Bürgermeister kandidiert nicht erneut für Rat der Gemeinde Wehrbleck

Heinrich Schwenker: Rückzug aus Politik – aber nicht so ganz

Heinrich Schwenker kandidiert nicht erneut für ein Mandat im Rat der Gemeinde Wehrbleck.
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Heinrich Schwenker kandidiert nicht erneut für ein Mandat im Rat der Gemeinde Wehrbleck.

Wehrbleck – Drei Jahrzehnte Ratsmitglied, 21 Jahre Bürgermeister der Gemeinde Wehrbleck. Nein, Heinrich Schwenker wird sein kommunalpolitisches Wirken mit der Wahl 2021 nicht von 100 auf null herunterbremsen. Er kandiert zwar nicht mehr für den Gemeinderat, aber noch für den Rat der Samtgemeinde Kirchdorf. Um von dort ein „besonderes Auge auf Wehrbleck“ zu haben, falls er in das Gremium gewählt wird.

Für den 64-jährigen Wehrblecker ist der Teilrückzug aus der Politik scheinbar kein Problem, er freut sich über mehr Zeit für die Familie. Besonders Enkel Noah. Beim Blick zurück wird deutlich, wie viele Facetten Kommunalpolitik bietet, in wie vielen Bereichen sie im Alltag der Menschen präsent ist – obwohl das oft genug nicht so rüberkommt. Das Interesse an der Gemeinde, was man hier tun kann, was man bewerkstelligen kann – das habe ihn vor Jahrzehnten dazu bewogen, zu kandidieren.

Schwenker zückt die Kladde, die ihm Ehefrau Brigitte geschenkt hat für Unterlagen und Dokumente: In der Vorbereitung auf das Interview hat er eine Liste aufgestellt mit Themen, Projekten und Aktionen, die in den 30 Jahren der Ratsarbeit und 21 Jahren als Bürgermeister wichtig waren. Schwenker brauchte dafür gleich mehrere Seiten. Wichtig war (und ist) Bauoptionen anbieten zu können. Mehr Bauwillige bedeuteten ein Wachsen der Gemeinde. Wohnraum sei wichtig –  nicht nur für junge Familien, sondern auch für Senioren. Aktuell geht es um das Areal an der Stranger Straße.

Zwei Ziele habe er noch in der Amtszeit als Bürgermeister der Gemeinde Wehrbleck. Die Turnhalle, die derzeit saniert wird, einzuweihen. Und ein weiteres Baugebiet auf der südlichen Seite der Bundesstraße 214 auszuweisen.

Kreisel in Wehrbleck: „Das Projekt wäre gut gewesen“

Die B 214 durchschneidet die Gemeinde und gerne hätten nicht wenige hier statt der bisherigen Dunkelampel einen Kreisverkehr. Zahlreiche schwere Unfälle und die Tatsache, dass sich das Gros der motorisierten Verkehrsteilnehmer nicht an die vorgegebene Tempobeschränkung auf 70 Kilometer pro Stunde hält, hatten diese verkehrsberuhigende Maßnahme immer wieder auf die Tagesordnung gedrängt. „Als Gemeinde allein können wir das finanziell nicht schultern“, bedauert Schwenker. „Das Projekt wäre gut gewesen.“

Trotz der „Teilung“ in zwei Ortshälften ist die Gemeinde aktiv – und der Bürgermeister mittendrin. In den 21 Jahren habe fast jeder Verein ein Jubiläum gefeiert, resümiert Schwenker. Die Gemeinde auch: 2015 feierte Wehrbleck das 725-jährige Bestehen, der Ortsteil Strange 2003 sein 400-Jähriges.

Wie beurteilt Schwenker den Fortbestand der Kommune, auch im Hinblick auf die Infrastruktur? „Wir sind eine kleine Gemeinde, das meiste ist ja vorhanden. Wir haben einen Kindergarten und die Vereine bringen sich ein für ein reges Dorfleben.“

Nacherholungsziele in der Gemeinde

Das klingt nicht nach viel, scheint aber vielen genau so zu passen. Schwenker erinnert an Teiche, die der Naherholung dienen, Highlights auch für auswärtige Besucher seien etwa die „Straße des Handwerks“ und das Malermuseum im Ortsteil Nordholz sowie die Radwege für Fahrradtouristen.

Die Turnhalle zu sanieren hätte die Gemeinde allein finanziell nicht stemmen können, sagt Schwenker. Dabei diene sie als Ortstreffpunkt: Jugendraum, Vereinsheim des Sportvereins und Stützpunkt der Ortsfeuerwehr.

Das Thema Windkraftanlagen wird auch in Wehrbleck diskutiert, allerdings: Da die Gemeinde als Grundstückseigentümerin Einnahmen erzielt, geht es darum darüber zu beschließen, wie jene Gelder in Infrastrukturmaßnahmen vor Ort investiert werden.

Windkraft ein besonderes Thema

Derzeit drehen sich noch die Rotoren von drei Anlagen auf dem Areal, die über ein Repowering auf zwei reduziert werden. Schwenker erinnert sich an intensive Diskussionen über den Bau eines Antennenträgers im Jahr 2002.

Und er bilanziert seine Arbeit: „Oft genug gab es lockere Sprüche, aber manches Mal war es kein Spaß und eine ernste Ansprache gefordert.“

Mit dem (jetzt pensionierten) Bauamtsleiter Günther Dahm, wohnhaft wie Schwenker in Wehrbleck, wusste er einen fachlich versierten Rat- und Ideengeber an seiner Seite. Und im Gemeinderat eine relativ konstante Gruppe an Mitbürgern, die die Gemeinde genauso interessiert im Blick hatten, wie er selbst.

Fluktuation ist eher nicht Wehrblecker Sache: Drei Mitglieder verlassen in diesem Jahr die politische Bühne, neben Schwenker sein stellvertretender Bürgermeister Heiner Traemann und Ratskollege Klaus Ahlers.

Der Name Schwenker wird dennoch auf dem Wahlzettel stehen: Tochter Carolin Schulz-Schwenker kandidiert erstmals. Die junge Frau, verheiratet und Mutter eines Sohnes, ist an der kommunalpolitischen Arbeit interessiert. Da war kein langes Überreden notwendig.

Aber die Kandidatensuche, berichtet Schwenker, sei in diesem Jahr schwierig gewesen. Viele junge Mitbürger „um die 30“ hätten abgewunken: Hausbau, Familie. „In fünf Jahren hätte ich Zeit“, habe er oft zu hören bekommen.

Von Sylvia Wendt

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