Kirchdorf: Glißmann übernimmt Geschäftsführung von „Maler Brandes“

Traditionsfirma bleibt im Ort

Neuer Inhaber: Olaf Glißmann (rechts), Mitarbeiter Olaf Schindler sowie Günter Brandes (links). Foto: S. Wendt

Kirchdorf – Gerade als das Pressegespräch beginnen soll, geht die Tür auf: Eine Kundin will das Zimmer der Tochter neu streichen. Es soll weniger rosa werden, als bisher. Aber wie genau… „Hier, nimm die Farbkarten mit und suche dir die Farbe aus“, sagt Günter Brandes. „Super, bringe ich dir heute Nachmittag wieder rein. Halb drei… ach, nein, das schaffe ich nicht, eher Viertel nach drei, halb vier.“ Alltag bei Maler Brandes. Die Firma gibt es bereits seit dem Jahr 1907, das Geschäft an der Langen Straße in Kirchdorf, so wie die Kundschaft es heute kennt, seit 1952.

Geschäft und Expertise von Günter Brandes sollen auch künftig bleiben, doch offiziell übernommen hat die Geschäftsführung Olaf Glißmann aus Woltringhausen. Das Zusammentreffen der beiden Inhaber von Familienunternehmen liege bereits länger zurück, etwa zwei Jahre, als Malermeister Brandes (heute 68 Jahre alt) unvorhergesehen plötzlich vor der Frage stand, ob er sein Geschäft alleine weiterbetreibt oder einen neuen Mitarbeiter einstellt.

Das Geschäft führt er in dritter Generation, ein Nachfolger in der Familie steht nicht bereit. Auch Olaf Glißmann führt seinen Familienbetrieb in dritter Generation, heute mit 13 Mitarbeitern. Sein ältester Sohn besucht bereits die Meisterschule. Die Herren finden zu einem gemeinsamen Nenner, eben jenem, dass Glißmann und Brandes zusammen Ansprechpartner für Aufträge und Beratung bei Malerarbeiten sind. Das läuft bereits seit anderthalb Jahren.

Nun folgte ein weiterer Schritt: Die Übernahme des Geschäftes. Glißmann betont: „Der Name Maler Brandes aber bleibt für das Geschäft hier vor Ort.“ Die Ausführung der Arbeiten samt Rechnungsstellung liegt künftig in den Händen des Malerfachbetriebes von Olaf Glißmann.

Unter dem Motto „Gemeinsam Farbe bekennen“, werden künftig alle Arbeiten rund um das Maler- und Lackiererhandwerk angeboten, dazu zählen auch Tapezierarbeiten und Bodenbeläge. Letzteres hatte Brandes eher heruntergefahren, Glißmann will es verstärkt wieder anbieten, auch im Fachgeschäft an der Langen Straße in Kirchdorf mehr Kollektionen dazu zeigen. „Stück für Stück“ sollen die Räumlichkeiten umgebaut werden. Glißmann habe keine Eile, sagt er, bis zum Frühjahr aber wolle man alle geplanten Arbeiten abgeschlossen haben – und die neuen Räumlichkeiten samt Leistungsumfang und Mitarbeitern der Öffentlichkeit präsentieren. Die kleine Werkstatt in Kirchdorf wolle man beibehalten, Aufträge übernimmt die Firma im Umkreis von 40 bis 50 Kilometern rund um Woltringhausen, auch manche Kunden aus Kirchdorf waren schon darunter. Maler- und Tapezierarbeiten, Spezial- und Dekoputze, kreative Oberflächentechniken, Fassadensanierungen und Bodenbelagsarbeiten zählen zum Angebot der Firma Glißmann.

Das Fachgeschäft in Kirchdorf kann sich gegen die Mitbewerber durch die lange Fachexpertise vor Ort behaupten, erklären Brandes und Glißmann. Man habe viele Stammkunden. „Die schätzen die gute Beratung“, sagen Glißmann und Brandes unisono. Und die ist weiter erhältlich.

Wie Familie Brandes nach Kirchdorf kam

In der Chronik der Gemeinde hat Joachim Hölzchen notiert, wie die Familie Brandes nach Kirchdorf kam: Hermann Brandes, gebürtig aus Elste /Weser, malte 1911 die Steyerberger Kirche aus. Das erfuhr der hiesige Kirchenvorstand und beauftragte Brandes, dem Gotteshaus in Kirchdorf einen neuen Anstrich zu geben. Brandes nannte sich stolz Dekorationsmaler: Sein Spezialgebiet sei die Wand- und Deckenmalerei gewesen. Die Aufträge hätten sich bald gehäuft und Maler Brandes habe mehrere Gehilfen beschäftigen können. Nach vier Umzügen findet er 1928 im Torfstall der alten Schule einen Platz für seine Werkstatt. Gegenüber, auf dem Hof Nummer 6, hat seine Ehefrau Magdalena (die Heirat erfolgte 1920) einst gewohnt. Miete und Pacht zahlt Brandes an die Kirche, die Familie kann ein Schwein und einige Hühner halten sowie einen kleinen Garten bewirtschaften.

Beider Sohn Hermann, geboren 1922, übernimmt 1948 den Betrieb für Maler- und Tapezierarbeiten. 1946/1947 hatte er die Kunstschule in Bremen, besucht 1948 die Meisterprüfung abgelegt. „Viele Jubiläumsurkunden zeugen von seinem Talent als Schriftenmaler“, heißt es in der Chronik. Nach der Hochzeit mit Sophie Hasselbusch 1951 zieht die Familie auf die Hofstelle Nummer 49, hier findet der Malerbetrieb mit Farbenhandlung eine dauerhafte Adresse. In der Blütezeit (1958/1959) werden zwölf Lehrlinge und Gesellen beschäftigt. Sohn Günter Brandes übernimmt im Jahr 1987 die Firma.

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