Herbstversammlung bei Koopmann

Dehoga-Kreisverband Diepholz-Sulingen sieht sich „ungerecht“ behandelt

Kirsten Jordan, Vorsitzender Albert Wiedemann, Kassenwart Ingo Halfbrodt, Vorsitzender Wilhelm Nordloh, Kassenwart Carsten Bosse und Schriftwart Erhard Brand (von links) bei der Herbstversammlung des Dehoga-Kreisverbandes Diepholz-Sulingen. - Foto: S. Wendt
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Kirsten Jordan, Vorsitzender Albert Wiedemann, Kassenwart Ingo Halfbrodt, Vorsitzender Wilhelm Nordloh, Kassenwart Carsten Bosse und Schriftwart Erhard Brand (von links) bei der Herbstversammlung des Dehoga-Kreisverbandes Diepholz-Sulingen.

Kirchdorf - Wenn sich der Gastwirt die Lieblingsgetränke seiner Stammgäste merkt, dann geht das in Ordnung. Schreibt er sich das aber auf, dann fällt das Ganze unter die Datenschutzgrundverordnung. Aber eigentlich geht das Aufschreiben schon nicht mehr, denn der Gastronom / Hotelier von heute hat eine ganze Armada an Dokumentationspflichten. „Haben wir da eigentlich noch Zeit zum Arbeiten?“ fragt ein Gastwirt sarkastisch bei der Herbstversammlung des Dehoga-Kreisverbandes Diepholz-Sulingen. Gastgeberin ist Gastwirtin Karen Koopmann.

Die Gastronomie drückt der Schuh gleich an mehreren Stellen: Es fehlt der Nachwuchs, die Auflagen steigen. Neben der Datenschutzgrundverordnung ist ein zweites Schlagwort die unangekündigte Kassennachschau. Dabei sei ein unangekündigter Blick in die Kasse und die Bücher (zu den üblichen Öffnungszeiten) von jedem Unternehmen verpflichtend zu leisten. „Bargeld ist dem Finanzamt ein Dorn im Auge“, kommentiert Kreisverbands-Vorsitzender Wilhelm Nordloh.

Sei ein Betrieb einst „alle 40 Jahre mal“ geprüft worden, falle aktuell – statistisch gesehen – alle drei Jahre eine Betriebsprüfung an. „Frust und Unmut über ungerechte Behandlung“ konstatiert Nordloh im Kreis der Kollegen.

Insbesondere wehre man sich weiterhin gegen die ungleiche Besteuerung von Essen: Im Restaurant fallen 19 Prozent Mehrwertsteuer an, die „to-go“-Angebote im Einzelhandel werden dagegen nur mit sieben Prozent besteuert.

Besonders für kleine Betriebe steigt die Belastung

Kirsten Jordan, Geschäftsführerin des Dehoga-Bezirksverbandes Hannover, informierte die Mitglieder ausführlich über die Datenschutzgrundverordnung und das Speichern von personenbezogenen Daten sowie Fragen danach, welche Informationen gespeichert werden, wo, wer sie einsehen darf und ob ein Datenschutzbeauftragter notwendig sei. Das zeige, dass auch in der Gastronomie und Hotellerie die Zeit am Schreibtisch mit jedem Erlass einer neuen Richtlinie zunimmt. 

Für die kleinen Betriebe im Verband merklich eine hohe Belastung, weil hier Chef, Koch, Büroleiter, PR-Beauftragter und Barkeeper in Personalunion im Gastwirt vereint sind – der Dehoga-Dachverband aber will gegen das Sterben der kleinen Gasthöfe, insbesondere auf dem Land, anarbeiten. 

Die Unterstützung des Verbandes auch abzurufen, dafür wirbt Kirsten Jordan. Etwa im Hinblick darauf, die Kunden zu sensibilisieren für das Thema der unterschiedlichen Besteuerung von Essen in Deutschland. Eine Information, die längst nicht jeder Bürger, jeder Politiker habe. „Der Kampf für die gleiche Besteuerung geht nur, wenn auch die Basis mitmacht“, sagt Jordan und moniert: Von bundesweit 5 000 Mitgliedsbetrieben hätten erst 76 kostenloses Infomaterial zum Auslegen angefordert.

Bei Übernachtungen und Müll treten neue Regelungen in Kraft

Kreative Marketingideen der Gastronomie, branchenübergreifend gedacht, als Angebot für die Kunden, fing Jordan ebenfalls ein: Sie gab Informationen zum Pauschalreiserecht (seit 1. Juli 2018 gültig). Das gelte, wenn ein Gastronom etwa neben einer Übernachtung eine weitere touristische Zusatzleistung anbiete und nun Stornierungsprozedere, Sicherungsschein, Haftungsfragen, Info zu bedenken habe.

Jordan hatte ebensoviele Vorgaben aufzulisten für die Gewerbeabfallverordnung (seit August 2017 in Kraft) und das neue Verpackungsgesetz (das ab 1. Januar 2019), die zu erfüllen (und zu dokumentieren) sind.

sis

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