Varreler Kirchengemeinde lädt zum Jubiläumsgottesdienst ein

Sankt-Marien-Kirche ist 150 Jahre alt

Diese Aufnahme zeigt die Kanzel schon rechts vom Altar – und die Malerei über dem Bogen, die untersucht wird.
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Diese Aufnahme zeigt die Kanzel schon rechts vom Altar – und die Malerei über dem Bogen, die untersucht wird.

Varrel – Der Neubau einer ganzen Kirche, innerhalb nur eines Jahres: „Diese kurze Bauzeit erstaunt mich immens“, sagt Pastor Reinhard Thies. In der Nacht vom 3. auf den 4. August 1869 brennt die Varreler Kirche nieder. Es war die zweite an dieser Stelle, an der dem Vernehmen nach seit über 500 Jahren bereits ein Gotteshaus steht. Der Großbrand legt jedoch nicht allein die Kirche in Schutt und Asche – der ganze Dorfkern ist betroffen: Schulhaus, Kösters Gasthaus, etliche Wohn- und Wirtschaftshäuser.

Schon im März 1870 sei der Grundstein gelegt worden und im März 1871 habe man die Einweihung der neuen Kirche gefeiert. Daran habe eine Kirchgängerin den heutigen Kirchenvorstand und den Pastor erinnert – und beide laden deshalb ein zum Jubiläums-Gottesdienst am Sonntag, 10. Oktober, ab 14 Uhr, musikalisch begleitet vom Kirchenchor und Bläsern. Das Programm ist bewusst „klein gehalten“, umfasst eine Diashow und eine Bilderausstellung sowie eine Führung zu den Glocken (dazu müsste man gut zu Fuß sein). „Coronabedingt können wir nur diesen Rahmen anbieten“, bedauert Reinhard Thies. Man hoffe auf gutes Wetter und Gespräche auf dem Kirchplatz, mit „Stehkaffee und Kuchen auf die Hand“.

Zu Gast sein werde Dirk Tacke, wohnhaft in der Gemeinde und beim Amt für Bau- und Kunstpflege beschäftigt – allerdings nicht bei jenem, das für das Varreler Gotteshaus zuständig ist. Im Rahmen des Gottesdienstes werde Tacke kurz über die Besonderheiten der Sankt-Marien-Kirche berichten und deren Bau vor 150 Jahren in die zeitlichen Ereignisse einordnen. 350 Besucher fasst die Kirche ohne Corona-Auflagen, etwa 150 hätten mit Abstand Platz, wenn nicht jeder allein sitzt, erklärt Thies.

Die Sankt-Marien-Kirche von außen.

Zusammen mit Günter Schlamann hat Thies ein Jubiläumsheft erarbeitet, in dem auf manche Besonderheit der Kirche eingegangen wird. Thies und Schlamann hatten die Qual der Wahl bei den historischen Bildern. Ihre Auswahl aber zeigt die Veränderungen, etwa rund um den Kanzelstandort, die diversen Glockeneinbauten und mehr.

1479 wird als Baujahr der ersten Varreler Kirche genannt, damals ein „Ableger“ der Sulinger Kirche. Die kleine Kirche hatte keine Orgel und in der Varreler Chronik aus dem Jahr 2007 heißt es: „In der Mitte des 18. Jahrhunderts gab es 40 Jahre lang Klagen über den Zustand der Kirche, die zu klein und baufällig war.“ 1782 wurde eine neue eingeweiht, eben jene, die 1869 niederbrannte.

Gemalt: Die zweite Varreler Kirche, 1869 abgebrannt.

Die heutige Kirche ist demnach das dritte Gotteshaus in Varrel, erbaut nach Plänen von Baumeister Hase. 1879 wurde die Orgel passgenau für die Varreler Raumverhältnisse eingebaut. Die Kanzel und das große Kreuz seien seinerzeit versetzt worden, damit der Blick frei wurde auf die Kirchenfenster links und rechts neben dem Altar – die hatte das in Varrel hochgeschätzte Fräulein Wirth, vermögende Kaufmannstochter, der Kirche gestiftet.

Der Altarbereich einst.

Bekannt in Varrel ist die Geschichte vom Taufstein, der den Brand überstanden hatte – nur um auf einem Hof unter einer Pumpe einen ganz anderen Dienst zu versehen, bis ihn Erich Berg (Pastor in Varrel von 1952 bis 1976) findet, restauriert, mit einem neuen Sockel versieht und 1959 wieder in die Kirche stellen lässt. Wo er seitdem erneut als Taufstein dient. 2001 erhält die Varreler Kirche drei neue Glocken. Die Bronzenen von einst sind im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen worden, die Varreler hatten Ersatz aus Eisenguss erhalten. Für die drei neuen Glocken sammeln die Varreler Bürger fast 134 .000 DM – und zahlreiche Bürger nutzen die Gelegenheit, in die Glockengießerei Rincker in Sinn zu reisen, um live beim Glockengießen dabei zu sein. Die drei Aussortierten finden neue Plätze in den Mitgliedsgemeinden der Kirchengemeinde. Die neuen Glocken werden am 16. September 2001 geweiht.

1951 gab es Eisengussglocken. Hier die Herren Rohlfs, Wietelmann (genannt „der Dicke“), Windhorst, Wege und Pastor Gottfried Hüttmann.

Dass es nicht immer einfach ist, einem kirchlichen Innenraum einen neuen Anstrich zu geben, erfahren die Varreler aktuell: Über dem Bogen zum Altarraum befand sich, wie historische Aufnahmen zeigen, eine Malerei. Und bis geklärt ist, welcher Art diese ist, ob sie freigelegt und gesichert werden kann, unterbleibt die Auffrischung.

Gibt es weitere Besonderheiten in der Kirche? „Ja, eine Grabplatte“, erklärt Pastor Reinhard Thies. Die hätten viele Kirchgänger noch nicht wirklich wahrgenommen, aber auch die steinerne Erinnerung an den „Herrn Grambart“ könne am Sonntag erkundet werden. Eine Stellwand mit historischen Fotos soll es geben und damit Gelegenheit, damals und heute direkt zu vergleichen.

Die Grabplatte.

Das Heute: Pastor Thies predigt, sagt er, gemeinhin vor etwa 20 bis 30 Gläubigen. Am Sonntag, so die Hoffnung, werden es wohl mehr sein. Gerne dürften sich auch Interessierte melden, die dem Kindergottesdienst in Varrel wieder auf die Beine helfen. „Der fehlt uns.“ Vor dem Projekt steht jedoch das Jubiläum „in der sehr schönen und hellen Kirche“, wie Reinhard Thies erklärt.

Von Sylvia Wendt

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