Schauspielerin Anja Bilabel begeistert im Varreler Küsterhaus

Der weiße Lauschsalon

+
Die Schauspielerin Anja Bilabel (l.), begleitet von Audrey Lehrke an der Marimba.

Varrel - In einen „Lauschsalon“ verwandelte sich am Sonntagabend der Saal des Varreler Küsterhauses. Die Schauspielerin Anja Bilabel präsentierte dem Publikum das atmosphärische Hörstück „Von weißer Zeit“, in der sich die Farbe Weiß wie ein „roter“ Faden durch Texte von Rose Ausländer, Truman Capote, Hermann Hesse, Rainer Maria Rilke, Virginia Woolf, Christian Morgenstern und Sarah Kirsch zieht.

„Die Sonne ist noch nicht aufgegangen, Meer und Himmel lassen sich nicht unterscheiden. Erst wenn der Himmel weiß wird, erstreckt sich eine Linie am Horizont, die das Meer vom Himmel trennt.“ Mit diesen Zeilen aus „Die Wellen“ von Virginia Woolf eröffnete Anja Bilabel die Lesung von Prosa und Lyrik der Weltliteratur, verflochten mit der begleitenden Marimba-Musik, gespielt von Audrey Lehrke.

Dabei las die Schauspielerin Anja Bilabel jede Zeile nicht nur vor, mit Gestik und Mimik und ihrer facettenreichen Stimme ließ sie sie vor dem inneren Auge der Betrachter lebendig werden. Es war nicht nur ein einfaches Lesen, an vielen Stellen war es gleichzeitig ein Schauspiel.

Mit Zeilen aus Virginia Woolfs „Die Wellen“ beendete Bilabel den literarischen Streifzug, der wie ein Tageslauf mit der Beschreibung des Sonnenaufgangs begann und am Abend mit Dunkelheit endete. Kurze, ganz kurze und längere Texte hatte Bilabel ausgewählt, die längste zusammenhängende Textpassage war die 1946 erschienene Erzählung „Miriam“ von Truman Capote, in der eine einsame ältere Frau einem zehnjährigen Mädchen begegnet, das sie daraufhin dauernd besucht und der Frau ihre Gegenwart aufzwingt.

2008 hat die gebürtige Berlinerin Anja Bilabel, die heute in Münster lebt, das musikalisch-literarisches Hörtheater „Lauschsalon“ gegründet und ist mit ihren konzertanten Salonprogrammen seitdem bundesweit unterwegs. Außerdem arbeitet sie als Hörspiel- und Featuresprecherin für das Deutschland Radio Berlin, den Deutschlandfunk Köln, den WDR, den Hessischen Rundfunk, den mdr und für Bastei Lübbe in Köln.

Das Marimbaspiel von Audrey Lehrke fungierte als passende Untermalung zum gelesenen Text und als Überleitung zum nächsten und trug dazu bei, dass die Zuhörer einen Hörgenuss der besonderen Art geboten bekamen. Das Marimbafon gilt als großer Bruder des bekannten Xylofons. Es verfügt über klaviaturmäßig angeordnete Klangplatten aus Holz, die mit zwei oder vier Schlegeln angeschlagen werden und unter denen Resonanzröhren aus Metall angebracht sind. Mit lang anhaltendem Beifall dankte das Publikum den beiden Künstlerinnen.

gk

Mehr zum Thema:

Germanwings-Absturz: Gutachten verärgert Hinterbliebene

Germanwings-Absturz: Gutachten verärgert Hinterbliebene

Ermittler rätseln über Motiv des London-Attentäters

Ermittler rätseln über Motiv des London-Attentäters

Trotz Tragödien im Mittelmeer wächst Kritik an den Rettern

Trotz Tragödien im Mittelmeer wächst Kritik an den Rettern

Riesige Open-Air-Ausstellung: València ist Feuer und Flamme

Riesige Open-Air-Ausstellung: València ist Feuer und Flamme

Meistgelesene Artikel

Hochkarätige Akteure prügeln sich im Dreyer Sportcenter Dassbeck

Hochkarätige Akteure prügeln sich im Dreyer Sportcenter Dassbeck

Sarina Kynast wird Spargelkönigin der Samtgemeinde Kirchdorf

Sarina Kynast wird Spargelkönigin der Samtgemeinde Kirchdorf

Palliativstützpunkt: Vorstand schließt Kassenprüfer aus

Palliativstützpunkt: Vorstand schließt Kassenprüfer aus

Große Resonanz auf den Infotag der Kreismusikschule

Große Resonanz auf den Infotag der Kreismusikschule

Kommentare