Wasserverbandstag in Varrel

Klimaschutz und Gewässerunterhaltung: „Ausprobieren, was möglich ist“

Fünf Männer stehen vor einem Haselnussbusch.
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Den Wasserverbandstag in Varrel eröffneten (von links) Godehard Hennies (Geschäftsführer Wasserverbandstag), Landrat Cord Bockhop, ULV-Verbandsvorsteher Andreas Schwiers, Heiko Albers (Präsident Wasserverbandstag) und Rainer Ausborn, Geschäftsführer des ULV Große Aue.

Varrel – Bei strahlendem Sonnenschein begann am Dienstag die Tagung der hauptamtlichen Geschäftsführer die im Wasserverbandstag organisierten Unterhaltungsverbände in Niedersachsen und Bremen, ausgerichtet vom Unterhaltungs- und Landschaftspflegeverband (ULV) Große Aue. Dabei befassten sich die Teilnehmer im Rahmen der zweitägigen Veranstaltungen vor allem mit Niederschlägen und ihren Auswirkungen auf die Gewässer, insbesondere durch den Klimawandel.

Mit wichtigen Themen wolle man sich fachlich befassen, sagte Heiko Albers, und ganz oben stehe der Klimawandel. Gerade die Hochwasserkatastrophe habe verdeutlicht, dass Handlungsbedarf bestehe, aber das gelte auch in den Dürregebieten. Daher freue man sich, dass zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder eine Präsenztagung möglich sei: „Wir merken, dass die Verbindungen lockerer werden, aber wir brauchen den Austausch untereinander.“

Erfreut darüber, dass solch eine wichtige Veranstaltung im Landkreis Diepholz sei, zeigte sich auch Landrat Cord Bockhop. Man habe manchmal den Eindruck, dass Hannover den ländlichen Raum etwas vergesse und „aus der Fußgängerzone“ vorschreiben wolle, wie die Menschen hier zu leben hätten: „Deswegen ist es gut, wenn man sich trifft und miteinander spricht.“

Fachlicher Austausch der niedersächsischen Unterhaltungsverbände

Daran nähmen die Vertreter von 70 der 100 Gewässerverbände aus Niedersachsen teil, führte Godehard Hennies aus, Geschäftsführer des Wasserverbandstags. Es müsse der komplette Wasserkreislauf gesehen und gemanagt werden: „Wir haben in Niedersachsen alles – von 1 000 Metern über dem Meeresspiegel im Harz bis drei Meter unter dem Meeresspiegel an der Küste.“ Leichter werde das nicht, daher sei es gut, dass der Landkreis Diepholz schon ein Wassermanagement angeschoben habe, das sei beispielhaft: „Wir haben in Niedersachsen genügend Wasser – nur nicht immer zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort.“

Bei Versorgung und Verbrauch müsse das Thema Solidarität gelebt und in den Mund genommen werden, sagte der Landrat dazu: „Man muss bei einem knappen Gut nicht nur den eigenen Bedarf anmelden, sondern den Verbrauch beschränken.“ Auch an anderer Stelle sah er Änderungsbedarf: „Regenrückhaltebecken sind meist die trockensten Gebiete in einem Wohngebiet überhaupt.“ Das müsse neu gedacht werden: Sie seien rechtlich vorgeschrieben, aber alle seien sich einig, dass man sie nicht brauche.

Unterschiedliche Wassermengen je nach Jahreszeit

Über die Praxis vor Ort, die den Teilnehmern am Mittwoch im Rahmen von Exkursionen vor Ort präsentiert wurde, sprach ULV-Geschäftsführer Rainer Ausborn. „Wir haben hier beide Probleme – zu viel und zu wenig Wasser.“ Der Wasserabfluss sei damals der Grund für den Ausbau der Gewässer gewesen, und die Unterhaltungsverbände hätten sich die meiste Zeit dieser Frage gewidmet.

Erst in den vergangenen Jahren sei auch in den Vordergrund gerückt, dass das Wasser gehalten werden müsse. Die Besonderheit sei, dass die Gewässer durch die Unterhaltung sowohl für den Sommer mit Niedrigwasser als auch für den Winter mit teils um den Faktor 100 größeren Wassermengen vorbereitet sein müssten: „Durch Strukturen in den Gewässern können wir den Abfluss modellieren.“

Gratwanderung zwischen Hydraulik und Naturschutz

Die Anforderungen an die Unterhaltung würden aber immer komplexer zwischen Wasserhaushalt und Artenschutz. „Wir sind landauf, landab dabei auszuprobieren, was möglich ist.“ Es müsse überlegt vorgegangen werden, damit die Leistungsfähigkeit der Gewässer erhalten bleibe, verdeutlichte Ausborn. „Wir versuchen, dabei die Bürger mitzunehmen, damit sie verstehen, was wir am Gewässer tun.“

Die Unterhaltungsverbände seien Vorreiter bei der Gratwanderung zwischen Hydraulik und Naturschutz, so Hennies, und dabei sei die örtliche Verbundenheit ein Riesenvorteil. Die Verbände seien einmal gegründet worden, um die Räume durch Entwässerung erst besiedelt werden können, erinnerte Albers, aber mit Naturschutz komme eine neue Aufgabe hinzu.

Dabei sei der Erfahrungsaustausch ganz wichtig, weswegen die Kommunikation untereinander verstetigt werden müssen, so Hennies weiter. „Der Klimawandel wird uns sowieso treffen, aber wir müssen klug damit umgehen.“

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