1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Diepholz
  4. Kirchdorf (NI)

Spanisches Temperament in Strange

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Franziska Ahlers aus dem Wehrblecker Ortsteil Strange, hier mit, von links, Feno, Fernando und Falito, in dem Paddock, über das eine Bewegungshalle zum wetterunabhängigen Training gebaut werden soll.
Franziska Ahlers aus dem Wehrblecker Ortsteil Strange, hier mit, von links, Feno, Fernando und Falito, in dem Paddock, über das eine Bewegungshalle zum wetterunabhängigen Training gebaut werden soll. © S. Wendt

Strange – Hinterm Wald rechts rein, wenn man aus Wehrbleck kommt, und schon ist man mittendrin, in der Stranger Idylle der Familie Ahlers. Den Blick könnte man weit übers Feld schweifen lassen, wenn da nicht „Seniorhund“ Marley wäre, der das Vorurteil bestätigt: Je kürzer die Beine, desto länger und lauter wird gebellt. Ein Leckerli und eine Streicheleinheit später kommt Franziska Ahlers um die Ecke.

Die 26-Jährige ist Erzieherin, mit einem Faible für Pferde. Für spanische Pferde genaugenommen. Und die drei Seniores, die da über das Gatter gucken, scheinen genau zu wissen, dass sie das Thema sind, so aufmerksam verfolgen sie, was da passiert.

Franziska Ahlers baut sich ein weiteres Standbein auf in Strange. Es laufen derzeit alle Anträge, gebaut werden soll eine Bewegungshalle für Pferde. Was genau hat sie da vor?

Zurück auf Anfang: Franziska Ahlers wächst mit Tieren auf. Zuerst sei da ein Muli gewesen, mit 16 Jahren bekommt sie ihr erstes eigenes Pferd. Der Oldenburger Futuro zeigt Franziska penibel auf, was genau es alles heißt, ein Pferd zu haben, neben reiten. „Ich bin super perfektionistisch“, beschreibt sich Franziska Ahlers. Die junge Frau beschäftigt sich also mit allem, was zur korrekten, zur richtigen, zur perfekten Haltung eines Pferdes gehört. Futuro sei ein sehr guter „Lehrmeister“ gewesen.

Vor gut drei Jahren stößt Franziska Ahlers auf die spanischen Pferde. Ahlers beschäftigt sich mit den unterschiedlichen Namen und Rassen, ob PRE (Pura Raza Espangnola), Andalusier oder Lusitanos mit ihrem Ursprung in Portugal. Warum die? Vom Wesen her seien sie wie eine Mischung aus Labrador und Australien Shepherds: „Sehr menschenbezogen, sehr gelehrig.“ Die hohe Gelehrigkeit sei jedoch tatsächlich ein Handicap für die Pferde – oft genug würden ihnen zu früh zu hohe Aufgaben gestellt. Sie seien aber eher „Spätentwickler“, bräuchten Zeit.

Neben den Paddocks und den Stallungen, die es bereits in Strange gibt, soll nun eine Bewegungshalle entstehen. Warum? Welche Pläne hat Franziska Ahlers? Die spanischen Pferde werden stets in Boxen gehalten. Das sei aber gar nicht notwendig. Wenn sie die Pferde neu in Strange habe, stünden die erstmal irritiert da: Soviel Platz. „Die müssen erstmal realisieren, dass sie den Platz nutzen können.

Die Pferde stehen in Spanien einzeln im Stall, werden zum Arbeiten herausgeholt. Herdenleben kennen die gar nicht“, erklärt Franziska Ahlers. Feno, Fernando und Falito stehen derweil nebeneinander, Falito zieht sich etwas zurück, Feno guckt in Richtung Franziska Ahlers, während Fernando den Kopf hoch erhoben hat, er gehört Franziskas Mutter Silke. Und sieht sich als Chef im Paddock, zwickt Kumpel Falito. Tatsächlich sieht es nach einer typischen Kabbelei aus. „Die sozialen Kontakte untereinander müssen die Pferde hier erst lernen“, erklärt Ahlers. Und manchmal gehen dann doch die Pferde mit ihnen durch...

Die Pferde können jederzeit Unterschlupf und Schutz suchen.
Die Pferde können jederzeit Unterschlupf und Schutz suchen. © Franziska Ahlers

Die Ankunft in Deutschland beschere den Tieren viel Neues: Wetter, Boden, Futter – alles anders. Den Transport führe eine versierte Fachfirma durch, erklärt Ahlers. „Die Pferde kommen sehr entspannt hier an.“

Nach dem ersten Reitpferd sollte das zweite eines sein, dass sie sich ganz alleine erzieht, hatte sich die Strangerin vorgenommen. Und mit mehr Informationen rund um die spanischen Pferde einher ging die Idee, nicht nur für die eigenen Tiere zu sorgen. Die Familie besitzt heute drei große Pferde, drei Shettys – und bietet zudem Platz für Einstellpferde, der aktuell nicht komplett genutzt wird.

War ein erster Gedanke, mit den Pferden spezielle Reittherapien anzubieten, hat Franziska Ahlers diese Idee für sich verworfen. „Das können andere besser.“ Was sie aber sehr gut könne, ist den Pferden eine Wohlfühlatmosphäre zu schaffen. Eine passgenaue Haltung – dazu gehört eben auch eine 18 mal 28 Meter große Bewegungshalle, in der gegen Wetter geschütztes Training möglich ist.

„Phänomenal“: Pferdefotografin Alexandra Evang fing Franziska Ahlers und ihren Feno klasse ein.
„Phänomenal“: Pferdefotografin Alexandra Evang fing Franziska Ahlers und ihren Feno klasse ein. © -

Diese passgenaue Haltung erklärt Ahlers gerne auch Kunden, die sie in Sachen „spanische Pferde“ um Rat fragen. Sie bereitet diese Pferde für die Kunden vor. „Es ist spannend, zu sehen, wie sich die Tiere entwickeln, wenn sie sich ganz natürlich entwickeln können.“

Grundsätzlich lege sie aber den Schwerpunkt darauf, die Haltung der Tiere mit den Kunden zu besprechen und die haben die junge Frau aus Strange bereits als versierte Fachfrau schätzen gelernt. Spanische Pferde zu halten, das boome, erklärt Ahlers, die Preise bewegen sich, inklusive Transport durchaus um die 10.000 Euro.

Einen weiteren Schwerpunkt legt Franziska Ahlers auf den Reittourismus. Die Vernetzung mit möglichen Partnern sei denkbar, so dass Ausritte mit Einkehroption möglich werden. Dazu müssten die Pferde nämlich sicher untergestellt werden können.

Eine Pause könne man etwa im Landhotel Baumanns Hof in Kirchdorf einlegen, wo geeignete Koppeln und Ställe vorgehalten würden. Auf dem Hof in Strange ist ein Reiterstübchen geplant, für die Pferde soll ein Solarium gebaut werden und einen Soleanhänger solle es auch geben.

Von Sylvia Wendt

Auch interessant

Kommentare