Abwarten in Anstedt, Bauarbeiten in Kuppendorf, Spendenaufruf in Strange

Und die Schützenvereine so?

Die Arbeiten am Schützenhaus in Kuppendorf bescheren den Mitgliedern einen Unterstand im Eingangsbereich.
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Die Arbeiten am Schützenhaus in Kuppendorf bescheren den Mitgliedern einen Unterstand im Eingangsbereich.

Kuppendorf/Anstedt/Strange – Es ist eigentlich das letzte Schützenfest der Saison im Sulinger Land. Wird das Fest des Schützenvereins Heerde-Kuppendorf in diesem August das einzige sein, das vielleicht gefeiert werden kann? Oder wird es erneut ausfallen, wie alle Schützenfeste 2020? Oder hat gar keiner Lust auf eine Feier und Vereinsleben?

„Doch, die stehen alle in den Startlöchern“, sagt Präsident Harold Meyer. Die Lust, sich im Verein zu engagieren, bestätigen die Mitglieder des Schützenvereins Heerde-Kuppendorf mit Arbeitseinsätzen am Schützenhaus. Es werde seit März 2020 streng auf die Einhaltung der jeweiligen Vorgaben geachtet, sagt Meyer. Die Bauarbeiten in Kuppendorf sollen den Schützen bei ihren Schießterminen trockene Füße bescheren. Eher wenig Platz ist drinnen, um nach erfolgtem sportlichen Schießen in geselliger Runde beisammen zu stehen, deshalb weichen viele auf die Rasenfläche vor dem Eingang aus. Ein Bild, derzeit nicht vorstellbar – es könnte nach dem Ende der Pandemie wieder Realität sein.

Gastwirtsfamilie Gehlenbeck schulterte die Kosten für das Material, die Schützen organisierten die Arbeitseinsätze in coronakonformen Konstellationen. Der Bereich vor dem Schützenhaus wurde nivelliert und gepflastert. Und die außergewöhnliche Dachkonstruktion des Unterstandes liegt an dem gewieften Geschäftssinn der Familie: Die Bogenüberdachung hat einst die Gäste der Wagenfelder Kaiserhalle beim Gang vom und zum Parkplatz geschützt. Die Geschäftsaufgabe einer Baufirma in Wagenfeld bescherte einen guten Preis für die Pflastersteine.

Das Schützenfest in Heerde und Kuppendorf im vergangenen Jahr wird in die Geschichte eingehen. Im August 2020 durften sich bis zu zehn Personen treffen. Der Verein hatte Bestelllisten für Getränke und Würstchen ausgelegt und spendierte zehn Euro pro Schütze. Und so feierten letztlich 127 Schützen in 17 Gruppen, in Größen zwischen vier bis maximal zehn Personen. Gefeiert wurde separat in Heerde, Kuppendorf, Kirchdorf, Woltringhausen, Sulingen und in Apt in der Provence. Freitags verteilte der Vorstand die bestellten Waren und zusammen mit dem König war am Samstag eine Kleinstabordnung unterwegs, schaute, auf Abstand, kurz vorbei, wenn das gewünscht war. An dem Tag war sogar die vereinsinterne Whatsapp-Gruppe freigeschaltet, um Bilder und Grüße auszutauschen –  sonst darf hier nur der Vorstand über Termine informieren.

Die Mitglieder des Schützenvereins Heerde-Kuppendorf haben sich seit Ende Februar 2020 nicht mehr zu Vereinsaktivitäten getroffen. Wie hält man da Kontakt? Im Sommer habe man die Amtszeit von Majestät Jens „der Alleskönner“ Kellermann, der das Volk mit Königin Nicole regiert, um ein Jahr verlängert und entsprechende Angaben auf der Königsscheibe korrigiert. Digitale Vorstandssitzungen hätten die Führungsetage immer wieder mal zusammengeführt.

Gepflastert wurde der Eingangsbereich an der Kuppendorfer Schießhalle.

Und wie sieht es für dieses Jahr aus? „Pläne und Hoffnungen“, kommentiert Meyer den Ausblick. Vor 20 Jahren habe man die Maiversammlung am 1. Mai aus dem Kalender gekippt, weil man dachte, nach der Jahreshauptversammlung und den ersten Schießterminen des Jahres nicht schon wieder die Mitglieder versammeln zu müssen. Das könnte sich in diesem Jahr ändern. Wenn es die Entwicklung der Infektionszahlen und die damit verbundenen Auflagen erlauben. „Wir haben Vorstandswahlen“, erklärt Präsident Harold Meyer. Laut Satzung sei die Jahreshauptversammlung an den Januar gebunden – in Zeiten einer Pandemie müsste es doch Ausnahmen geben? „Das müssen wir noch klären“, sagt Meyer. Zur turnusmäßigen Wahl (alle vier Jahre wird die Hälfte des Vorstandes neu gewählt) stünden Jugendwartin Elke Husmann, Hauptmann Gerd Köper und Schriftführerin Angela Ruräde.

