Viele Aufgaben, wenig Personal, hohe Kosten

Freibäder Barenburg und Kirchdorf bleiben 2020 geschlossen

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Wasser wird in beiden Bädern eingelassen – der Technik wegen (hier: Sprungturm im Naturfreibad Kirchdorf).

Kirchdorf/Barenburg - Badespaß in den Freibädern Barenburg und Kirchdorf wird es in diesem Jahr nicht geben. Es sind Entscheidungen in beiden Kommunen, die nicht allein der Corona-Pandemie geschuldet sind.

Freibad Barenburg: 52 Jahre alt, mit Sprungturm, Nichtschwimmer- und Schwimmerbecken. Die Mitglieder des Fördervereins des Freibades und freiwillige Helfer haben in den Jahrzehnten eine 86 Meter lange Rutsche installiert, das Planschbecken, den Spielplatz und das Beach-Volleyballfeld angelegt sowie weitere kleine und große Annehmlichkeiten auf dem Gelände für die Besucher ersonnen. Und immer wieder steht auch die Technik auf der Arbeitsliste. Jetzt ist der Beckenkopf am Nichtschwimmer kaputt und muss hergerichtet werden. Durch die aktuell geltenden Beschränkungen haben die Arbeitseinsätze, die sonst im Winterhalbjahr dazu dienen, das Bad bis zum Saisonstart am 1. Mai „fit“ zu machen, nicht stattgefunden.

Bürgermeister Hermann Dencker berichtet von verschiedenen Ortsbegehungen und Besprechungen, bei denen sich Mitglieder von Rat und Förderverein intensiv ausgetauscht hätten. Zu der ohnehin langen Liste der notwendigen Arbeiten addierten sich die aktuellen Kontaktauflagen und die geltenden Hygieneregeln. In der Summe bedeuten sie einen erheblichen Personalaufwand: „Den können wir nicht leisten“, bilanziert Dencker.

Personalbedarf

Badeaufsicht für etwa 3500 Quadratmeter Wasserfläche und weitere Helfer, die auf dem weitläufigen Gelände des Naturfreibades Kirchdorf die Einhaltung der Hygienerichtlinien kontrollieren: Das sind die gleichen Gründe, die auch Kirchdorfs Bürgermeister Holger Könemann anführt.

„Wir haben lange debattiert, manche Ratsmitglieder wollten noch abwarten. Aber letztlich: Der Coronavirus ist nicht weg. Wir als Kommune tragen das Risiko.“ Was, wenn es tolles Wetter ist, aber nur eine begrenzte Anzahl an Badegästen zeitgleich erlaubt ist: „Wer kontrolliert die Warteschlange vor dem Bad? Für all die notwendigen Desinfizierungsmaßnahmen fehlt die Man-Power.“

Dunkle Wolke dräuen: Umfangreiche Reparaturen in den Freibädern stehen an. In Barenburg (Foto) ist es der Beckenkopf am Nichtschwimmer, den hier (von links) Hermann Dencker, Holger Könemann, Bauamtsleiter Olaf Heuermann und Heinrich Kammacher in Augenschein nehmen.

Laut Dencker und Könemann haben die Kommunen überlegt, nur ein Bad zu öffnen. Doch auch das ist keine Option: Es bleibt Fakt, dass Personal und Helfer fehlen für alle anstehenden Aufgaben – und die neuen Auflagen gleichermaßen. Antworten und Lösungen zu finden bleibt nun bis zur nächsten Saison 2021 Zeit.

Die Frage eines Ratsmitglieds, ob nicht wenigstens die Frühschwimmer ins Bad dürften, kontert Könemann mit dem Hinweis: „Dann müssten auch die Abendschwimmer rein dürfen.“ Man müsse ehrlich sein: „Wir haben keine Lösung“.

Zeit für Reparaturen

In beiden Bädern werde nach den erfolgten Reparaturen Wasser eingelassen. Für Barenburg erklärt Hermann Dencker das damit, dass die Filteranlage durchlaufen werden muss. Dass das Kirchdorfer ein Naturfreibad ist, sollen die biologischen Anteile des Filtersystems nicht austrocknen.

Für beide Bäder gilt: Dieser Sommer werde genutzt, um die notwendigen Reparaturen in Ruhe und unter Einhaltung aller Auflagen durchzuführen.

Das heißt allerdings auch für Barenburg: Eigentlich sind es nicht alle notwendigen Reparaturen, sondern nur jene, die den Badebetrieb wie bisher im kommenden Jahr erlauben. Denn: Viereinhalb Millionen Euro würde es kosten, das Freibad im Flecken auf den neuesten Stand zu bringen, sowohl was die Gesamtanlage betrifft, als auch die Becken und die Technik im Kesselhaus. Das habe ein Gutachten ergeben, erklärt Samtgemeindebürgermeister Heinrich Kammacher auf Nachfrage. Eine Ausgabe, die weder Gemeinde noch Samtgemeinde schultern können. Im Vergleich: In diesem Jahr sei es ein fünfstelliger Betrag, den die anvisierten Baumaßnahmen in Barenburg kosten sollen.

Bürgerengagement

„In diesem Jahr werden die Bürger erleben, wie es ist, wenn es kein Freibad gibt“, sagen die Bürgermeister unisono. Und hoffen, dass der Badespaß vermisst wird. So sehr, dass vielleicht mehr Bürger bereit sein werden sich zu engagieren, als bisher. Denn: „Darauf werden wir künftig angewiesen sein“, sagt Kammacher.

Wer die Arbeiten des Fördervereins Barenburg unterstützen möchte, auch ohne Mitglied zu sein, meldet sich vorab bei Vorsitzendem Klaus Parakenings unter Tel. 01  62 / 9 77 90 97 an.

Kommentar: Freiwillige Aufgaben auf dem Prüfstand

Nicht erst die Corona-Pandemie zeigt: Freiwillige Aufgaben stehen auf dem Prüfstand, wenn die Einnahmen der Kommunen wegbrechen. Immer wieder erkennbar ist, dass wenige (und stets dieselben) bereit sind, Zeit zu spendieren, eine verlässliche Stütze zu sein. Eine Gemeinde ist aber die Summe ihrer Bürger. Rechte werden mitunter lautstark und vehement eingefordert. Aber es gibt auch Pflichten. Wenn selektiert werden muss, welche Einrichtungen finanziert werden können und welche eben nicht, da sie eine freiwillige Aufgabe sind, dann ist der Bürger gefragt: Sich einzubringen, zu engagieren, dauerhaft und verlässlich, trotz (und mit) Sicherheitsabstand.

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