Ingelore Eickhoff verabschiedet sich aus der Kommunalpolitik

Resolut und engagiert

Ingelore Eickhoff verabschiedet sich nach drei Jahrzehnten aus der Kommunalpolitik.
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Ingelore Eickhoff verabschiedet sich nach drei Jahrzehnten aus der Kommunalpolitik.

Scharringhausen – „Ich? Politik?“ Ingelore Eickhoff ist völlig überrascht, als sie gefragt wird, ob sie nicht kandidieren möchte für ein kommunalpolitisches Amt. Seit 1986 ist sie als Vorsitzende des DRK-Ortsvereins aktiv, die damals 32-Jährige ist Mutter zweier Kinder unter zehn Jahren.

„Du kannst auch Dinge umsetzen, die heute noch nicht so auf dem Plan stehen“, sagt man ihr vor über 30 Jahren. Etwa einen Radweg von Scharringhausen nach Kirchdorf, zur Sicherung des Schulweges ihrer Kinder (und für alle anderen). Ingelore Eickhoff lacht, als sie das erzählt: „Der Radweg kam dann Jahre später. J-a-h-r-e. Da waren Annika und Cord schon längst aus der Schule raus.“

Mit Ingelore Eickhoff verabschiedet sich eine resolute Ratsfrau nach über drei Jahrzehnten von der kommunalpolitischen Bühne. Eine, die immer ein sehr gutes persönliches Wahlergebnis vorweisen konnte. Und die deshalb immer gefragt wurde, ob sie nicht als Bürgermeisterin arbeiten wollte.

„Aber das konnte ich nicht. Ich musste ja Geld verdienen.“ Als gelernte Hauswirtschafterin ist sie in verschiedenen Arbeitsstellen im Verkauf eingesetzt, unterstützt ihren Ehemann zehn Jahre in der Bewirtschaftung des Hofes, kurzum: Sie ist vielen bekannt.

Ratsfrau als Stimmengarant

Sie kriegt ihre Aufgaben organisiert. Außerdem beaufsichtigt die Oma die Kinder, die sind, ein Glück. Ingelore Eickhoff übernimmt aber das Amt der stellvertretenden Bürgermeisterin. Erst neben Günter Sprick, dann neben Franz Böckmann, seit 2016 neben Holger Könemann.

Und sie nimmt ihr kommunalpolitisches Wirken ernst. Fordert. Radweg! Baugebiet! Dorfstraße! Sie muss lernen, dass es rechtliche, finanzielle, verwaltungstechnische und sonstige Hürden gibt, die erst überwunden werden müssen, bevor Projekte Realität werden.

Ingelore Eickhoff bei ihrer Wahl 1991, links der damalige Samtgemeindedirektor Armin Tiemann, rechts die Ratskollegen Günter Sprick und Wilhelm Sprick.

Etliche Projekte, sagt sie rückblickend, seien realisiert worden. Der Radweg ist da, es wird mittlerweile eifrig gebaut. Neue Mitbürger bedeuten neue Bedürfnisse: Etwa nach Kita-Plätzen. Anderes Thema: Bürgern im Alter Wohnoptionen in der Heimat und in gewohnten Gefilden bieten ist eine weitere Herausforderung.

Die Ratsarbeit versteht Ingelore Eickhoff, die zwischenzeitlich eine Ausbildung zur Krankenschwester erfolgreich absolviert hat und in einer Klinik in Bad Oeynhausen arbeitet, als Teamarbeit. Krankenschwester? „Es ist für mich eine Erfüllung, mit Menschen zu arbeiten.“ Und nein, man mache das nicht mal eben alles nebenbei. Auch deshalb war die Ratsarbeit in Ordnung, aber keine Position mit mehr Aufgaben.

Als Ratsfrau, als stellvertretende Bürgermeisterin, als DRK-Vorsitzende, als Familienmensch hat sie verschiedene Themen im Blick. Ob Umbau des Freibades zum Naturfreibad, die Erneuerung der Dorfstraße („Ich bin stolz und froh darauf, dass das Miteinander von Jagdgenossen und Gemeinde stets zum Wohl der Allgemeinheit funktioniert hat.“). Mit der Dorferneuerung und der Flurbereinigung in Kirchdorf sei zur Standortsicherung der Betriebe und der Landwirtschaft beigetragen worden. Dass die zehn Ortsfeuerwehren in der Samtgemeinde erhalten und einsatzfähig bleiben, sei ihr stets wichtig gewesen.

Themenvielfalt in der Politik

Viel Spaß habe die Entwicklung einer Modenschau beim Herbstmarkt geboten. Zusammen mit Ehemann Werner hat sie die Trommel gerührt für den Breitbandausbau und hofft, dass die Friedenssicherung, wie sie die deutsch-französische Patenschaft nennt, wieder aufleben kann, nach der Pandemie-Pause.

Apropos Ehemann Werner: „Er hat mich immer unterstützt, mir immer zugehört, mich aufgefangen und mir die Ruhe gegeben.“

„Frauen ticken anders als Männer“, sagt Ingelore Eickhoff. Dass Scharringhausen, als kleiner Ort, sehr offen und fortschrittlich gewesen sei, einer Frau viele Jahre die meisten Stimmen zu geben und ihr zu trauen, dass sie sich kümmere, sei eines der positivsten Erfahrungen aus über drei Jahrzehnten in der Kommunalpolitik.

Nun sei Zeit für Jüngere, nachzurücken. Ihr bleibe neben dem Beruf nach der Kommunalwahl im September endlich die gewünschte Zeit für die vier Enkel in Gifhorn und Schlüsselburg.

Von Sylvia Wendt

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