Landwirte befürchten Einbußen

Die Steppe von Kirchdorf: Vertrocknete Maisfelder erinnern an Dürrejahr 2018

Oben: Die Landwirte Steffen Hoyer (l.) und sein Nachbar Jan-Henrick Hespos demonstrieren, wie wichtig Wasser für den Mais ist. Links eine bewässerte Pflanze, rechts eine vertrocknete.Links: Dieser Mais ist praktisch tot. Die Blätter sind braun, die Kolben fehlen. Eigentlich wird Pflanze zweieinhalb bis drei Meter hoch. Der Mais auf diesem Feld wird wohl nicht mehr weiter wachsen. Er ist einen guten Meter hoch. Fotos: Luka Spahr
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Die Landwirte Steffen Hoyer (l.) und sein Nachbar Jan-Henrick Hespos demonstrieren, wie wichtig Wasser für den Mais ist. Dieser Mais ist praktisch tot. Die Blätter sind braun, die Kolben fehlen. Eigentlich wird Pflanze zweieinhalb bis drei Meter hoch. Der Mais auf diesem Feld wird wohl nicht mehr weiter wachsen. Er ist einen guten Meter hoch.

Die vergangene Erntesaison dürfte dem einen oder anderen Landwirt noch gut in Erinnerung geblieben sein. 2018 ging als Dürrejahr in die Geschichte ein. Droht nun in diesem Jahr eine ähnliche Situation? In Kuppendorf sieht alles danach aus. Dort reiht sich ein vertrocknetes Maisfeld an das nächste.

Kirchdorf – Als Jan-Henrick Hespos mit seinem Vater vor zehn Jahren gemeinsam in die Landwirtschaft gegangen ist, war die Welt noch eine andere. Die Kühe muhten zwar damals wie heute und die Mais- und Getreidefelder des Betriebs müssen nach wie vor bestellt werden – aber die Wetterbedingungen sind inzwischen andere. 

Das wird deutlich, wenn man zu dem Landwirt in den Geländewagen steigt und einmal an seinen Feldern in Kuppendorf südlich von Sulingen entlangfährt. Die Tour gleicht einer Fahrt durch die Steppe.

Steppe in Niedersachsen: Mais ist hin

„Dieser Mais ist hin“, sagt Hespos während er nach rechts auf einen Acker blickt. Auf der gegenüberliegenden Seite: eine Weide mit braunem, vertrocknetem Gras. „Die Kühe fressen eigentlich gar nichts mehr davon.“ So geht die Fahrt weiter. Der Wagen holpert über sandigen Boden, ein Hase springt vor dem Auto in die trockenen Gräser am Wegesrand. Was fehlt, ist der Regen.

Dieser Mais ist praktisch tot. Die Blätter sind braun, die Kolben fehlen. Eigentlich wird Pflanze zweieinhalb bis drei Meter hoch. Der Mais auf diesem Feld wird wohl nicht mehr weiter wachsen. Er ist einen guten Meter hoch.

An einem Feld hält Hespos an und geht zu hüfthohen, vertrockneten Maispflanzen – Futter für rund 120 Kühe samt Nachwuchs. Wenn die Blätter sich einrollen und braun werden, ist das meist ein schlechtes Zeichen, erklärt der 35-Jährige. Dann bekommt die Pflanze zu wenig Wasser. In diesem Fall sei das sogar passiert, bevor das Farnblatt da war. Einen Kolben sucht man vergeblich. Dabei liefere gerade dieser 55 Prozent der Energie, so Hespos.

Landwirt in Sorge: Kühe auf Gras, Heu und Mais angewiesen

Während Schweine- und Hühnerhalter keine Probleme hätten und Kraftfutter zukaufen können, steht der Kirchdorfer vor einem Problem. Seine Kühe sind auf Gras, Heu und Maissilage angewiesen. Haben diese nicht den nötigen Energiegehalt, essen die Kühe schon mal das Drei- bis Vierfache.

Diese Maispflanze ist praktisch tot. Jan-Henrick Hespos zeigt, dass die Erde nicht mehr als trockener Sand ist. Eigentlich werden die Gewächse zwei bis zweieinhalb Meter hoch. Der Mais auf diesem Feld wird dieses Jahr nicht weiter wachsen.

Die Autofahrt geht weiter. Unterwegs erklärt der Landwirt, der den Betrieb nun seit fast zwei Jahren alleine führt, dass der Boden derzeit „wie ‘ne Wachsschicht“ sei. Der wenige Regen der vergangenen Tage dringe kaum tiefer als ein paar Zentimeter ein. Darunter sei trockener Sand.

