Seniorchef zur aktuellen Lage

Nach Corona-Ausbruch: Spargelanbauer drosselt Produktion

Heinrich Thiermann bei der Eröffnung der Spargelsaison im April 2019.
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Heinrich Thiermann bei der Eröffnung der Spargelsaison im April 2019. (Archivfoto)

Update: 4. Mai: „Am Montag wurden innerhalb des landwirtschaftlichen Betriebs Thiermann Gartenbaubetrieb GmbH & Co. KG Spargel- und Beerenfrüchte erneut 899 Personen getestet“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landkreises Diepholz. Personen, die bereits zuvor einen positiven Befund erhalten haben, seien nicht erneut in die Reihentestung einbezogen worden. Am Dienstagnachmittag habe dem Gesundheitsamt des Landkreises Diepholz rund die Hälfte der Ergebnisse vorgelegen: Mit bisher acht weiteren bestätigten Infektionen. Da bei einigen der zuvor positiv getesteten Personen die Quarantäne ausgelaufen sei, umfasse das Infektionsgeschehen derzeit 104 aktive Covid-19-Infektionen. „Wir müssen zunächst die weiteren Testergebnisse abwarten. Diese werden am Mittwoch erwartet“, erklärt Landrat Cord Bockhop. „Es lässt sich jedoch bereits jetzt erkennen, dass die bisher getroffenen Maßnahmen der letzten Tage Wirkung zeigen. Weitere Testungen sind für Donnerstag geplant.“ Für die Samtgemeinde Kirchdorf werden, Stand Dienstag, insgesamt 114 Personen als an Covid-19 Erkrankte gemeldet. Der Inzidenzwert für den Landkreis mit 141,3 angeben.

Ursprünglicher Artikel, vom 3. Mai: Kirchdorf - 104 Mitarbeitende von gut 1.200 insgesamt sind, Stand 3. Mai, positiv auf das Coronavirus getestet worden: Nach der ersten Reihentestung in der vergangenen Woche, folgte am Montag eine zweite auf dem Fruchthof Thiermann im Kirchdorfer Ortsteil Scharringhausen. Die bisher positiv getesteten Personen wurden isoliert und befinden sich in Quarantäne.

Auch für die bislang negativ getesteten Personen hat der Landkreis Diepholz eine häusliche Absonderung mit Ausnahme der Wahrnehmung der beruflichen Tätigkeit angeordnet.

Seniorchef Heinrich Thiermann, 78, erläutert im Interview die aktuellen Maßnahmen auf dem Hof rund um die Mitarbeiter und wie der Betrieb derzeit aufgestellt ist.

Welche Vorkehrungen zum Schutz vor einer Corona-Infektion hat die Geschäftsführung jetzt zusätzlich getroffen?

Die Organisation der Betriebs- und Arbeitsabläufe ist in einem betrieblichen Hygienekonzept geregelt. Dies folgt dem Grundsatz: zusammen leben und zusammen arbeiten. Nach Anreise befinden sich alle Arbeitskräfte in Arbeitsquarantäne – und werden von der Firma voll versorgt. Die Unterkünfte werden von einem Sicherheitsdienst überwacht, sodass auch später eine Durchmischung unterbunden wird.

Zurzeit sind alle Mitarbeiter in Arbeitsquarantäne, aufgrund des derzeitigen Infektionsgeschehens.

Wir haben zweimal wöchentlich einen Schnelltest angeboten. Nach einem positiven Schnelltest folgte die sofortige Isolation und ein PCR-Test. Nach der ersten Häufung der positiven Schnelltests haben wir das Gesundheitsamt um Unterstützung gebeten, diese erfolgte dankenswerterweise umgehend. Zuvor wurde das Betriebsgelände abgeriegelt und nur noch Mitarbeitern der Zutritt gestattet. Der Hofladen ist an die Straße verlegt worden. Dort befindet sich jetzt ein Verkaufsstand. Das Verkaufspersonal führt regelmäßig Selbsttests durch – schon seit Saisonbeginn. Die Gesundheit der Mitarbeiter hat Priorität.

Wie sind die Mitarbeitenden, die in der Spargelernte und -verarbeitung eingesetzt sind, geschützt? Gibt es für sie besondere Auflagen?

Die Gruppen arbeiten in reduzierter Gruppenstärke weiter. Um eine Schutzmaßnahme zu nennen: Wir kontrollieren sehr engmaschig. Zum Beispiel erfolgt die tägliche Rücksprache mit den Putzfrauen, um sicherzustellen, dass alle Unterkünfte mit Desinfektionsmittel und so weiter ausgestattet sind.

Die Gruppen bleiben weiterhin bestehen, die Erkrankten und die Kontaktpersonen befinden sich in Quarantäne – getrennt voneinander. Wir haben streng separiert nach Erkrankten und Kontaktpersonen.

Reicht der Wohnraum für all die unterschiedlichen Auflagen?

Ja, Wohnraum ist ausreichend vorhanden.

Sie sagen, die Firma versorgt die Mitarbeitenden – was umfasst diese Versorgung?

Es werden alle drei Mahlzeiten von uns ausgeliefert. Und auch auf spezielle Wünsche wird eingegangen. Von den Mitarbeitern erstellte Einkaufslisten werden von den Dolmetschern besorgt. Zudem wird ein Verkaufswagen eingesetzt, dieser liefert die zuvor bestellten Waren an die Mitarbeiter, die sich in Arbeitsquarantäne befinden, kontaktlos aus.

Wie erfolgt die ärztliche Versorgung der Erkrankten?

