenannte „Arbeitsquarantäne“ beschlossen.

Im Gespräch mit kreiszeitung.de bestätigte Mareike Rein, Pressesprecherin des Landkreises Diepholz, dass die ersten drei Fälle in dem Infektionsgeschehen „in Kalenderwoche 16“ festgestellt wurden, also zwischen 19. und 25. April.

Corona-Ausbruch bei Thiermann: PCR-Testungen

Laut Heinrich Thiermann wurde der Betrieb „am 29. und 30. April mit den PCR-Reihentestungen vom DRK und Gesundheitsamt des Landkreises Diepholz unterstützt“. Unklar ist bisher, ob PCR-Tests bereits vor diesem Zeitpunkt erfolgten.

Auf dem Spargelhof in Niedersachsen kam es im April zu einem Massen-Ausbruch.

„Weitere Testungen im Arbeitsumfeld der Mitarbeiter ergaben am 28., 29. und 30.04.2021 insgesamt 109 positiv getestete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“, schreibt der Landkreis in der infektionsschutzrechtlichen Allgemeinverfügung vom 11. Mai. „Unter Hinzuziehung der Ergebnisse weiterer Testungen Anfang Mai ergibt sich, dass bis zum heutigen Tag von den 1028 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern insgesamt 130 Personen positiv auf das Corona-Virus getestet worden sind“, ist weiter zu lesen.

Der Landkreis spricht von einem „erheblichen Infektionsgeschehen“ und warnt: „Es ist mit großer Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass weitere Personen bereits infiziert sind und in den nächsten 14 Tagen erkranken und dabei weitere Personen infizieren.“

„War anfänglich noch von einem eingrenzbaren Infektionsgeschehen auszugehen, stellte sich dieses nach Befund der ersten acht COVID-19-Fälle diffus dar, sodass der Landkreis Diepholz am 29. April eine erste Reihentestung in dem Betrieb durchführen ließ“, erklärte gegenüber kreiszeitung.de die Pressesprecherin des Landkreises Diepholz, Mareike Rein.

Corona-Ausbruch bei Thiermann: Die Öffentlichkeit wird am 28. April informiert

Der Corona-Ausbruch bei Thiermann wird am 28. April öffentlich. „In einem größeren Betrieb, der im Landkreis Diepholz Sonderkulturen anbaut, wurden acht Personen positiv auf das Coronavirus getestet“, schreibt am Mittwoch, 28. April der Landkreis in einer Pressemitteilung. Einen Tag später ergänzte der Landkreis: „Um das Infektionsgeschehen in einem landwirtschaftlichen Betrieb im Sonderkulturanbau im Landkreis Diepholz vollumfänglich beurteilen zu können, wurden am Donnerstag rund 1200 Mitarbeitende, die im Umfeld des Betriebes arbeiten, durch das Deutsche Rote Kreuz getestet.“

Am 12. Mai wurde die Quarantäneregelung angesichts sinkender Infektionszahlen angepasst. Von ursprünglich rund 1000 sind mittlerweile nur noch etwa 200 Menschen in der sogenannten Arbeitsquarantäne.

Rubriklistenbild: © Christian Charisius

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