Rathaus Kirchdorf fast komplett barrierefrei

Per Lift geht es auch bis zum Chef

Sascha Buschhorn mit Samtgemeindebürgermeister Heinrich Kammacher im Rathaus in Kirchdorf.
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Sascha Buschhorn mit Samtgemeindebürgermeister Heinrich Kammacher im Rathaus in Kirchdorf.

Kirchdorf – Eine Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten – war das sein Wunschberuf? „Naja, was handwerkliches kam als Rollstuhlfahrer eher nicht in Betracht“, kommt die offene und direkte Antwort von Sascha Buschhorn. Der 17-Jährige nimmt seine Lebenssituation wie sie ist und etwaige Aufmerksamkeit auf sich ziehen, das ist nicht seine Sache. Im Rathaus in Kirchdorf hätte man auch keine baulichen Veänderungen vornehmen müssen, wenn es nach ihm gegangen wäre.

Doch da widerspricht Samtgemeindebürgermeister Heinrich Kammacher: Das Rathaus wurde 1976 gebaut. Um moderne und angenehme Arbeitsplätze für die Mitarbeiter zu schaffen, wurde das Haus bereits energetisch saniert, das Mobiliar erneuert, die neuste EDV installiert. Allein die komplette Barrierefreiheit zu schaffen – das würde einen umfangreichen Umbau erfordern.

Moderne öffentliche Gebäude müssten einen ganz anderen Anforderungskatalog erfüllen, insbesondere, was die Barrierefreiheit angeht, erklärt Kammacher. „Mit einem ersten Schritt hatten wir im Erdgeschoss die beiden Gebäudeteile barrierefrei verbunden. Und als sich Sascha Buschhorn beworben hat, haben wir sofort die nächsten Maßnahmen geplant, damit zum Beginn der Ausbildung alles vorbereitet ist.“

Sascha Buschhorn fährt runter ins Erdgeschoss.

Die Planung erfolgte zusammen mit Sascha Buschhorn. Kommt er durch alle Türen? „Ja“, sagt er. „Wir möchten unserem neuen Auszubildenden natürlich auch ermöglichen, die Sozialräume im Untergeschoss des hinteren Gebäudeteils zu erreichen. Im Untergeschoss des vorderen Teils ist die Poststelle untergebracht –  auch die ist ein Teil der üblichen Ausbildung. Auch sie kann Sascha Buschhorn erreichen. Drei Lifter wurden eingebaut, schildert Kammacher – die Geräte zu bedienen sei „idiotensicher“, kommentiert Sascha Buschhorn und führt eine solche Fahrt gleich mal vor

Alle notwendigen Schalter und Knöpfe sind passgenau für ihn zu erreichen, der Lifter wird nach Gebrauch „zusammengefaltet“. Die eigentliche Fahrt zwischen den Stockwerken dauert kaum zwei Minuten – dann ist er vom Erdgeschoss eine Etage höher gefahren, könnte kurz zum Chef ins Büro...

Der Lift passt haargenau an die Treppe.

. Die Lifter im Kirchdorfer Rathaus seien massiv und wertig. „Ich kann selbst entscheiden, wo ich hinwill und wann.“ Diese Selbstständigkeit zu schaffen, dass sich der neue Auszubildende alleine bewegen kann – das sei Ziel gewesen der Baumaßnahmen. Einziger Bereich, in den Azubi Sascha nicht kommt: Das Bauamt und die EDV. Das mache aber nichts, erklärt Kammacher. „Die Arbeitsplätze sind per Computer so miteinander verbunden, dass Herr Buschhorn sozusagen per Computer zugeschaltet werden kann.“

Was genau aber will Sascha Buschhorn beruflich machen? „Mit Menschen für Menschen arbeiten.“ Nein, verstecken irgendwo in einem Büro, in einem Hinterzimmer und den ganzen Tag vorm Rechner sitzen – „das will ich nicht, da sehe ich mich nicht.“

Wo ihn sein beruflicher Weg in Zukunft hinführt – so genau hat sich Sascha Berghorn da noch nicht festgelegt. Eine Arbeitsstelle in der Region sollte es aber durchaus sein. Die ersten Monate im Berufsleben sind gemeistert, im Dezember folgen der erste Berufsschulunterricht an der BBS in Syke.

Und wie haben sich die Ausbildungsinhalte entpuppt? Gibts auch Sachen, die nicht so gefallen? „Was Langweiliges gehört halt dazu, die Aufgaben werden ebenso abgearbeitet“, kommentiert Sascha Buschhorn lapidar. Um dann doch zu ergänzen: „Doch, die Ausbildung hier war eine gute Wahl.“

Von Sylvia Wendt

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