Traditionsverein beendet 140-jährige Sangesgeschichte

MGV Varrel wird aufgelöst

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Das Foto erinnert an das 50-jährige Stiftungsfest des Männergesangvereins Varrel, das am 14. August 1927 gefeiert wurde.

Varrel - Er war 140 Jahre ein „Hort frohen geselligen Lebens“ – nun aber ist der letzte Ton verklungen. Zum 31. Dezember 2017 wird der Männergesangverein Varrel von 1877 aufgelöst. Eine Entwicklung, die sich abgezeichnet hatte, die in der jüngsten Jahreshauptversammlung mit mehrheitlichem Votum beschlossen wurde.

Chorleiter Hans-Jürgen Freyer hatte gefragt, ob der Chor nach 140 Jahren des Bestehens noch singfähig sei. Und selbst eine Antwort darauf gegeben: Nein. Die Zahl der Aktiven habe sich in diesem Jahr auf zuletzt zwölf Sänger bei Auftritten reduziert. „Das ist ein Unterschied zu einst“, bestätigt Vorsitzender Jürgen Müller. Einst haben 50 Sänger mehrstimmig den Gefangenenchor von Nabucco erklingen lassen, heute werden Lieder, einstimmig arrangiert, zu Akkordeonbegleitung dargeboten. 

„Ihr seid ja alt geworden“, habe man den Sängern offen entgegen gerufen. Und weil manche der mehrheitlich Ü-80-Herren aus gesundheitlichen Gründen eben nicht bei jedem Auftritt dabei sein können, manche gar demnächst von der Riege der aktiven Sänger zu den passiven Mitgliedern wechseln wollten, hätten demnächst gar noch weniger Männer zum Choraufritt die markante blaue Weste angezogen. Fakt ist aber, dass sich Herren des MGV Varrel auch nach 140 Jahren nicht auf Qualität verzichten möchten bei ihren Auftritten.

Kirchenchor als Alternative

Mitglieder, die weiterhin im Chor singen möchten, könnten sich im gemeindeeigenen Kirchenchor einreihen oder in den Nachbarkommunen aktiv werden.

Das Problem sei nicht auf den Männergesangverein Varrel beschränkt, sagt Jürgen Müller. Das Problem des Chorsterbens gebe es bundesweit. Grund: Der Chor kann keinen Nachwuchs dafür gewinnen, mitzusingen. Zählte der Chor in guten Zeiten 120 Mitglieder, sind es heute eher um die 50. Und das Gros eben nicht aktiv als Sänger.

Hans-Ulrich Freyer erinnerte an die 35 Jahre, in denen er als Chorleiter im Verein tätig war: Begonnen habe er in der Saison 82 / 83 mit 25 aktiven Sängern. Deren Zahl sei stetig angestiegen und habe in der Saison 92 / 93 mit 47 Aktiven den Höhepunkt erreicht. In der Saison 2000 / 01 sank die Zahl erstmals unter die „40-er Grenze“. Auch Freyer bestätigt: „Eine Umkehrung des abnehmenden Trends ist nicht in Sicht. Krankheiten und Todesfälle werden die Zahl der Sänger weiter reduzieren, das zunehmende Alter wirkt sich auch negativ auf die Stimmqualität aus.“

Chorgesang wird eingestellt

In Zukunft müsse mit Misserfolgen gerechnet werden, vor allem wenn „Stimmführer“ fehlen. Auch er selbst, sagt Freyer, sei älter geworden und nicht mehr so belastbar. Es falle ihm immer schwerer, den Chor auf Auftritte vorzubereiten und die Sänger zu motivieren. Und so riet auch Freyer, den guten Ruf des Chores nicht aufs Spiel zu setzen und mit Dank für die vielen stolzen, gemeinsamen und erfolgreichen Jahre das Singen einzustellen. 

Das fiel etlichen Sängern schwer. Mit großer Mehrheit beschlossen die Anwesenden, den Chorgesang mit sofortiger Wirkung einzustellen. Auch die Frage, ob der Verein weiter bestehen oder mangels Vereinszweck, nämlich dem Singen, aufgelöst werden solle, wurde mit der notwendigen Dreiviertelmehrheit entschieden: Der Verein wird also zum 31. Dezember aufgelöst. Der Chor beabsichtige jedoch, sich im Dezember noch einmal zu einer gemeinsamen Adventsfeier zu treffen. Dazu werde ein Teil des Kassenbestandes genutzt, der Rest gespendet.

Varrels Bürgermeister Heinrich Hustedt bescheinigte dem MGV Varrel eine große Bedeutung für das kulturelle Leben im Dorf. Er dankte den Sängern und drückte sein Bedauern über das Ende des MGV aus. Aber er habe volles Verständnis für die Beschlüsse. Hans-Ulrich Freyer betonte, dass er sehr traurig sei über die Entwicklung, aber die gefassten Beschlüsse seien richtig und notwendig.

Die Vereinsfahne bleibt im Vereinslokal Hartje-Melloh, Noten und mehr wandern zunächst ins Archiv. Was die aktiven Sänger nun dienstags Abend machen?

sis/gk

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