Der Räumungsverkauf beginnt: Schuhgeschäft Plate in Kirchdorf schließt seine Pforten

Fünfte Generation: Ende nach über 100 Jahren

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Schließen das Schuhgeschäft in Kirchdorf: Annedore und Hannes Plate, mit Birgit Fangmann (v.l.).

Kirchdorf - Das Aus kommt nach über 100 Jahren in der fünften Generation: Hannes und Annedore Plate schließen das Schuhgeschäft an der Uchter Straße in Kirchdorf. Derzeit läuft der Räumungsverkauf.

Johann Heinrich Plate (1835 bis 1915) ist als Begründer der Schuhmachertraditon in der Familie überliefert. Das Schuhmacher-Handwerk hatte Hannes Plate nicht mehr erlernt, absolvierte eine kaufmännische Ausbildung – allerdings in einem Schuhhaus. Seit 1975 ist er bei der Lloyd-Schuhfabrik beschäftigt und seit April in Altersteilzeit. Im kommenden Jahr geht er, mit 63 Jahren, in Rente. Dann bleibt etwas mehr Zeit, die Kinder zu besuchen. Tochter Maren (Lehrerin) wohnt in Stadt, Sohn Lars (Biologe/Wissenschaftler) in San Diego in Californien.

Die langjährige Verkäuferin Birgit Fangmann („20 Jahre und sieben Monate war ich hier“) hat bereits eine andere Stelle. Alle drei schließen das Geschäft nur schweren Herzens. Man kannte sich, man konnte sich aufeinander verlassen, war befreundet. Zur „Familie“ zählten auch die zahlreichen Stammkunden, die nun keine Einkaufsmöglichkeit mehr vor Ort haben. Für die jüngeren Bürger ist der nächste Schuhkauf nur ein Mausklick entfernt –aber für die große Zahl der Senioren?

Letztlich ist die Schließung eine kaufmännische Entscheidung gewesen: „Mit dem Geschäft ist es in den letzten Jahren immer schwieriger geworden. Als kleiner Einzelhändler hat man heute in so einem kleinen Dorf keine Chance mehr, viele Kunden kaufen heute über das Internet ein“, sagt Hannes Plate. Man könne nur noch mit Aktionen Kunden zum Kauf vor Ort generieren – das allerdings gehe zu Lasten der Rendite. Es seien aber nicht nur die kleinen Geschäfte, die schließen müssten. Auch größere Schuhhändler stünden vor dem Aus. Laut Plate stehe der gesamte Einzelhandel in Deutschland vor tiefgreifenden Veränderungen.

„Wir haben das Geschäft immer sehr gerne betrieben und werden gerade unsere lieben Stammkunden sicherlich vermissen, andererseits haben wir jetzt endlich mehr Zeit, um zu verreisen“, sagen Plates. Beide werden sich dennoch weiter vor Ort engagieren, im Sportverein, im DRK Ortsverein. Annedore Plate wurde schon um weitere Kochkurse gebeten, auch für Erwachsene – ihr Kochangebot für Kinder im Rahmen der Ferienkiste ist immer schnell ausgebucht. Noch ist nichts spruchreif, außer dem letzten Tag, an dem das Geschäft geöffnet sein wird: Freitag, 2. Oktober.

Was mit dem roten Holzelefanten passiert, auf dem Generationen kleiner Schuhkäufer geschaukelt haben? „Der steht bereit – für Enkelkinder, wenn wir welche haben“, sagt Annedore Plate.

sis

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