Hilfe aus einer Hand

Schulverbund erweitert Janusz-Korczak-Förderschulinternat für Jungen

Ingolf Semper (Öffentlichkeitsarbeit Bethel im Norden, links) und Einrichtungsleiter Frank Simon in den neuen Räumen in Freistatt, in denen ab Dezember acht weitere Jungen ein Zuhause auf Zeit finden können. - Foto: Behling
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Ingolf Semper (Öffentlichkeitsarbeit Bethel im Norden, links) und Einrichtungsleiter Frank Simon in den neuen Räumen in Freistatt, in denen ab Dezember acht weitere Jungen ein Zuhause auf Zeit finden können.

Freistatt - „Die Idee war, umfassende Hilfe aus einer Hand zu ermöglichen“, nennt Frank Simon den Grundgedanken des im April 2015 eröffneten Janusz-Korczak-Förderschulinternats des Schulverbundes Freistatt von Bethel im Norden.

Acht Jungen mit sozial-emotionalen Defiziten, teils traumatisiert, teils mit Multi-Problemlagen und häufig mit Psychiatrie-Erfahrung bietet es den Raum und die individuelle Unterstützung, um wieder „in den Takt“ für ein geregeltes Leben zu finden, formuliert es der Einrichtungsleiter. „In den dreieinhalb Jahren hatten wir eine sehr hohe Nachfrage, von Jugendämtern aus einem Umkreis von etwa 200 Kilometern. Wir erweitern das Angebot jetzt um 16 Plätze.“

Davon acht am Standort Vechta des Schulverbundes (sie sollen im Frühjahr 2019 zur Verfügung stehen) und ebenfalls acht in Freistatt, in unmittelbarerer Nähe des bestehenden Internats: Der aus den 70er Jahren stammende Gebäudekomplex des einstigen Hauses „Ulme“, in dem zuletzt das „Stöberkästchen“ ansässig war, wurde dafür saniert, renoviert und teilweise umgebaut. 

Außen zeugt bislang lediglich das erneuerte Dach vom Wandel, die Fassadengestaltung ist erst im Frühjahr an der Reihe. Innen sind die Arbeiten weit gediehen: „Sehr hell, große Räume, die Kinderzimmer haben alle 20 Quadratmeter und mehr“, stellt Frank Simon bei einem Rundgang durch das „zweite“ Internat fest, das am 1. Dezember den Betrieb aufnimmt. Wie in der bestehenden Einrichtung gibt es einen großen Wohnküchenbereich, ein Wohnzimmer, weitere Aufenthaltsbereiche, die sich mit Tischkicker, Billardtisch und Co. bestücken und von den Jungs frei nutzen lassen.

Sechs hauptamtliche Kräfte

Auch hier sollen sich sechs hauptamtliche Kräfte um die Jungen kümmern, sieben, wenn man die Hauswirtschafterin und Köchin mitrechnet. Simon spricht von einem multiprofessionellen Team, das arbeitsfeldübergreifend agieren kann, so wie er selbst beispielsweise sowohl Lehrer als auch Diplom-Pädagoge ist. 

Das „zweite“ Internat in Freistatt wird im sanierten Gebäudekomplex des einstigen Hauses „Ulme“ eingerichtet, in dem zuletzt das „Stöberkästchen“ ansässig war.

Ein wesentlicher Faktor des Konzeptes sind die vielfältigen Förder-, Therapie- und Freizeitmöglichkeiten, auf die man in Freistatt zurückgreifen kann: Die Schulen des Verbundes mit den sonderpädagogischen Schwerpunkten soziale und emotionale Entwicklung, Lernen sowie geistige Entwicklung, von der Grund- bis zur eigenen Berufsschule, die Reittherapie, den Hochseilgarten und Sportmöglichkeiten nennt der Internatsleiter als Beispiele, „darüber hinaus kooperieren wir mit einem Kinder- und Jugendpsychiater.“

Aufgenommen in das Internat würden in der Regel Kinder im Grundschulalter, „für sie ist die die Integration in so ein System einfacher.“ Dabei werde zuvor in Gesprächen mit den Jugendämtern, den Eltern, von denen der Antrag auf Aufnahme in das Internat ausgehen muss, Lehrern und Therapeuten mit Bedacht geprüft, ob das Kind dort am besten aufgehoben ist. 

Schwierig sei es heute, nicht nur aufgrund des Personalmangels in diesem Bereich, Mitarbeiter zu finden, „die Lust auf diese Arbeit haben, sie auch aushalten können und wollen.“ Die Ganztagsbeschulung erfolgt montags bis donnerstags. Eltern können am Wochenende zu Besuch kommen. 

Konzept funktioniert

Sie einzubinden und ihnen Hilfen anzubieten, ist für Frank Simon ein Muss. „Egal, was sie im Einzelfall getan haben mögen: Sie sind von existenzieller Bedeutung für die Kinder.“ Sehr familiär gestalte sich das Verhältnis zwischen den Jungen und dem Team, „es gibt eine Leichtigkeit im Umgang. Wir spielen viel mit den Kindern, hören ihnen zu, es ist immer jemand da, der sich um sie kümmern kann – und sie haben auch eine Menge Spaß.“

Das Konzept des Förderschulinternats funkioniert laut Frank Simon bislang sehr gut, auch wenn sich der Erfolg kaum quantifizieren lasse. „Wir bekommen positives Feedback. Alle Kinder sind frei von Medikamenteneinnahme. Die ersten haben bereits ihre Schulabschlüsse gemacht, einige Jungs sind ins Elternhaus zurückgekehrt.“

Nach einem Internatsangebot für Mädchen (zumal es in Freistatt eine Beschulung speziell für Mädchen gibt) werde er häufig gefragt. „Da sind wir dran, auch schon seit Längerem“, versichert Frank Simon. „Aber es ist wichtig, in kleinen Schritten zu arbeiten. Schauen wir mal, was in den nächsten Jahren passiert.“

ab

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