Gebrüder Albers aus Kirchdorf

Produzenten und Verkäufer - Junglandwirte aus Kirchdorf suchen nach neuen Wegen

Katharina und Christoph Albers bitten zum Einkauf am Wehrmannsdamm.
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Katharina und Christoph Albers bitten zum Einkauf am Wehrmannsdamm.

Die Kirchdorfer Landwirte Christoph und Henrik Albers arbeiten getrennt - und doch zusammen. Beide setzen auf Direktvermarktung.

  • Christoph und Henrik Albers sehen sich als Produzenten, aber auch als Verkäufer
  • Brüder arbeiten getrennt und doch zusammen
  • „Hof Albers“ und „Der kleine Dorfladen“

Kirchdorf – Kinder von Landwirten dürfen sich auch für einen ganz anderen Beruf entscheiden. Ohne Druck bezüglich der Hofnachfolge. Henrik Albers aus Kirchdorf ging diesen Weg. „Obwohl ich schnell wusste, dass ich doch in die Landwirtschaft wechseln möchte“, sagt der Mittdreißiger heute über seine ersten Ausbildungsjahre.

Vier Jahre und vier Tage jünger ist Bruder Christoph, für ihn kam nichts anderes in Frage als Landwirt. Das weitläufige Familienanwesen am Wehrmannsdamm in Kirchdorf ist heute Wohnsitz für die Senioren der Familie sowie Christoph und Ehefrau Katharina samt Nachwuchs – und einige Tiere

Irritationen bei Lieferanten

Henrik und seine Frau Tanja allerdings zeigen, dass man als aktiver Landwirt in einem reinen Wohngebiet leben kann, während die Ställe woanders stehen. Für Irritationen sorgen manche Lieferanten, die ihre Fahrer mit einem 40 Tonnen schweren Lkw aus der Wohnstraße rangieren lassen müssen, weil sie Liefer- und Rechnungsadresse verwechselt haben.

Der Alltag bedeutet für die Brüder zwar in beiden Fällen beruflich landwirtschaftliche Themen und es gibt auch geschäftliche Verbindungen miteinander, dennoch arbeiten sie getrennt. „Wir unterstützen und ergänzen uns aber“, betont Henrik.

Um den „Kleinen Hofladen“ im Falkenweg in Kirchdorf kümmern sich Henrik Albers und Lebensgefährtin Tanja Buschhorn-Plate.

Für die Familie stand vor 20 Jahren eine Entscheidung an, welchen Weg sie einschlagen möchte: Es galt, die Art der Spezialisierung festzulegen. Die Familie entschied sich damals gegen Kühe und für die Sauen.

Die Söhne haben die Tätigkeitsfelder für sich wiederum neu definiert: Sie sind nicht nur Produzenten, sondern auch Verkäufer von Endprodukten. Die Bereiche Mast und Sauen deckt Henrik heute mit seinem Unternehmen ab, Christoph kümmert sich um Sauen und Ferkelaufzucht. Die einst etwa 70 Hühner auf dem Hof haben sich zudem vermehrt: auf aktuell um die 350. Die erkunden, zusammen mit den Hunden der Familie den Hof und das vorgelagerte Areal.

Eines der Hühner.

„Idylle pur“ signalisiert das blaue Holzhaus, in dem der Hofladen untergebracht ist.

Mittlerweile videoüberwacht, weil der soziale Gemeinsinn vieler Menschen an der Kasse aufhört.

Eines der Schweine.

Fast zeitgleich mit dem ersten Lockdown im Frühling ist die Idee der Hofläden der Familie fertig: Für die Läden „Hof Albers“ (Wehrmannsdamm 15) und „Der kleine Hofladen“ (Falkenweg 4) ergänzen die Brüder ihre Produktpaletten.

Die Entscheidung der Brüder für die Direktvermarktung ihrer Produkte entsteht aus dem Gedanken, regional erzeugte Produkte vor Ort zu verkaufen. Henrik Albers lässt seine Tiere in Diepenau schlachten, bespricht die Produkte für die Hofläden, die werden, frisch produziert, zum Verkauf nach Kirchdorf geliefert.

Im Sommer war das Grillgut in der Regel schnell vergriffen, aktuell seien es eher alle Fleischbeilagen passend zum Grünkohl, die nachgefragt werden. „Aber eigentlich ist immer schnell weg, was angeboten wird“, freuen sich alle.

Produktpalette wird ab 2021 erweitert

Was auch gut angenommen werde, von Geschäftskunden wie Privatleuten gleichermaßen: Geschenkpakete. Die bereichert seit neustem Christoph um – Nudeln. Die Hühner liefern frische Eier. Da es jetzt 350 Hühner sind, reicht die Anzahl der Eier, um die Pasta gleich in größeren Mengen produzieren zu lassen (in Rethem). „Und sogar noch für hausgemachten Eierlikör“, ergänzt Katharina Albers.

Die Brüder würden die Tische ihrer Kunden ab 2021 gerne mit weiterem regionalem Gut decken. Christoph will die Auswahl um Hähnchenfleisch erweitern und Henrik einen neuen Stall mit Iberico- und Bentheimer Schweinen, ganz nach speziellen Biostandards geplant, bauen.

Fleisch gänzlich für die Hofläden

Ihr Fleisch soll gänzlich für die Hofläden bestimmt sein, von derzeitigen „regulären“ Schlachttieren wird nur ein Teil für den Verkauf in Kirchdorf verarbeitet. Den größren Anteil erhält der Großabnehmer.

Schon jetzt ergänzen die Brüder Albers ihre eigene Produktpalette in den Läden um Erzeugnisse von Kollegen, etwa Honig von Bioimker Malte Niemeyer aus Kirchdorf, Käse aus der Bünkemühler Käserei in Warpe.

Vielfalt ist kein Einmann-Job

Die eigenen Pläne seien damit noch nicht abgeschlossen: Henrik bereitet einen besonderen Schinken vor für die Spargelsaison. Und drei Hektar Land sind Belana und Annabelle vorbeihalten, zwei festkochenden Kartoffelsorten, die Gesellschaft erhalten sollen, damit frische Kartoffeln rund ums Jahr einen Stammplatz erhalten.

Diese berufliche Vielfalt ist jedoch kein Einmann-Job, für keinen der beiden Brüder. Die Familie steht zusammen, in der Versorgung seiner Tiere hat Henrik Albers weitere Mitarbeiter beschäftigt. Und die Partnerinnen der Brüder tragen ihren, keineswegs geringen Anteil dazu bei, dass die Direktvermarktung nicht nur ein kleines Projekt „nebenbei“ ist, sondern ein verlässliches Angebot, das erweitert werden kann.

Lockdown begünstigte Verkaufsstart

Und, na klar, die Zeiten des Lockdowns haben den Start begünstigt, bestätigen die vier.

„Bevor ich die Kinder im Wagen haben, nach Sulingen gefahren bin, dann mit dem Einkaufswagen durch den Supermarkt… Nein, da komme ich lieber hierher“, berichtet Katharina Albers von einer Kundin, die den Spaziergang entlang der Felder am Wehrmannsdamm hin zum Hofladen mit einem Einkauf für das Abendessen verbindet.

Käsegriller und Pinkelwurst

Ob der Standort aber auch zum Nachteil geraten kann, weil die Kundschaft für teurere, dafür regional produzierte Ware mit „Heimatstempel“ zu dünn gesät ist – da bleibe abzuwarten.

Ein Test dafür könnten die besonderen Dry Aged Produkte dienen, die Henrik Albers neben den Käsegrillern und Pinkelwurst ebenso anbietet.

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