Lars Gehlenbeck: Erster Schritt mit Zeltkonzept

Verträgt sich Public Viewing mit Corona?

Lars Gehlenbeck bereitet ein Public Viewing unter Corona-Auflagen vor – in einem Zelt neben seinem Gasthaus.
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Lars Gehlenbeck bereitet ein Public Viewing unter Corona-Auflagen vor – in einem Zelt neben seinem Gasthaus.

Kuppendorf – Es ist wirklich frei von Galgenhumor, wenn Lars Gehlenbeck einen „Vorteil“ benennt, wenn man als Gastwirt monatelang eben keine Gäste hat: „Du kannst eine Baustelle zu Ende bauen und musst nicht ständig wegen einer Feier alles wegräumen zwischendurch.“

Und weil das Gasthaus „Zur Mühle“ in Kuppendorf ein Familienbetrieb ist, grüßt Heidrun Gehlenbeck, Seniorchefin und eigentlich „in Rente“, mit dem Besen. Ehemann Manfred hält den Zollstock in der einen Hand und lässt ihn in die andere krachen – er hatte das Zepter eigentlich an Sohn Lars weitergereicht, schon vor zwei Jahren. Aber im Familienbetrieb ist „in Rente“ relativ.

Lars Gehlenbeck, eingefleischter Fußball-Fan mit grün-weißem Herzen, ist seit Jahren für Public Viewing Veranstaltungen zu Fußballmeisterschaften bekannt. Und nun? Mit der Fußball-Europameisterschaft vor der Tür?

Es geht letztlich nicht allein um Fußball, sondern auch um andere Open-Air-Veranstaltungen. Penibel studiert Gehlenbeck die immer wieder neuen Verordnungen und Vorgaben, mit besonderem Augenmerk auf die Frage: „Was wäre möglich?“

Vor Monaten hat er sich um eine besondere Gastro-Förderung beworben. Erfolgreich: Das große 15 mal 30 Meter große Zelt, das gerade aufgebaut wurde, birgt eine Hoffnung auf einen ersten Schritt in einen normalen Gastro-Alltag. Dank des Landesförderprogrammes seien 80 Prozent der Kosten für den Kauf des Zeltes übernommen worden, freut sich Lars Gehlenbeck. Es passt zwischen Schützenhaus und Gasthaus.

Die Seitenwandelemente sind variabel, können schnell entnommen werden

Das Zelt hat Gehlenbeck zielgerichtet ausgesucht: Die Seitenelemente sind variabel, in kurzer Zeit kann mehr Luftzirkulation ermöglicht werden, in dem einzelne Teile entfernt werden.

Eine Längsseite will er gänzlich rausnehmen: Nach seinen Informationen, eingeholt über den Gastronomie-Dachverband, zähle das Zelt dann als „Außengastronomie“. Und die Klimaanlage, eigentlich gedacht für den Saal des Hauses, wird jetzt im Zelt eingebaut. Eine Heizungsanlage steht auch bereit.

Und was hat Gehlenbeck nun mit dem Zelt vor? Schwarze Vorhänge hinter der Bühne, davor eine überdimensionale Deutschlandflagge: „Wir wollen ein EM-Programm bieten“, sagt Lars Gehlenbeck.

Public Viewing in Zeiten von Corona heißt: Die Zahl der Gäste ist begrenzt. Bis zum Sonntag, 6. Juni, werden unter Tel. 0 42 73 / 3 76 Anmeldungen entgegengenommen. Bis zum Tisch wird Maske getragen, am Tisch sitzend kann sie abgenommen werden. Was, wenn die Deutschland-Elf ein Tor schießt? Wie darf gejubelt werden? Bis dahin gibt es darauf bestimmt eine Antwort und vielleicht fällt sie auch anders aus, als noch heute.

Weitere Auflagen: Die Tische stehen auf Abstand. Es werde Security-Personal geben, das auf Einhaltung der Vorgaben achtet. Wer teilnehmen möchte, sollte schon mal einen entsprechenden bestätigten Schnelltest einplanen, der nicht älter ist als 24 Stunden und natürlich negativ. Ob dieser dann zu den unbedingten Anordnungen gehört, bleibt zwar abzuwarten. Aber Lars Gehlenbeck will sich da auf keine Inzidenz-Spekulation einlassen, sondern plant lieber mit mehr Vorgaben, als mit zu wenig.