Die Erkrankten werden täglich von uns angerufen und der Gesundheitszustand wird abgefragt. Das RKI hat ein Merkblatt auch in Polnisch und Rumänisch für Erkrankte herausgegeben. In enger Absprache mit den Praxen vor Ort werden bei Bedarf Medikamente besorgt. Bei Zunahme der Beschwerden erfolgt die Einweisung in ein Krankenhaus.

Ist es unter den jetzt getroffenen Maßnahmen möglich, die Abläufe im Betrieb aufrecht zu erhalten? Falls nein, was ist nicht möglich?

Die Produktion ist zurückgefahren. Die Kunden reagieren mit großem Verständnis. Die nicht erkrankten Mitarbeitenden arbeiten weiter – in der Verwaltung zum Teil im Homeoffice, der Hofladen wird mit dem Verkaufsstand draußen vor dem Betriebsgelände sehr gut angenommen. Wir hoffen, dass wir mit dem Konzept der engmaschigen Testungen und dem sofortigen Separieren der Kontaktpersonen die Ausbreitung sehr schnell eindämmen.

Die Gesundheit der Mitarbeiter, das möchten wir noch einmal betonen, hat höchste Priorität und wir wünschen allen Erkrankten, dass sie schnell und vollständig wieder gesund werden. Auch allen anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern danken wir für den Zuspruch in dieser besonderen Situation sehr. Wir werden vom Gesundheitsamt und den Verbänden sehr gut unterstützt. Was auch besonders hilfreich ist. Wir würden uns ein Voranschreiten der Impfkampagnen der lebensmittelverarbeitenden Industrie sehr wünschen, so wie im Landkreis Vechta schon geschehen.

Was sagen die Mitarbeitenden?

Und was sagen die Mitarbeitenden zur augenblicklichen Situation? Nachgefragt bei Gabi Schröder, Mitarbeiterin im Landwirtschaftsbüro der Firma Thiermann.

Wie ist die Stimmung? Was bewegt die Mitarbeitenden jetzt? Fühlen Sie sich sicher? Haben Sie Angst?

Nein, wir sind nicht ängstlich. Wir haben uns nie unsicher gefühlt. Wir befolgen alle die Hygienemaßnahmen, die AHA-Regeln werden eingehalten. Wir sind nicht ängstlich. Manche sind ins Homeoffice gewechselt, weil sie Familienmitglieder haben, die sie pflegen, die zur Hochrisikogruppe gehören.

Gibt es die Option, ins Homeoffice zu wechseln, erst jetzt?

Nein, die gab es immer schon.

Können Sie sagen, wie es den Erntehelfern geht?

Die Stimmung ist angespannt. Manche wollten erst abreisen, sind aber jetzt beruhigt. Und ein negativer Test trägt auch dazu bei.

Nachgefragt im Gesundheitsamt des Landkreises Diepholz

104 von 1.200 Mitarbeitenden in verschiedenen Bereichen des Unternehmens Thiermann sind aktuell positiv auf das Coronavirus getestet (115 sind es insgesamt in der Samtgemeinde Kirchdorf, Stand, 3. Mai). Wo lag der Fehler? Nachgefragt im Gesundheitsamt des Landkreises Diepholz. Für das antwortet Mareike Rein als Pressesprecherin des Landkreises Diepholz.

Gab es Fehler im bisherigen Hygienekonzept? Gab es Kontrollen in der Firma, ob alle Maßnahmen dieses Konzeptes eingehalten wurden?

Der Betrieb verfügt über ein Hygienekonzept, das dem Gesundheitsamt des Landkreises Diepholz vorliegt. Dieses wurde nach Meldung der ersten drei Fälle in der vergangenen Woche am Montag, 26. April, kontrolliert. Abstände, ausreichende Belüftung, das Tragen von Masken und weitere Hygienemaßnahmen können dort, wo dies erforderlich ist, eingehalten und umgesetzt werden.

Es sollen nicht alle Erntehelfer eine Maske getragen haben, bei den Fahrten zum Einsatz auf den Feldern. Dazu hat es Gespräche gegeben mit den Mitarbeitern, um diese nochmal zu sensibilisieren im Hinblick auf das Nicht-Tragen von Masken in Bussen, aber auch anderen Produktionsbereichen, in denen Masken vorgeschrieben sind. Polizei und Ordnungsbehörden sind eingebunden.

Wie sieht der „Fahrplan“ aus bezüglich der Firma und ihren Mitarbeitenden?

Neben der regelmäßigen Vor-Ort-Begleitung durch das Gesundheitsamt erfolgt eine engmaschige Testung innerhalb des Betriebs, um weitere Ansteckungen frühzeitig identifizieren und das Infektionsgeschehen eindämmen zu können.

Am Montag erfolgte erneut eine Reihentestung in dem Betrieb. Weitere Tests sind für Donnerstag geplant.

In welcher Konsequenz stehen Maßnahmen für den gesamten Landkreis?

Selbstverständlich wirkt sich das Infektionsgeschehen auch in Form steigender Infektionszahlen für den gesamten Landkreis aus. Ab Mittwoch zieht im Landkreis Diepholz die sogenannte Corona-Notbremse.

Was, wenn ein Teil der Belegschaft einen schweren Verlauf erleidet und intensivmedizinisch betreut werden muss? Gibt es dafür schon ein Szenario, in welche Krankenhäuser die Patienten verlegt werden können?

Wie auch in anderen Krankheitsfällen erfolgt die Zuweisung in die Krankenhäuser nach ärztlicher Beurteilung. Derzeit befinden sich keine COVID-19-Patienten in den Kliniken des Landkreises Diepholz in intensivmedizinischer Betreuung. Je nach Schwere der Krankheit oder Auslastung der Kliniken können Personen, die stationär behandelt werden müssen, gegebenenfalls auch in umliegende Kliniken überwiesen werden.

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