„Bethel“ hilft WfbM-Beschäftigtem in den ersten Arbeitsmarkt

Rene Kruse ist auf richtig gutem Weg

Bestelllisten prüfen: Joanna Musial, Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung, unterstützt Rene Kruse im Diepholzer Ladengeschäft.
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Bestelllisten prüfen: Joanna Musial, Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung, unterstützt Rene Kruse im Diepholzer Ladengeschäft.

Freistatt – Aus Rene Kruses Sicht sind Menschen mit einer Beeinträchtigung genauso Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wie die auf dem sogenannten ersten Arbeitsmarkt. Für ihn ist es egal, um was für eine Erkrankung oder ein Handicap es sich handelt. Der einzige Unterschied sei, dass sie für einen gewissen Zeitraum in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen (WfbM) tätig sind.

Der 24-Jährige ist seit zweieinhalb Jahren in der WfbM von Bethel im Norden beschäftigt. Und ist in den vergangenen Monaten viele kleine Schritte gegangen, hat über das übliche dreimonatige Eingangsverfahren und die zwei Jahre im Berufs-Bildungs-Bereich große Fortschritte gemacht, sodass für ihn erste Praktika auf dem ersten Arbeitsmarkt möglich waren. „Ich habe dabei ein sehr gutes Gefühl, freue mich auf meine Tätigkeiten und bin gerne im Kundenkontakt“, berichtet Rene Kruse über positive Erfahrungen, die er in den vergangenen Wochen sammelte.

Dass er einmal den Weg über die WfbM gehen würde, hätte er nie vermutet: Nach seinem Realschulabschluss hat er die Berufsfachschule „Wirtschaft“ für ein Jahr besucht und erfolgreich beendet. Der Start in das Berufsleben, auf dem ersten Arbeitsmarkt, verlief anschließend noch einige Monate reibungslos. Dann aber machte sich immer mehr eine psychische Erkrankung bemerkbar, sodass er sich nach kurzer Zeit in entsprechende Behandlung begeben musste. In und nach dieser Zeit kam der erste Arbeitsmarkt nicht sofort wieder in Frage.

Als sogenannter „Job-Coach“ bespricht Yvonne Kramer mit Rene Kruse die nächsten Schritte.

Rene Kruse kann sich noch gut an das erste Vorstellungsgespräch mit der zuständigen Sozialpädagogin Sabine Stich aus der WfbM von Bethel im Norden erinnern: „Für mich war es wichtig, kleine Schritte zu gehen, erst einmal wieder eine Perspektive zu entwickeln und vertrauensvolle Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner an meiner Seite zu haben.“

Sabine Stich: „Die Menschen, die sich bei uns bewerben, haben aus unterschiedlichsten Gründen einen Bruch in ihren Lebenslauf. Daher ist es wichtig, hier sehr individuell zu schauen, was der einzelne Mensch für den Weg zurück ins Arbeitsleben braucht.“ Und dabei spielten so viele Faktoren eine Rolle, dass man nie so genau sagen könne, wie lange dieser nicht immer einfache Weg dauert.

Rene Kruse hat schon viele dieser wichtigen Schritte hinter sich. Bevor er erste Praktika absolvierte, stand neben Sabine Stich auch Joanna Musial als Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung eng an seiner Seite. Nach verschiedenen Tätigkeiten in der Werkstatt, sammelte Rene Kruse erste Erfahrungen im Laden der WfbM in Diepholz: „Der Einzelhandel hat mich schon immer interessiert. Bestellungen aufnehmen, Waren einsortieren oder die ersten Gespräche mit Kundinnen und Kunden haben mich darin bestätigt“, freut sich der 24-Jährige.

„Für uns ist es immer wichtig, den Beschäftigten zu begleiten, ihm die Möglichkeit zu geben, eigene Erfahrungen zu sammeln und im Hintergrund als Vertrauensperson zur Verfügung zu stehen“, erklärt Joanna Musial.

Rene Kruse richtet die Produkte im Laden her.

Wenn gemeinsam mit allen Beteiligten die ersten Praktika geplant werden, ist auch Yvonne Kramer gefragt. Als sogenannter „Jobcoach“ der regionalen WfbM mit Standorten in Diepholz, Freistatt und Sulingen ist sie immer auf der Suche nach Praktikumsplätzen vor Ort beziehungsweise wohnortnah, spricht Arbeitgeber an und fragt nach Möglichkeiten: „Vor dem ersten Praktikumstag gibt es viel zu tun und zu beachten, damit ein reibungsloser Start gelingt.“ Sie begleitet den Beschäftigten in der ersten Zeit sehr eng, schaut, ob es „passt“ und steht bei Fragen zur Verfügung. Dazu gib es im Betrieb immer einen konkreten Ansprechpartner, der ebenfalls einen engen Kontakt hält. „Damit schaffen wir eine Atmosphäre, die wichtig und auch notwendig für unsere Beschäftigten ist. Wenn es gut funktioniert, gibt es nach Absprache immer weniger Unterstützung, sodass der Beschäftigte stetig ‚wachsen‘ und sich immer sicherer fühlen kann“, erklärt Yvonne Kramer. Natürlich müsse man auch immer mal wieder mit Rückschritten rechnen. Das ist aus Sicht von Rene Kruse, Sabine Stich und Yvonne Kramer normal und es zeige, in welchem Bereich man noch stärker oder auch anders ansetzen muss, damit der Wiedereinstieg ins Berufsleben gelingt.

Rene Kruse schaut positiv in die Zukunft: „Erst einmal will ich den Schritt in das Berufsleben schaffen und mein eigenes Geld verdienen. Mit dem anschließenden Ziel, irgendwann eine Familie zu gründen und in einem eigenen Haus zu wohnen.“

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