Simona und Marius Kellermann und ihre neue „Herdwick Ranch“

Rasenpfleger in Strange

Waltraut gehört zur Herdwick-Herde des Ehepaares Simona und Marius Kellermann in Wehrblecker Ortsteil Strange. Fotos: S. Wendt

Wehrbleck - Von Sylvia Wendt. Die Entscheidung für die Schafe der Rasse Herdwicks fiel mit einer Begründung, die auch dem Laien absolut einleuchtet: „Die sind so süß.“ Sieben Stück stehen auf leicht krummen, stabilen Beinchen, eingemummelt in dickes Fell auf der Weide. Als Simona und Marius Kellermann das Tor öffnen und in das Gehege treten, kommen sie angelaufen. Stranger Schafidylle pur.

Oder? In Sachen Schafhaltung steht das junge Ehepaar am Anfang. Beide allerdings stellen sich der Idee nicht realitätsfern. Im Gegenteil. Ihr Weg zeigt auf, wie Lebensentscheidungen ineinandergreifen.

Pläne schmieden

Der Gedanke, als Familie mit mehreren Parteien auf dem 6 000 Quadratmeter großen (weitere fünf Hektar dazugehörige Fläche sind verpachtet) Hof der Großeltern zusammenzuwohnen scheitert zunächst am Architekten, der der Bausubstanz des alten Hauses keine Zukunft gibt.

Der Hof liegt idyllisch im Wehrblecker Ortsteil Strange, der Familienrat tagt. Heraus kommt die Lösung eines Neubaus. Aufgrund dieser Basis entwickeln sich weitere Ideen.

Hofstelle der Familie

Eine davon befasst sich mit der Pflege der großen Rasenfläche, die selbst mit Aufsitzmäher zeitintensiv sei. Schafe? Schafe! Das Ehepaar Kellermann liest sich durch Fachlektüre, besucht Züchter in Deutschland und England, als sich die Herdwicks – knuffig wie sie sind, außerdem robust und gelassen im Charakter – an die Spitze der Auswahl stellen.

Stallbau? Kein Thema für Familie Kellermann und ihre Freunde, die Familie und die Dorfgemeinschaft, in der sie bestens integriert sind. „Kelli‘s Herdwick Ranch“ nimmt Gestalt an.

Zaun unter Strom

Der Bereich für die Schafe liegt wie auf dem Präsentierteller für Wölfe, oder? „Dann baut man eben einen Zaun drum“, sagt Marius Kellermann lapidar.

Gesagt, getan: Der Zaun ist eine sehr stabile Version, die Stromleitungen durchlaufen 5,5 Joule – genug, um Hündin Greta, die zu neugierig ist und mit ihrer Nase dranstupst, erst mal Reißaus nehmen zu lassen.

Marius Kellermann, 34 Jahre alt, ist gelernter Landwirt. Auch in Sachen Wolf hat er sich penibel informiert, um den Zaun möglichst passgenau bauen zu können – und sich letztlich nicht mit einer Basisversion begnügt. Er wiegelt ab: „Hightech wäre der, wenn er bis in den Boden reichen würde, damit der Wolf sich nicht unter dem Zaun hindurch buddeln kann.“ So aber führt die tiefste Leitung eine gute Handbreit über dem Boden entlang zwischen den Pfeilern.

Das Paar hat sich auch in der englischen Heimat der Herdwicks, im Lake District, umgeschaut. Was haben die denn da an Zäunen? „Gar keine“, sagt das Paar.

Schafzucht als Hobby

Die Schafzucht betrachten beide als Hobby, eines, das nicht ohne Zuwendung auskommt. Simona, 26 Jahre, wechselt demnächst als Lehrerin an eine Barnstorfer Schule, Ehemann Marius arbeitet als Lagerlogistiker in Sulingen. Der Verantwortung für die Tiere sind sich beide bewusst, das wird deutlich an vielen Kleinigkeiten, die sie Stück für Stück von der Liste streichen. Tiere sind da, aber kein eigenes Heu. Das bekommen sie bei befreundeten Züchtern – den neuen Nachbarn.

Den Stall hat Marius Kellermann passgenau konzipiert: Eigene Bereiche geschaffen für trächtige Schafe, damit die, wenn sie Lämmer bekommen, mit diesen einen geschützten Raum haben. Bock Hennes war übrigens erfolgreich: Alle sechs Weibchen sind trächtig, der Nachwuchs wird jetzt im Februar erwartet.

Bisher tragen alle Schafe Namen: Neben Hennes sind da das Leitschaf Wolke, es gibt noch Pebbles, Stampfer, Liselotte, Hilde und Waltraut. Werden die Neuen auch Namen bekommen? Simona lacht herzhaft und Marius grummelt, muss aber grinsen: „Wenn ich mir die auch noch alle merken kann.“

Hennes müsse die Herde in zwei Jahren verlassen, wegen der Zuchtlinien, erklärt das Ehepaar.

Schafe selber scheren

Das Schafescheren will sich der Jungzüchter noch aneignen und dann selbst erledigen. Beide seien offen für Vorschläge, was man mit der Rohwolle machen könne. Aufspinnen werde es eine Firma aus Sachsen. Für Pullover eigne sich die Wolle nicht, wohl aber für Socken. Farben? „Grau, Schwarz, Weiß – wie die Tiere halt sind“, erklärt Simona Kellermann.

Rohwolle verwerten

Die Verwertung der Wolle ist eine Idee, die Tiere als Ganzes zu schätzen eine andere: Das Fleisch haben beide schon bei einem Züchter serviert bekommen. „Lecker“, sagen Simona und Marius.

Die Schafe sind übrigens nicht die einzigen Tiere auf der „Ponderosa“, wie das Paar die Hofstelle intern nennt. Die Hundedamen Elli und Greta sind zwar Australian Shepherds, „aber so gar keine Hütehunde“. Kater Mupf ward beim Pressetermin nicht gesehen.

Ab April sollen Bentheimer Schweine auf den Hof ziehen. Und dann noch Bielefelder Kennhühner. So der aktuelle Stand.

Homepage

www.stranger-herdwicks.de

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