Heimatmuseum in Kirchdorf: Vorbereitung für die neue Saison

Zum Schließen zu schade

„Hallelujah-Pumpe“ wird das Tasteninstrument liebevoll genannt, das im Haus 2 aufgestellt ist. Fotos: S. Wendt

Kirchdorf - Von Sylvia Wendt. 381 Besucher im Jahr 2019: Da wäre noch „Luft nach oben“, was die Gästezahl im Heimatmuseum in Kirchdorf angeht. Wie allerdings lockt man Besucher in die Räumlichkeiten? Wie weckt man ihr Interesse daran, in die Geschichte einzutauchen, die mit vielen Ausstellungsthemen nicht allein auf Kirchdorf beschränkt ist? Der Museumsexperte rät, Bereiche zu schaffen, wo die Besucher Dinge selbst machen können. „Dafür aber ist das Heimatmuseum in Kirchdorf nicht ausgelegt“, erklärt Joachim Hölzchen.

Dass Schätze im Obergeschoss des Dorfgemeinschaftshauses auf Bewunderer warten und im zweiten Haus an der Brunnenstraße, gegenüber gelegen, ebenso, das scheint besonders Auswärtige zu interessieren.

Schätze oder Schrott?

Joachim Hölzchen ist seit 1994 als Vorsitzender des Heimat- und Verschönerungsvereins Kirchdorf, Mit Akribie hat er die Daten und Fakten für die Chronik zusammengetragen. Hölzchen wurde und wird heute noch gerufen, wenn es gilt, Haushaltsdinge in Schätze und Schrott einzuteilen. Man ist froh, wenn jemand Erinnerungen an vergangene Zeiten erkennt und diese für das Museum herrichtet.

Themen wie die Bäderhistorie der Kommune, ihre Kaufleute, die Handwerksvielfalt, Schulalltag einst, das Leben auf dem Land, Technik, die vor Jahrzehnten als innovativ galt und heute als Rarität in der Vitrine glänzt: Hölzchen und Helfer erlauben den Besuchern viele Einblicke.

Saisonstart: 28. April

Es gibt viel zu entdecken. Geöffnet ist das Museum immer am vierten Sonntag eines Monats, von 14 bis 18 Uhr, bei freiem Eintritt. Und die Gruppe der „Fliedigen Deerns“ sorgt in der Kaffeestube für Speis und Trank. Der Start in die Saison erfolgt am Sonntag, 28. April. Vorbereitet werde eine Sonderausstellung über Kurt Pfaffenberg, kündigt Joachim Hölzchen an.

Hölzchen entstammt einer Zeit, in der die Dorflehrer auch die Chronistenaufgaben übernahmen. Der ehemalige Lehrer an der Kirchdorfer Schule hat etwa Kunstwerke aus der Orientierungsstufe aufbewahrt: Die Werke zieren die Wände der neu geschaffenen Galerie im Brunnenhaus.

Neue Galerie

Der 80-Jährige bereitet den Umzug seines Archives vor ins Obergeschoss des Brunnenhauses. Hier soll ein PC-Arbeitsplatz entstehen, der Zugriff erlaubt auf die ungezählten Dokumente, die Joachim Hölzchen zusammengetragen hat.

Der Gang ins Obergeschoss übrigens bleibt allen verwehrt, die Treppen eben nicht mehr steigen können. Das gilt eben so für das Dorfgemeinschaftshaus: Ein Manko für jedes Museum, jedes öffentliche Gebäude. Eines, das immense Kosten verschlingen würde, wollte man etwa einen Fahrstuhl einbauen. Daran denkt Hölzchen nicht mal, ihn bewegen eher die Dachrinnen am alten Stallgebäude und das Dach generell. Ebenso ein weiterer Raum im Haus an der Brunnenstraße, der noch nicht hergerichtet ist und dessen Wände die oiginal 70-er Jahre Tapete ziert.

„Ich wäre froh, wenn es jemanden gäbe, den ich einarbeiten könnte, der das weitermacht“, sagt Hölzchen mit Blick auf die Mitglieder des Heimatvereins, der unter Überalterung leide. Mit „das“ ist das Museum gemeint – wer führt es weiter? Wer ist vor Ort, wenn es geöffnet hat? Wer kümmert sich um neue Ausstellungen? Das Museum schließen? „Dazu steckt zu viel Geld drin“, sinniert Hölzchen.

Bibliothek

Im Obergeschoss neben dem Archiv füllen Bücher die Regale: Die Bibliothek gibt weniger Einblicke in die Lesegewohnheiten der Menschen, vielmehr stehen hier Heimatbücher über die Region. Feldpostbriefe und Ansichtskarten hat Hölzchen in Ordnern sortiert. Handbücher sind teilweise handgeschrieben – und Hölzchen gesteht, dass er manches Mal beim Aufräumen zu lesen beginnt und die Zeit vergisst. Und damit das Aufräumen.

Nachfolger gesucht

Manches Ausstellungsstück gibt es gleich mehrfach. Ein Flohmarkt wäre denkbar, um Gelder für weitere Aufgaben zu sammeln. Doch: Wer plant den?

Für Hölzchen ist die fehlende Nachfolge kein Thema, das auf den Heimatverein Kirchdorf beschränkt ist: „Das gibt es überall.“ Wer erkennt bei Haushaltsauflösungen, was weg kann und was noch einen Platz im Museum verdient hätte? „Viele haben leider kein Interesse mehr an Heimatkunde“, sagt Hölzchen. Exponate dürften nicht zu viel Text habe – das lese niemand. Und ein Audioguide? „Das ist eine gute Sache, aber wir sind zu klein, zu amateurhaft.“

Zu amateurhaft

Als Besucher im Museum begrüße er hauptsächlich Auswärtige, die sich einen schönen Sonntag machen möchten, Menschen, die ihren familiären Wurzeln nachspüren und die alte Heimat mit der Familie erkunden möchten.

Die Besucher dürfen sich neben der neuen Galerie freuen auf alte Postkarten, die jetzt Wände zieren. Auf alte Vereinsfahnen des MTV und des Gesangvereins, die eigene Schaukästen haben. Der MTV „Frisch Auf“ von 1919 habe seinerzeit glatte zwei Millionen Mark für die Fahne bezahlt und das Motto der Sportler einsticken lassen: „Wer seinen Körper stählt, pflegt seine Seele“.

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