Treffen der „Historiker“ aus der Samtgemeinde Kirchdorf mit Ralf Weber

Forum für die Heimatpfleger

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Irmgard Krebs hatte Büchertische mit Material aus dem Archiv vorbereitet.

Kirchdorf - „Das ist deine Schwägerin?“ Dorothee Sudenn aus Varrel ist überrascht. Helmut Menze, 1931 in einen Häuslingshaus in Klein Lessen geboren, hat die Daten der Ahnen im Kopf und die Geburtsnamen der Frauen in seiner Familie. Und er ist am Donnerstagvormittag zu Gast beim Treffen der Heimatpfleger der Samtgemeinde Kirchdorf. Zu dem hat Irmgard Krebs eingeladen, auch Historiker Ralf Weber dazugebeten, der die Geschichte der Häuslinge im Landkreis Diepholz erforscht (wir berichteten).

Die „Feldarbeit“ übernehmen dabei die örtlichen Heimatvereine. In der Samtgemeinde Kirchdorf sind diese sehr aktiv: Geschichte um Geschichte wird offenbar, je mehr sich die Vereine mit den Häusern und den Menschen, die einst darin lebten, beschäftigen.

Fotomaterial zu finden ist nicht einfach, mitunter ein Zufall, wenn etwa Gebäude im Hintergrund bei genauerem Studium als Häuslingshäuser erkannt werden. Fotografie war zum Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts auf dem Land nicht so verbreitet. Zudem wurden viele der Häuser zwischenzeitlich abgerissen. Der Austausch von Informationen untereinander sowie Fragen an Ralf Weber, der die Kerninformationen zur Erfassung der Daten vorstellte, standen im Mittelpunkt des Treffens, etwa zu Rechtsfragen. Der Fragebogen soll den Heimatpflegern vor Ort Richtlinie sein für Gespräche mit Zeitzeugen, damit nichts Wichtiges an Informationen vergessen wird. Eile ist geboten, denn die Zeitzeugen sind meist deutlich über 80 Jahre alt. „Der Tod ist der Feind unseres Projektes“, kommentiert Weber die umfangreiche Aufgabe, die der Kreisheimatbund sich auf die Fahne geschrieben hat. Da Ralf Webers Arbeitszeit für die Erforschung des Häuslingswesens zeitlich beschränkt ist, gilt die Maxime, die Geschichten so zügig es möglich ist, zu sammeln. Spätestens bis Ostern 2016 sollten die Informationen bei Weber liegen. Für das Jahr 2017 soll sein Buch zum Häuslingswesen im Landkreis fertig gestellt sein.

Erinnerungen an eine gemeinsame Sache können auch unterschiedlich sein: Häuslinge haben das Leben anders wahrgenommen, als die Bauernschaft, auf deren Grund sie lebten. Hatten manche Häuslinge nach dem Zweiten Weltkrieg bessere Einkünfte bei regulären Arbeitsstellen, haben die Bauern sie für diese Jobs heftig kritisiert: „Das kam nämlich nicht gut an bei denen“, weiß Helmut Menze zu berichten. Dass Häuslinge, die nicht mehr arbeiten konnten, verarmten und obdachlos wurden – betteln war verboten – Grund war für Friedrich von Bodelschwingh, entsprechende Heime und Unterkünfte für diese Menschen in Freistatt zu bauen, war neu für Weber. Die Heimatpfleger der Samtgemeinde haben ihr nächstes Treffen im Januar daher im Freistätter Haus Moorhort verabredet, gerne mit einer Führung, Ralf Weber wird dabei sein.

sis

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