Erstmals wieder mit Kaffeestube

Viel Heimat am Sonntag im Kirchdorfer Heimatmuseum

Esskultur auf dem Land: Besteck, hergestellt in Sulingen.
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Esskultur auf dem Land: Besteck, hergestellt in Sulingen.

Kirchdorf – Besonders tragisch ist die Geschichte der Familie, deren drei Söhne alle „im Krieg blieben“. Lehrer Detlev Pape in Uniform. Unterlagen über die Gleichschaltung der Vereine im Dritten Reich. Zahlreiche Dokumente einer Zeit, an die der Heimat- und Verschönerungsverein Kirchdorf derzeit erinnert. „Eigentlich war die Ausstellung mit dem Titel ,75 Jahre Kriegsende‘ für den Herbstmarkt 2020 geplant“, sagt „Museumsdirektor“ Joachim Hölzchen. Nun sind die ganz unterschiedlichen Erinnerungen zu sehen im einstigen Friseursalon in Kirchdorf. Das Heimatmuseum in Kirchdorf ist am Sonntag, 27. Juni, von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Das erste Mal wieder mit Kaffee und Kuchen, serviert von den „Fliedigen Deerns“.

Feldpostbriefe füllen die Ordner, aus denen Hölzchen, Vorsitzender des Heimat- und Verschönerungsvereins, nun einige Exemplare herzeigt. Der Stallanbau am zweiten Gebäude des Museums ist nun fertig, der größere Raum soll Platz bieten für immer wieder neue Ausstellungen. Die andere Hälfte des Gebäudes ist unterteilt in zwei Räume. Im ersten Zimmer tanzen unzählige Elfen und Engel scheinbar endlose Reigen: „Schlafzimmerbilder“ nennt Hölzchen diese Werke. Erst hatte der Verein nur eines besessen, nachdem Hölzchen es einmal kurz erwähnte, wurden weitere gespendet.

Künstler Zatzke etwa hatte wohl oft genug mehrere gleichzeitig auf seinen Staffeleien und sparte nicht mit Elfen und Schutzengeln. Mal liegend in einem Kahn, mal sind es blassgrüne Auen, über die tanzend hinweggeschwebt wird. Anfang des 19. Jahrhunderts waren die Szenen in Pastell scheinbar ein Muss an den Schlafzimmerwänden.

Die Ausstellung „75 Jahre Kriegsende“.

Wer sich losreißen kann, findet in Zimmer zwei Esskultur aus vergangener Zeit. „Es zeigt, dass sich die bürgerlich-ästhetische Kultur aufs Land ausbreitete“, merkt Hölzchen an. Das Art-Deco-Design mancher Gläser ist zeitlos schön. Das „Schleudersternmotiv“ sei in den 1960er Jahren höchst beliebt gewesen. Bestecke aus Silber oder Aluminium – das ist durchaus ein Unterschied.

Mit dem Museumstag am Sonntag startet der Heimat- und Verschönerungsverein Kirchdorf erstmals wieder mit „vollem Programm“, also mit Kaffeetafel im Dorfgemeinschaftshaus, durch. Es gibt viel Heimat zu entdecken im Heimatmuseum.

„Schlafzimmerbilder“ mit Elfen und Schutzengeln.

An der grundsätzlichen Misere, dass Helfer, engagierte Bürger im Team der Heimatpfleger fehlen, hat sich nichts geändert. Eine Jahreshauptversammlung müsste der Verein, wie andere auch, noch durchführen, vielleicht würde sich zu dem Termin jemand einfinden. Hölzchen erwartet es eher nicht. Zum ersten Museumstag 2021 war zwar noch keine Kaffeestube möglich, aber auch an dem Tag hatte sich kein Freiwilliger gemeldet um Unterstützung anzubieten.

Das ist schade, denn die beiden Häuser zeigen, wie viele Ausstellungsstücke in den jeweiligen Dachböden schlummerten – und nun zu neuem Leben erweckt wurden.

Allerdings, das merkt Joachim Hölzchen an, habe es nachgelassen, dass die Heimatpfleger angerufen werden, wenn es gilt, Nachlässe aufzulösen. Viele Dokumente sollen nicht nach außen gelangen, sollen in der Familie bleiben. Oder werden gleich vernichtet.

Ein Prosit: Gläser mit feinem Goldrand.

Was umfasst die Arbeit der Heimatpfleger außerhalb des Museums? Beiträge aus Kirchdorf für die Projekte des Kreismuseums fertigt Hölzchen regelmäßig zu den wechselnden Themen. Örtliche Museumsmacher würden sich immer mal wieder treffen oder austauschen. Aber gemeinsame Projekte oder eine gegenseitige Wechselausstellung, nein, das sei nicht geplant. Dabei wäre dies eine Chance, Publikum von hier für das Museum dort zu interessieren und umgekehrt.

Ziel: Lebendige Ausstellung

Die Betreuung der Ausstellungsräume ist eine andere Sache: Nicht jedes Ausstellungsstück rückt sofort mit seiner Geschichte heraus. Deshalb auch wird vieles, was an Museumsdarbietungen konzipiert wird, in ein interaktives Umfeld integriert. Geschichte soll lebendig werden – das gelingt nur, wenn man nicht nur auf ein Ausstellungsstück starrt, sondern erleben oder erlesen kann, wozu es einst diente.

„Ich bin kein gelernter ,Musealer‘ “, sagt Hölzchen. Er habe sich viel angelernt, gucke sich im Urlaub grundsätzlich die Heimatmuseen andernorts an. Und auch für das Kirchdorfer Heimatmuseum mit seinen zwei Häusern gilt: Interessierte Gäste kommen meist von außerhalb.

Für den Öffnungstag am 27. Juni gilt: Besucher tragen sich in eine Liste ein, damit ihre Kontaktdaten hinterlegt sind und auch die weiteren Pandemieauflagen müssen eingehalten werden. „Aber das hat beim letzten Museumstag auch gut geklappt“, sagt Hölzchen.

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