Pflanzen ziehen sich Wasser aus tieferen Erdschichten

Immer wieder fällt bei Hespos der Ausdruck Bodenschluss. Der bedeutet, dass die Pflanzen das lebensnotwendige Wasser nicht unbedingt von oben, sondern auch aus tiefer gelegenen, feuchteren Erdschichten bekommen können, die sich im Winter vollgesogen haben. Davon ist derzeit allerdings nicht viel übrig. 

Mit gutem Auge erkennbar: Der Mais in der Ferne ist deutlich grüner und saftiger, als der Mais in der Bildmitte. Solche Verteilungen sind je nach Bodenbeschaffenheit und Bewässerung überall auf den Feldern zu erkennen.

Bereits im vergangenen Sommer klagten die Landwirte über die Dürre, der Winter war ebenfalls sehr trocken. Jan-Henrick Hespos ist kein Mann von Traurigkeit, wirkt eher pragmatisch. Dennoch gesteht auch er: „Es geht schon um Existenzfragen.“

Beregnungsanlagen sichern Mais-Erträge

Nächster Halt: die Biogasanlage von Hespos Nachbar Steffen Hoyer. Er baut auf insgesamt 300 Hektar Land Mais an. Bei ihm sieht die Situation jedoch ein wenig besser aus. Was das heißt, zeigt er an einem Feldweg. Links sehen die Pflanzen aus wie auf den Feldern von Jan-Henrick Hespos. Rechts, auf seinem Acker, ist der Mais deutlich höher, grüner und saftiger. Am Feldrand steht eine große Beregnungs-Anlage.

Links ein Feld ohne Beregnung mit vertrockneten Maispflanzen, rechts ein bewässertes Feld mit deutlich grüneren, kräftigeren und höheren Maispflanzen.

Wie viele andere Landwirte auch, greift Hoyer auf diese Notbewässerung zurück. Der Landwirt fasst seine Bewässerung in Zahlen zusammen. Insgesamt 1,4 Kilometer Rohre habe er von seinem Brunnen aus entlang der Feldränder fest verlegt. Im Schnitt darf er pro Jahr 70 Liter Wasser pro Quadratmeter verteilen. In besonders heiklen Zeiten bis zu 110 Liter. Diese Marke hat er vergangenes Jahr erreicht.

Wasserspritze läuft in 2019 besonders früh

Während seine Wasserspritze 2018 insgesamt 1 400 Stunden lief, stehe der Zähler jetzt schon auf 300. Normalerweise brauche er sie zu dieser Jahreszeit noch gar nicht, vor drei Jahren ließ er die Spritze sogar komplett in der Scheune. Seit im vergangenen Sommer der Regen nachließ, ist alles anders. „Das hat es noch nicht gegeben“, fügt Hespos hinzu.

Wegen seiner Kühe habe er keine Zeit, seine Felder zu bewässern, erklärt er. Im Gegensatz zu seinem Nachbarn habe er kein fest installiertes System und müsse jedes Mal die Rohre von Hand verlegen.

Bewässerung stößt an Grenzen: Pflanzen droht Trockentod

Aber auch Hoyer stößt an Grenzen. Er kann maximal 25 Prozent seiner Felder bewässern. Den restlichen Pflanzen drohe auch der Trockentod. Glück im Unglück: Steffen Hoyer hat gut gewirtschaftet. In den vergangenen Jahren hat er sich ein kleines Polster aufgebaut.

Die Landwirte Steffen Hoyer (l.) und sein Nachbar Jan-Henrick Hespos aus Kirchdorf demonstrieren, wie wichtig Wasser für den Mais ist. Links eine bewässert Pflanze, rechts eine vertrocknete.

Bis Anfang/Mitte Januar 2020 könne er die Anlage daher wie gewohnt betreiben. Dennoch: Vom Dürrejahr 2018 bleibt bei Hoyer ein Fehlbetrag von rund 100.000 bis 120.000 Euro auf dem Konto. Dieses Jahr bahnt sich Ähnliches an. Er und Hespos erwarten einen um 20 bis 25 Prozent niedrigeren Ernteertrag als sonst.

Niedersachsens Landesregierung hilft mit Dürrehilfe

Die Regierung versuchte im vergangenen Jahr, den Landwirten mit insgesamt 45,8 Millionen Euro an Dürrehilfe unter die Arme zu greifen. 4 600 Landwirte stellten einen Antrag auf Unterstützung. Nicht alle davon wurden genehmigt, die Missernten nicht bei allen kompensiert.

Von der Hilfe halten Jan-Henrick Hespos und Steffen Hoyer nicht viel. Auf der Fahrt durch die Gras-Steppe, die Hoyer aufgrund der Ausdehnung für einen Winnetou-Dreh vorschlägt, sagt Hespos: „Das ist alles schön und gut, dass die Landwirte Geld bekommen. Aber Geld fressen die Kühe nun mal nicht.“

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