Virenschutz – „hausgemacht“ 

Apotheker Tim Piasta mischt Hand-Desinfektionsmittel jetzt selbst an

Nach einem von der WHO empfohlenen Rezept stellt Apotheker Tim Piasta das Desinfektionsmittel selbst her. Foto: Behling
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Nach einem von der WHO empfohlenen Rezept stellt Apotheker Tim Piasta das Desinfektionsmittel selbst her.

Kirchdorf – „Eine gute Nachricht: Ich habe Alkohol besorgt“, beginnt Tim Piasta das Gespräch – das nicht etwa feuchtfröhlich verlaufen soll. „100 Liter Ethanol habe ich heute aus Hannover bekommen“, freut sich der Apotheker: Eine der Zutaten für das Hand-Desinfektionsmittel, das er derzeit in der Heide-Apotheke in Kirchdorf, auch für die Burg-Apotheke in Siedenburg, die er ebenfalls betreibt, selbst herstellt. Viele seiner Berufskollegen tun es ihm gleich und folgen damit einem Aufruf der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände.

Kein anderer Artikel aus dem Apotheken-Sortiment ist derzeit so begehrt wie Hand-Desinfektionslösung: „Durch die Corona-Krise können die Hersteller nicht mehr liefern“, stellt Piasta fest. „Wir haben noch einen großen Lieferanten in Berlin gehabt – der nimmt jetzt gar keine Bestellungen mehr an, auch nicht ,auf Warteschleife‘.“ Also entschied er sich, das Desinfektionsmittel als Service für seine Kunden selbst anzumischen, auch wenn die Arbeitsbelastung in Apotheken wegen des Coronavirus derzeit sehr hoch ist. „Mir geht es auch darum, den Leuten mal vor Augen zu führen, dass ein Partner vor Ort, der sich um so eine wichtige Geschichte kümmert, vielleicht doch nicht so leicht durch einen Online-Anbieter ersetzt werden kann.“

Beim Rezept folgt er einer Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO – was ist drin? „Einmal Wasserstoffperoxid, dreiprozentig, das dient speziell dem ,Knacken‘ und Abtöten der Viren. Das am besten in Verbindung mit dem hochprozentigen Alkohol. Angefangen habe ich mit Isopropanol, aber genauso gut ist Ethanol, den ich heute in der Nachbestellung bekommen habe.“ Hinzu kommt Glycerin, um die Haut vor dem Austrocknen zu schützen und ein bisschen pflegend zu wirken. Daher ist das Mittel gegen das Coronavirus auch nicht wirklich für die Flächendesinfektion geeignet.

Händewaschen in der Corona-Krise besonders wichtig

Gründliches Händewaschen sei in der Corona-Krise besonders wichtig, betont Piasta – „aber gerade, wenn man unterwegs ist, besteht dazu oft nicht die Möglichkeit.“ Für das Hand-Desinfektionsmittel habe er Anfragen von Feuerwehrkräften, von Rettungssanitätern, aber auch von Handwerksbetrieben, deren Mitarbeiter noch im Außendienst im Einsatz sind.

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Der Gebrauch des Desinfektionsmittels erfolgt am besten so: „Drei Milliliter, eine haselnussgroße Menge, reichen für eine Anwendung völlig aus. Die verteilt man über die Handinnenflächen, zwischen den Fingern, den Daumen nicht vergessen, vom Grundgelenk bis zur Spitze, und die Handrücken.“ Eine Einwirkzeit von 30 Sekunden sollte gegeben sein.

Viele Telefonate für Beschaffung von Zutaten nötig

Eine Menge Telefonate hat Tim Piasta investiert, um herauszufinden, wo noch Inhaltsstoffe für das Desinfektionsmittel zu bekommen sind – und Flaschen, um es abzufüllen. „Die Lieferzeiten verzögern sich auch immer mehr, hat man das Gefühl.“

Damit möglichst viele Kunden etwas von dem Hand-Desinfektionsmittel bekommen können, wird es in beiden Apotheken nur in haushaltsüblichen Mengen von maximal zwei Fläschen pro Person veräußert.

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