Serviert werden die Getränke am Tisch, eine Theke im Zelt gibt es nicht, aber einen Bierwagen davor und die Theke im Schützenhaus zusätzlich. Das solle reichen, um den Bestellungen nachkommen zu können.

Die ersten drei Fußballspiele der EM (15. Juni gegen Frankreich, Anpfiff 21 Uhr, 19. Juni gegen Portugal, Anpfiff 18 Uhr, 23. Juni gegen Ungarn, Anpfiff 21 Uhr) will Gehlenbeck als „Kartenpaket“ abgeben. Die späten Spiele finden in der Woche statt, da reicht er kleine Snacks und Getränke.

EM: Mit Konzert und Grillabend am 19. Juni

Das Spiel gegen Portugal indes: „Da wird gegrillt und nach dem Spiel spielen ,Hashtag‘.“ Hashtag heißt die Band, die Lars Gehlenbeck sonst für das Schützenfest engagiert, andere kennen sie vom Autokonzert im vergangenen Sommer.

Keyboarder Hannes Rode managt die Band. Deren Mitglieder haben jetzt ein halbes Jahr nicht zusammen gespielt, mittlerweile zwei Mal geprobt. Und, wie klingt es? „Ja… äh… ja“, Hannes Rode lacht, Lars Gehlenbeck auch. Trotz aller musikalischen Professionalität: Auch eine Band, die vor der Pandemie über 120 Aufritte im Jahr hatte, muss sich nach einer so langen Konzertpause erst mal eingrooven. „Wir haben ja zwischendrin geübt, aber eben jeder für sich“, erklärt Rode. Beim Konzert am 19. Juni soll es aber passen.

Zu den Hygiene-Auflagen gehören: Abstand zwischen den Tischen, leicht zu entfernende Seitenwand-Elemente für eine bessere Luftzirkulation.

Es wird das erste Konzert der Band nach über einem halben Jahr. Vor Publikum. Ohne Kunststoffwand. Das Sängerpaar ist übrigens verheiratet miteinander, die dürfen näher als 1,50 Meter nebeneinanderstehen.

Die Kontaktdaten der Teilnehmer will Gehlenbeck per Luca-App registrieren.

Ob das Kuppendorfer Schützenfest, regulär das letzte der Saison Mitte August, irgendwie im Zelt gefeiert werden kann – „das halten wir uns noch offen“, sagt Gehlenbeck.

Ob der Gastwirt die weiteren geplanten Veranstaltungen im Laufe des Jahres realisieren kann, bleibt ebenfalls abzuwarten. „Hashtag“ sollen beim Oktoberfest aufspielen Ende September. Weitere Ideen: Achtziger-Party und Schlagerparty – vielleicht, so Gehlenbeck und Rode, gibt es auch eine Förderkulisse, um finanzielle Unterstützung für Open-Air-Veranstaltungen zu bekommen. Hintergrund: Aufwand und Kosten summieren sich und können wegen der Zuschauerbegrenzung oft nicht ausgeglichen werden – Veranstalter sagen ab, um nicht „draufzuzahlen“.

Ein Spargelessen als Testlauf am 13. Juni

Hochzeiten? Familienfeiern? „Das geht noch nicht, ist nicht erlaubt“, bedauert Gehlenbeck. Was aber geht: ein erstes Spargelessen. Dafür bittet Gehlenbeck ebenfalls bereits um Reservierungen unter Tel. 0 42 73 / 3 76, es ist geplant für den 13. Juni.

Sämtliche Planungen umfassen ein Hygienekonzept nach den geltenden Vorgaben, alles sei eingereicht, mehrfach bereits habe er telefonisch nachgehakt, ob und wann er mit einer Entscheidung rechnen kann. Noch steht diese Antwort aus – sie allein gibt „grünes Licht“ oder stoppt jegliche Veranstaltung.

Viele Baustellen, die Familie Gehlenbeck dann abarbeiten könnte, gibt es aber nicht mehr: Der Gastraum wurde saniert, der Clubraum ebenso, alles wartet mit neuen Fußböden, neuen Tapeten und Farben an den Wänden, Leitungen, Kabel, neuen Decken auf – Gäste.

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