Spargelsaisoneröffnung in Scharringhausen

Trend zur Regionalität

Gastredner Michael Koch.

Scharringhausen - „Machen wir alles richtig oder gibts noch Tipps?“ Das fragte Samtgemeindebürgermeister Heinrich Kammacher zum Auftakt der Spargelsaisoneröffnung im Festzelt auf dem Spargel- und Beerenhof Thiermann in Scharringhausen im Vorgriff auf den Gastredner.

Erntefrisch vom Feld verkauft die Firma Thiermann im Hofladen am Sitz in Scharringhausen, wie auch auf Wochenmärkten und über das Verteilernetz im Lebenmitteleinzelhandel. Laut Gastredner Michael Koch, Marktanalyst Gartenbau der Agrarmarkt Informations-GmbH aus Bonn, verlangt der Verbraucher mehr Convenience (zum Gebrauch vorbereitetes Gemüse). Fast Food also, aber in guter Qualität, rund um die Uhr abrufbar und vielseitig zubereitet.

Die Frage ist allerdings, ob der Verbraucher auch den Preis dafür zahlt. Der Fachvortrag im Rahmen der Spargelsaisoneröffnung auf dem Hof Thiermann mutierte erneut zur Information über ein Thema, das Gastgeber Heinrich Thiermann, seine Familie und das gesamte Team an Mitarbeitern nicht erst seit gestern umtreibt.

Nicht jeder der über 400 Gäste steckt ähnlich tief in der Thematik, aber der Termin eint sie in Scharringhausen. Als Netzwerk, das sich austauscht oder als Informationsquelle – wie Landrat Cord Bockhop erfreut anmerkte. Es sei ein Termin, der herausstehe in der mittlerweile überbordenden Anzahl an Events. Die Firma Thiermann zeige, wie man ein Unternehmen wertkonservativ und dennoch innovativ weiterentwickeln könne.

Breite Produktpalette notwendig

Gastgeber Heinrich Thiermann.

Und so gehören Convenienceprodukte seit Längerem zum Portfolio der Firma: geschälter Spargel etwa und weitere Produkte aus eigener Herstellung. Michael Koch betonte den Trend zur Regionalität. Jeder Verbraucher allerdings definiere Regionalität (die gleichgesetzt werde mit Nachhaltigkeit) anders: Für den einen heiße es „im Umkreis des Wohnortes hergestellt“, für andere reiche es, dass das Produkt aus dem eigenen Bundesland stammt. 

Laut Koch gebe der Verbraucher zudem in Umfragen andere Antworten, als an der Kasse (Das heißt: Sie sagen, sie wollen entsprechende Produkte, kaufen sie aber nicht). Und: Der Verbraucher frage die Regionalität nicht für alles nach, am stärksten bei Fleisch, Obst und Gemüse.

Laut Koch stagniere die Direktvermarktung. Der Verbraucher habe nicht vom Einzelhandel hin zum Kauf beim Produzenten gewechselt. Ein Grund mag sein, dass der Lebensmitteleinzelhandel zunehmend regionale Produkte in die Regale stellt. Da werde die Regionalmarke zur Normalität und auch der Preisabstand verringere sich stetig.

Daheim bleibt der Herd öfter kalt

Koch verriet einige der Trends: Es werde weniger zu Hause gekocht; die Verbraucher essen unterwegs; die Mahlzeit, die zu Hause eingenommen werde, sei das Abendessen – und da sei die Frage, wer den Aufwand betreibe und selber koche. Das Motto „Fast Food“ mutiere zu „Fast Good“, nachgefragt sei vegane oder vegetarische Küche, ein vielseitiges, internationales Angebot, per Foodtrucks an außergewöhnlichen Orten serviert. Aufgabe des Produzenten: Er muss eine gezielte Vorauswahl treffen, was er herstellt.

Dass sich Landwirtschaft verändert, bestätigte Gerhard Schwetje, Präsident der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Weiterhin wolle der Landwirt preiswerte, gute Lebensmittel schaffen – und die Kulturlandschaft erhalten. Landwirt sei ein nachgefragter Beruf, freut sich Schwetje. Verärgert ist er darüber, dass der Erzeugung von Lebensmitteln keine Wertschätzung entgegengebracht werde.

Bertold Niehaus, Vorsitzender der Vereinigung der Spargelanbauern in Niedersachsen, will den Pro-Kopf-Verbrauch an Spargel steigern. „Und damit beginnen wir heute hier.“

sis

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