Brückenabriss, falsche Version

Bauarbeiten entlang der Kreisstraße 20 beginnen mit einem Fiasko

+
Die ländliche Idylle im Herbst an der Großen Aue, unterbrochen durch die Baustelle mit der in den Fluss gestürzten Brücke. 

Varrel - Von Sylvia Wendt. Der Plan war anders. Nun geht es darum, herauszufinden, was passiert ist – warum die alte Brücke über die Große Aue nun doch in der Großen Aue liegt, statt in den Bauschuttcontainern. Ortstermin an der Baustelle zum Radwegebau entlang der Kreisstraße 20 zwischen Varrel und Scharringhausen.

Zu den Bauleistungen, die, wie berichtet, im Rahmen der öffentlichen Informationsveranstaltung am 13. September in Varrel vorgestellt wurden, gehört (neben dem Radweg) der Neubau einer Brücke über die Große Aue. Die alte Brücke aus dem Jahr 1962, nur einspurig zu befahren, soll einem Neubau weichen, der eine zweispurige Fahrbahn vorsieht und dazu noch Platz für Radler lässt.

Hans-Peter Dierksen, bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (Geschäftsbereich Nienburg) zuständig für den Brückenbau, steht am Donnerstagnachmittag zusammen mit dem Kollegen Volker Sangmeister, Kreisstraßenmanager, fassungslos am Nordufer der Großen Aue. In gut 25 Jahren bei der Nienburger Behörde habe er so was noch nicht erlebt. Der Pressetermin war vor Wochen bereits vereinbart worden, um über den Meilenstein „Brückenabtragung“ zu berichten. Abriss und Neubau einer Brücke sind nicht alltäglich. Stattdessen wird gezeigt, was passiert, wenn etwas schief geht. Was genau passiert ist, bleibt zu klären. Den Auftrag für den Abbau der alten Brücke und den Aufbau der neuen hat die Firma Oehm aus Meppen erhalten. Nach Angaben eines Sprechers am Donnerstagnachmittag stecke die Firma mitten in den Untersuchungen und könne zum Vorgang noch nichts sagen.

Vor Ort ist allein ein Baggerführer einer Firma aus Steinfeld. Es sei gängiges Prozedere, dass eine Firma ein Subunternehmen beauftrage, heißt es seitens der Vertreter der Straßenbauverwaltung. Üblich sei, das auch anzuzeigen.

Was ist aus dem Plan geworden, mit dem sich die Firma aus Meppen seinerzeit um den Auftrag beworben hat? In der Informationsveranstaltung war darauf hingewiesne worden, dass ein Gerüst aufgebaut werden solle, mit einem Überbau, die alte Brücke in Teilen abgetrennt aus der Großen Aue gehoben werden. Auftraggeber der insgesamt mit 3,3 Millionen Euro bezifferten Baumaßnahme (Radweg und Brückenbau) ist der Landkreis Diepholz. Bernd Fredrich als zuständiger Teamleiter Straßen und Ingenieursplanung ist froh, dass es keinen Personenschaden gab. Die Kollegen der Unteren Naturschutzbehörde seien informiert, auch der NLWKN (Niedersächsischer Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz), erklärt Fredrich.

Ein Bild vor Ort macht sich Rainer Ausborn, Geschäftsführer des Unterhaltungsverbandes Große Aue. Im Schulterschluss, so die erste Aussage von Fredrich, solle nun eine Lösung des Problems erarbeitet werden. Ob einzelne Elemente der Brücke letztlich nicht mehr tragfähig genug gewesen seien, um dem Abrissplan zu folgen – dazu könne er, Fredrich, nichts sagen. Es gelte jetzt, einen Alarmplan zu formulieren. Zum Einsatz kommen müssten jetzt Sonderfahrzeuge, um die Brückenelemente zu heben.

