Marion und Ewald Langhorst erwägen Rückzug

Einkaufen „bei Ewald“ bald Geschichte?

Marion und Ewald Langhorst im „Nah und gut“ in Varrel.

Varrel - Von Sylvia Wendt. Gefragt, warum er sich damals dafür entschieden hat, den Varreler Supermarkt zu übernehmen, antwortet Ewald Langhorst, er habe als Konditor nicht mehr nachts aufstehen mögen, keine Sechs-Tage-Woche mehr haben wollen. Das verblüfft ja dann doch: Hat er denn als selbstständiger Kaufmann etwa tatsächlich mehr Zeit gehabt für seine Familie?

Ewald Langhorst sagt nichts, aber lacht. Das ist Antwort genug: Natürlich nicht. Ehefrau Marion, die drei Kinder (heute 25, 29 und 32 Jahre alt): Sie verbringen eben gemeinsame Zeit im Geschäft, das über die zurückliegenden 25 Jahre ein wenig erweitert wird, sich ausdehnen ist an dem Standort keine Option. Der Platz in der Ortsmitte ist aber ein morgendlicher Treffpunkt für alle Berufstätigen, die sich seit 25 Jahren „bei Ewald“ mit Marschverpflegung für den Tag eindecken. Geöffnet ist ab 6.15 Uhr. Das nutzen viele auch für den entspannten Einkauf am Samstagmorgen. 

Der Großeinkauf in Discounter oder bei Kollegen im Mittelzentrum tangiert das Team von „Nah und Gut“ in Varrel nicht wirklich: Es sind genügend Kühlschränke zu füllen und damit Kundschaft für jeden da, sagt Marion Langhorst. Stammkunden finden sich nicht nur in der Generation der älteren Varreler, auch bei den jüngeren, die nicht extra in die Stadt fahren wollen. Für alles, was außerhalb des Wocheneinkaufs benötigt wird, geht man in Varrel eben „zu Ewald“. Für die Kinder heißt das Lutscher kaufen, für die Erwachsenen: alles andere, inklusive Postdienstleistungen.

Brötchen, Fleisch und Gemüse aus der Region

Die Zusammenarbeit mit der Firma Edeka erlaubt es Marion und Ewald Langhorst, in manchen Dingen selbst zu entscheiden. Bäckereiprodukte etwa liefert die Sulinger Bäckerei Schumacher-Teerling, für die Ewald einst einmal gearbeitet hat. Fleischereiprodukte Marion Langhorsts Bruder Jürgen Bulk, Obst und Gemüse verkauft der Gemüsebauer Warneke aus Wehrbleck auf Wochenmärkten und „bei Ewald“.

Seit 1972 befindet sich an der Stelle in Varrel ein Supermarkt, seit dem 3. Juni 1993 mit Marion und Ewald Langhorst in der Verantwortung für die Bestückung der Regale. Auch im „Nah und Gut“ in Varrel bestimmt die Nachfrage das Angebot: Gerade hat Ewald Langhorst einer Kundin das nachgefragte vegane Eis verkauft. Als Kaufmann auf dem Land gehören auch andere Dinge dazu: Etwa, dass Familienmitglieder aushelfen. Oder: Dass die ältere Dame mit über sieben Jahrzehnten auf dem Alterskonto eben nicht mehr zig Einkaufstüten nach Hause bugsiert – Ewald bringt sie ihr vorbei. Keiner sagt Herr Langhorst, es ist immer „Ewald“. Immer heißt aber auch, dass ein Familienurlaub nicht drin ist: 14 Tage, das gehe nicht, sagt Ewald Langhorst. „Nicht mal sieben“, ergänzt Ehefrau Marion.

„Uns ist sehr daran gelegen, das es weitergeht“

Derzeit steckt das Paar mitten in Verhandlungen mit einem potenziellen Nachfolger. Erfolgt eine Einigung, könnte der Kaufmann, der im Juli seinen 65. Geburtstag feiert, Anfang 2019 die Schüssel für das Ladenlokal an einen Nachfolger überreichen. Ehefrau Marion, 52 Jahre alt, würde dann gerne als Teilzeitkraft in einer Sulinger Firma arbeiten, in der sie bereits jetzt stundenweise eingesetzt ist. Werde man sich nicht einig, machen beide weiter. „Uns ist sehr daran gelegen, das es weitergeht“, sagen beide. Hinter sich wissen sie ein Team aus Teilzeitkräften (Kindern und Schwiegerkindern), das sie bei der Arbeit unterstützt. Zumindest bei der im Supermarkt.

Beider Engagement in drei Schützenvereinen (zwei im Wohnort Wehrbleck und der in Varrel), Ratsmandat und Vorsitz im Heimatverein (Marion Langhorst) sowie Familie stehen künftig im Kalender. Und Kurztrips.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Jugend-Challenge in Verden

Jugend-Challenge in Verden

Fast 80 Tote nach Buschfeuern in Kalifornien

Fast 80 Tote nach Buschfeuern in Kalifornien

May warnt vor Putsch im Brexit-Streit

May warnt vor Putsch im Brexit-Streit

SCT-Ball in Twistringen

SCT-Ball in Twistringen

Meistgelesene Artikel

„Keine Hinweise auf Abweichungen“ in Diepholzer Schlachthöfen

„Keine Hinweise auf Abweichungen“ in Diepholzer Schlachthöfen

Im 40. Jahr nach dem Abi-Abschluss

Im 40. Jahr nach dem Abi-Abschluss

Planung für Baugebiet in Wetschen schreitet voran

Planung für Baugebiet in Wetschen schreitet voran

2 500 Burpees – Schwitzen für das Hospiz Zugvogel

2 500 Burpees – Schwitzen für das Hospiz Zugvogel

Kommentare