Schlichte, aber faszinierende Performance eröffnet „ArtUniversale Kirchdorf“

Gefühle fließen auf Papier

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Young-Ja Bang-Cho und Axel Rupp zogen das Publikum in ihren Bann.

Kirchdorf - Von Andreas Behling. Mit sphärischen Sitarklängen und Obertongesang erzeugt Axel Rupp eine meditative, geheimnisvolle Atmosphäre im „Kunstraum 1“, steigert mit Trommelklängen die Spannung. Und dann reichen eine Papierrolle und ein Fläschchen schwarzer Tusche als Utensilien der Malerin und Aktionskünstlerin Young-Ja Bang-Cho, um die Gäste der Eröffnungsveranstaltung der „ArtUniversale Kirchdorf“ am Samstagnachmittag mit ihrer Performance in ihren Bann zu ziehen und zu faszinieren.

Die Wahlhamburgerin nimmt die Farbe in den Mund, nutzt ihre Zunge als Pinsel: Formen, Figuren die an asiatische Schriftzeichen erinnern fließen auf das Papier, das Inka Uzoma, ebenfalls eine der zwölf bei der „ArtUniversale“ ausstellenden Künstler, andächtig abrollt. Der Platz im „Kunstraum 1“ reicht – inklusive Vorraum – gerade aus bis zur Vollendung der „Schriftrolle“. Die Gäste, die Spalier gestanden haben, spenden donnernden und anhaltenden Applaus, Ausrufe der Begeisterung sind zu hören. Abschnitte der Rolle werden zu besonderen Souvenirs, Young-Ja Bang-Cho signiert sie. Und lächelt, als sie gefragt wird, was darauf zu lesen ist. Sie habe eine alte Technik des Zen abgewandelt, in der eine gerade Linie gezogen wird: „Warum nicht mit dem Körper Gefühle direkt weitergeben?“ Es seien die Gefühle der anwesenden Kunstinteressierten, die sie aufnahm und auf das Papier brachte.

Er sei „ganz erstaunt, dass so viele Kunstinteressierte und Kunstschaffende den Weg nach Kirchdorf gefunden haben“, stellt Initiator Dr. Herbert Huth bei der Begrüßung erfreut fest. Der Grundgedanke der „ArtUniversale“ sei, viele Künstler aus ganz unterschiedlichen Schaffensrichtungen zu vereinen. Dafür war ein Kunstraum zu wenig, drei weitere wurden in leer stehenen Räumlichkeiten in der Nähe eingerichtet, laden bis einschließlich 12. Juli samstags, sonntags und mittwochs von 15 bis 18 Uhr zu kostenlosen kulturellen Entdeckungsreisen ein (wir berichteten), im Rahmenprogramm gibt es Konzerte. Huths Dank gilt den Eigentümern, aber auch den Sponsoren, vor allem der Firma „Diesel Technic“ und dem Landschaftsverband Weser-Hunte. Der Landkreis fördere über den Verband mit großer Freude die Veranstaltung, betont stellvertretender Landrat Werner Schneider. Dass in Kirchdorf eine so vielfältige Möglichkeit geschaffen wurde, Kunst über einen längeren Zeitraum zu erleben, sei absolut bemerkenswert.

Als Meister der Kunst des Wortes erwies sich Bildhauer und Fotograf Ingolf Heinemann, einer der ausstellenden Künstler, in deren Schaffen er einführte (im Falle seines Werks unterstützt von Maler Lutz Edgar Felsmann). Amüsant zog er etwa die Veranstalter der Kasseler „documenta“ durch den Kakao, an die der ursprüngliche Name des Projektes in Kirchdorf angelehnt war – was zu Ärger und zum neuen Titel „ArtUniversale Kirchdorf“ führte. „Am Konzept hat sich aber nichts geändert und auch nicht am Anspruch, im kleinen Kirchdorf die Kunst ins Epizentrum des regionalen Kulturbetriebes zu rücken und ein weites Spektrum künstlerischer Ausdrucks- und Darstellungsmöglichkeiten zu präsentieren.“ Es gehe darum, Kunst als ein „bereicherndes und existentiell unabdingbares, unverzichtbares Gut erlebbar werden zu lassen.“

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