Ausborn mahnt, dass jetzt nicht Tempo gefragt sei, sondern Akkuratesse. Es gelte, die Einzelteile nun so sauber wie möglich aus dem Fluss zu bergen. Die Große Aue habe derzeit keine große Durchflussgeschwindigkeit und auch der Wasserstand sei nicht zu hoch. Soll heißen: Elemente könnten nicht so leicht durch das langsam fließende Wasser weiter im Fluss verteilt werden. Ausborn weißt darauf hin, dass Sandeinspülungen zu vermeiden seien. In weiteren Ortsterminen mit allen Beteiligten soll nun beraten werden, wie vorzugehen ist.

Die K 20 bleibt, natürlich, weiterhin voll gesperrt.

Infokasten

Die Maßnahme:

Die Länge der Baustrecke für den neuen Radweg entlang der Kreisstraße 20 zwischen dem Varreler Ortsteil Bahnhof und dem Kirchdorfer Ortsteil Scharringhausen beträgt 4 215 Meter. Neben dem Neubau des Radweges und der Brücke über die Große Aue gehört der Neubau einer Radwegebrücke über einen Entlastungsgraben zu den Bauleistungen. Die Gesamtkosten werden mit 3 309 000 Euro beziffert. Bauherr ist der Landkreis Diepholz. Während der gesamten Bauzeit (bis Ende November 2019) ist die K 20 zwischen Varrel und Scharringhausen voll gesperrt, eine Umleitung ausgeschildert (über die K 19 nach Barenburg und weiter über die Bundesstraße 61 nach Kirchdorf).

Kommentar:

Von Sylvia Wendt - Hans-Peter Dierksen ist konsterniert. Da erklärt er während der Informationsveranstaltung den Plan zum Brückenabriss, inklusive der Schutzmaßnahmen für das Gewässer. Und nun das: Platsch, da liegt sie in der Großen Aue. So war der Abbruch der alten Brücke nicht geplant. Während der versierte Fachmann der Landesbehörde Fakten rund um das Fiasko sammelt, stellt sich die Frage: Wenn nicht die beauftragte Fachfirma vor Ort ist, welche dann? Tatsächlich ist es in vielen Bereichen an der Tagesordnung, dass Subunternehmer beauftragt werden. Ist hier auch der Fall. Wie wurde also der Plan, der bestellt wurde, vom Bauunternehmen an den Subunternehmer kommuniziert? Wie wird das Einhalten überprüft? Muss ich als Auftraggeber in jeder Minute neben jedem Arbeiter stehen, um aufzupassen, dass zwischen Kuchenbacken und Brückenbau nicht auch noch der Bagger in den Fluss plumpst? Schlimm ist, dass der Fehler womöglich bereits am Mittwoch passiert ist, aber keiner was gesagt hat. Nur der zufällig anberaumte Ortstermin offenbart das Fiasko – und die notwendigen Maßnahmen können in die Wege geleitet werden. Das gibt erhöhten Erklärungsbedarf seitens der beauftragten Bauunternehmen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Saudi-Arabien räumt Tod von Journalist Khashoggi ein

Saudi-Arabien räumt Tod von Journalist Khashoggi ein

Fall Khashoggi: Türkische Konsulats-Angestellte sagen aus

Fall Khashoggi: Türkische Konsulats-Angestellte sagen aus

Erfolgreiche Mitarbeitergewinnung

Erfolgreiche Mitarbeitergewinnung

Fotostrecke: Abschlusstraining ohne Bargfrede

Fotostrecke: Abschlusstraining ohne Bargfrede

Meistgelesene Artikel

Der 100-jährige Kampf gegen Wohnungsnot geht weiter

Der 100-jährige Kampf gegen Wohnungsnot geht weiter

Feuerwehren absolvieren Einsatzübung auf Betriebsplatz von Wintershall

Feuerwehren absolvieren Einsatzübung auf Betriebsplatz von Wintershall

Förderverein Klinik Sulingen bereitet sich auf anstehende Aufgaben vor

Förderverein Klinik Sulingen bereitet sich auf anstehende Aufgaben vor

Katasteramt Syke feiert 125 Jahre: Auf den Millimeter genau per Satellit und GPS

Katasteramt Syke feiert 125 Jahre: Auf den Millimeter genau per Satellit und GPS

Kommentare