Samtgemeinde Kirchdorf schickt Windkraft-Planung in frühzeitige Beteiligung

Sechs Potenzialflächen sollen reichen

Eine Ergänzung des Windparks Wehrbleck / Groß Lessen zählt zu den Potenzialflächen im Entwurf für die Flächennutzungsplanänderung.
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Eine Ergänzung des Windparks Wehrbleck / Groß Lessen zählt zu den Potenzialflächen im Entwurf für die Flächennutzungsplanänderung.
  • Sylvia Wendt
    vonSylvia Wendt
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Varrel – Platz genug für etliche Bürger mehr wäre gewesen in der Turnhalle in Varrel. Für die jüngste Sitzung des Rates der Samtgemeinde Kirchdorf hatte man gedacht, dass die nächste Entscheidung in Sachen Windkraft auf verstärktes Interesse stoßen würde – aber nein. Nur drei Zuschauer fanden sich ein.

Da sich Politik und Verwaltung in allen sechs Mitgliedsgemeinden seit Mai in öffentliche Sitzungen mit der Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes in Sachen Windkraft befassten, hatten die Bürger diese Termine genutzt, um Fragen zu stellen.

Auch am Dienstagabend wurde nachgefragt: Ein Bürger wollte wissen, ob das Oldenburger Planungsbüro, neben dem Auftrag von der Samtgemeinde, noch für einen weiteren Auftraggeber in der Kommune tätig gewesen ist. Thomas Aufleger, Diplom-Geograph vom Planungsbüro NWP, erklärte nachdrücklich, dass die avifaunistische Untersuchung, die stets gefordert sei, nur von anerkannten Experten durchgeführt werde – und für den Bereich der Samtgemeinde, so die Absprache, habe ein solch renommierter Fachmann jene avifaunistische Untersuchung durchgeführt. Seine Ergebnisse stünden nicht nur der Samtgemeinde für die Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes zur Verfügung. Hinsichtlich der Ausarbeitung von Potenzialflächen indes sei allein die Samtgemeinde Kirchdorf Auftraggeber.

Wie diese Potenzialflächen erarbeitet wurden, erläuterte Thomas Aufleger erneut – nicht ganz so detailliert, wie zur Auftaktveranstaltung im Mai, da die Ratsmitglieder zwischenzeitlich fast alle zumindest an einer der öffentlichen Sitzungen teilgenommen hatten. Was an Flächen nicht berücksichtigt werden kann (aus Naturschutz- oder Landschaftsschutzgründen, aufgrund von Abstandsregelungen zu Wohngebieten unterschiedlicher Ausweisung sowie besonderen Bauwerken, etwa Straßen, harte und weiche Tabuzonen) habe dazu geführt, dass von den fast 18 000 Hektar Fläche, die die Samtgemeinde Kirchdorf bilden, nach und nach Bereiche als mögliche Standorte aus der Planung fielen.

„Substanzieller Raum“ ist nicht definiert

Aufleger erinnerte dabei an eine immanent wichtige Vorgabe, soll der Flächennutzungsplan vor Gericht Bestand haben: die Bedingung, der Windkraft „substanziellen Raum“ zu geben. Der Begriff kann jedoch nicht mit einem Maß definiert werden, denn eine solche Vorgabe gibt es bundesweit schlicht nicht. Thomas Aufleger bekräftigte jedoch erneut, dass, wenn die Samtgemeinde mit den vorgeschlagenen sechs Bereichen in das Verfahren geht, diese ausreichen würden. Die im noch gültigen Plan ausgewiesenen Windkraftareale umfassen etwa 223 Hektar (4,2 Prozent der Gesamtfläche). Die sechs Bereiche (die bisherigen drei sind darin enthalten) summieren sich auf 466 Hektar, respektive 8,8 Prozent der Gesamtfläche. „Das reicht“, sagte Aufleger.

Die Planungen „behindert“ derzeit die Bundeswehr, die gebeten wurde zu sagen, wo sich die Flugschneisen für die Übungsflüge des internationalen Hubschrauberausbildungszentrums in Bückeburg befinden, die über die Samtgemeinde führen. Selbst die versierten Planer haben die eingesandten „Strickmuster“ (O-Ton Aufleger) noch nicht „lesen“ können, um die Bereiche im Planentwurf darstellen zu können. Zahlreiche Anfragen dazu blieben bisher unbeantwortet, heißt es seitens der Verwaltung und des Planungsbüros.

Der Rat der Samtgemeinde Kirchdorf, der mit 15 von 21 Mitgliedern unter der Leitung von Ratsvorsitzendem Axel Knoerig in Varrel tagte, stimmte mit jeweils zwei Enthaltungen (Matthias Stelloh und Helko Krickemann) dem Entwurf zur 115. Flächennutzungsplanänderung – einschließlich Begründung, Umweltbericht, faunistischem Gutachten und Standortkonzept – zu. Der Rat beschloss, ebenfalls bei Enthaltung der Ratsherren Stelloh und Krickemann, mit den vorliegenden Planungen in die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit, der Behörden und sonstiger Träger öffentlicher Belange zu gehen.

Alle Planunterlagen im Internet einsehbar

Die Vorgabe, in allen Schritten transparent zu sein, wolle man beibehalten: Alle Unterlagen zum Thema sind im Ratsinformationssystem auf der Homepage der Samtgemeinde (www.kirchdorf.de) nachzulesen, erinnerte Michael Kopecki, Allgemeiner Vertreter des Samtgemeindebürgermeisters.

In Summe 466 Hektar für Windkraftnutzung

Auf etwa 466 Hektar summieren sich die sechs Bereiche im Entwurf, mit dem die Samtgemeinde Kirchdorf in das Verfahren zur 115. Flächennutzungsplanänderung geht. Areal eins befindet sich nordöstlich von Wehrbleck, als Ergänzungsfläche des dort bereits bestehenden Windparks Wehrbleck / Sulingen – Groß Lessen. Areal zwei liegt nördlich von Barenburg, als Ergänzung des Windparks Sulingen – Lindern. Areal drei befindet sich in Varrel und teilt sich auf in zwei Bereiche – südöstlich von Freistatt und südwestlich von Varrel. Areal vier liegt mitten in der Samtgemeinde, südlich von Barenburg, westlich von Kirchdorf und nordwestlich von Scharringhausen. Areal fünf umfasst den bestehenden Windpark in Holzhausen mit derzeit 15 Windkraftanlagen. Areal sechs liegt südöstlich von Kuppendorf, an der Grenze zur Samtgemeinde Uchte.

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