Mitte März „Deadline“ für Entscheidung

Der Terminkalender für Ende April/Anfang Mai ist noch leer: Anstedts Schützenpräsident Uwe Schweneker hat bezüglich des traditionell ersten Schützenfestes im Sulinger Land noch keine Planungen angeschoben. „Im Moment kann man überhaupt nicht sagen, was passiert.“ Wie viel Vorlaufzeit bräuchte der Schützenverein Anstedt denn, damit das Schützenfest stattfinden könnte? „Mitte März müssten wir wissen, was Sache ist. Es richtet sich ja nach den Auflagen.“ Schweneker sagt aber auch: „Wenn gefeiert wird, dann mit allen.“ Der erste Festtag (als „Tanz in den Mai“) locke gemeinhin viele junge Besucher. „Und wenn das die erste Feier überhaupt sein sollte, die möglich ist, dann wird es auch voll. Ich glaube nicht, dass Abstand gehalten würde, wenn gefeiert werden dürfte.“ Auch die Anstedter Schützen hätten turnusgemäß Wahlen bei der Jahreshauptversammlung durchführen wollen. Nicht alle Amtsinhaber hätten weitermachen wollen, „aber für die ausscheidenden Vorstandsmitglieder hätten wir Ersatz“, sagt Schweneker. Die Versammlung im November hatte abgesagt werden müssen. Auch für die Versammlung werde auf Optionen gewartet, es hänge davon ab, wie viele Teilnehmer ab wann in Gaststätten erlaubt sind. Ein Jahr ohne Veranstaltungen: Wie ist der Schützenverein Anstedt durch diese Zeit gekommen? Ganz ohne Aktivitäten, sagt Schweneker. Allein die Altpapiersammlung hätten die Schützen, aufgeteilt auf zwei Teams, durchgeführt. Kontakt werde per Whatsapp gehalten, eine Gruppe für den Vorstand, eine für den Verein. Jedoch: „Da passiert ja nicht viel.“ Ist zu befürchten, dass die Vereinsaktivitäten nicht wieder anlaufen, wenn sie dürften? Schweneker ist optimistisch: „Feiern wollen die Anstedter Schützen immer. Aber derzeit ist das nun mal nicht drin. Auch, dass die ehrenamtliche Arbeit auf der Strecke bleibt, das sehe ich nicht. Wir sind hier ein kleines Dorf, das sich im Verein engagiert.“

„Bettelbrief“ bleibt nicht unbeantwortet

Das Herz für den Verein belegt ein Beispiel aus der Gemeinde Wehrbleck: Der Schützenverein Strange-Buchhorst hatte mit erheblichem Mitgliederengagement und finanziellem Aufwand das Schützenhaus im Wehrblecker Ortsteil Strange umfangreich modernisiert. Mit allerlei Veranstaltungen sollten 2020 Einnahmen generiert werden, um Kredite zu bedienen. Aber, wie Präsident Klaus Ahlers berichtet: „2020 sind uns fast alle Einnahmen weggebrochen. Leider nicht die Kosten. Immerhin brauchten wir bis Dezember nur die Zinsen unseres Darlehens zu bedienen. Ich habe an viele Türen geklopft, um finanzielle Hilfe zu bekommen. Ohne Erfolg. Durch alle Fördermaßnahmen vom Staat sind wir durchgefallen. Irgendwelche Gründe gab es immer.“ Angebote für einen zinslosen Kredit durch Gemeinde und Samtgemeinde habe er abgelehnt, wollte nicht noch ein Darlehen. Nach langem Überlegen habe er einen „Bettelbrief“ an die Mitglieder geschickt: „Es war ein super Erfolg. Wir können jetzt ab Januar die Darlehen wieder bedienen. Außerdem die Zeit bis Dezember 2021, ohne oder mit wenig Einnahmen, schaffen. Große Klasse.“ Einzelspenden zwischen zehn und 250 Euro hätten die allermeisten Mitglieder im Alter von 18 bis 85 Jahren überwiesen.

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