Pastor Wolfgang Gerdes übernimmt ab Dezember eine Pfarrstelle in Osnabrück

Vakanz in Kirchdorf

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Pastor Wolfgang Gerdes verlässt Kirchdorf, wechselt im Dezember nach Osnabrück.

Kirchdorf - Nee, die Entscheidung ist ihnen nicht leicht gefallen. Pastor Wolfgang Gerdes und seine Familie haben lange gerungen. Nach dreieinhalb Jahren in Kirchdorf verabschiedet sich der Pastor wieder: „So war das eigentlich nicht geplant.“

Doch das Leben hält sich nicht an Pläne. Die familiäre Situation habe sich sich so verändert, dass Autofahrten deutlich zuviel Zeit einnahmen. Der Familienwohnsitz steht in Quakenbrück, Ehefrau Natalia arbeitet in Bramsche, Gerdes wohnt im Pfarrhaus in Kirchdorf. Ein Krankheitsfall in der Familie nun erfordert neue Strukturen; eine Selbstverständlichkeit für jeden Bürger – und damit auch für den Pastor. Kennzeichen von Wolfgang Gerdes: Als Pastor ist er Teil der Gemeinde, steht nicht über ihr. Das schätzen die Kirchdorfer. Und doch muss Raum bleiben für eine eigene Persönlichkeit. Für Gerdes ist das Wirken in Kirchdorf ein Abschnitt, aus dem er viel mitnimmt. Der Stadtmensch lernte das Landleben und seine Menschen kennen, ihre Traditionen lieben und den Kirchenvorstand mit seiner Offenheit schätzen. 2800 Gemeindeglieder bedeuten auch künftig eine ganze Pfarrstelle, ein wichtiges Kriterium für eine Neubesetzung. Und den großen „Rest“ beschreibt Gerdes in typischer Manier: „Ist doch super hier.“ Tatsächlich aber kämpft auch „Kirche“ bei der Neubesetzung von Pastorenstellen auf dem Land. Kirchdorf aber habe viel zu bieten an Infrastruktur, sagt Gerdes. Als Pastor habe er hier gute Arbeitsvoraussetzungen gefunden, was nicht zuletzt dem Kirchenvorstand gedankt war. Der sei immer für Ideen offen, man könne Strukturen und Inhalte ausprobieren.

Die Schwerpunkte, die Wolfgang Gerdes in seiner Arbeit in der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde setzte, bescherten ihm schnell tief Einblicke in die Gemeinde. Besuche nennt Gerdes nicht von ungefähr an erster Stelle. Meist lerne man gleich die gesamte Familie kennen, wenn zum hohen Geburtstag eingeladen wird. Fiel der in seinen Urlaub, hat Gerdes die Gratulation stets nachgeholt.

Der Pastor als „Grüß-August“? Nein, ganz und gar nicht. Den Glauben als Thema bewegt den 57-Jährigen zutiefst, dazu dienen Gespräche. Es dürfen auch unkonventionelle Wege sein, ihn mit der Gemeinde zu praktizieren: Im Abendgottesdienst schauen Menschen vorbei, denen der eigentliche Termin sonntags um 10 Uhr nicht gefällt. Die Bibelfrühstückstermine im November sind indes ein Renner und versammeln Teilnehmer im angeregten Gespräch beim Brötchen.

Und junge Leute hat Gerdes im Blick: Konfirmanden nicht mit der Konfirmation aus dem Auge verlieren, ihnen weitere Angebote möglich machen.

Bindeglied ist oft die Musik. Der passionierte Gitarrist und Sänger überzeugt nicht nur auf der Kanzel. Wolfgang Gerdes rockt mit. Die Konzerte mit Gerd Langwald im Kirchgarten sind im Nu „der Hit“ schlechthin. Der Pastor mittendrin – das gefällt ihm. „Ich will mich auch als Mensch zeigen dürfen, nicht nur als Kirchenfunktionär“, sagt Gerdes. Er gehe mit den Lebensthemen nicht anders um als andere, freue sich bei schönen Dingen, trauere beim Todesfall.

Der gegenseitige Gewöhnungsprozess findet am 2. Advent ein Ende. In einem Abendgottesdienst wird Pastor Gerdes aus Kirchdorf verabschiedet. Die neue Pfarrstelle liegt im Norden Osnabrücks. Aus der städtisch geprägten Markus-Gemeinde und der Stephanusgemeinde am Stadrand wurde gerade erst die Nordwestgemeinde gebildet. Den Zusammenschluss der Gemeinden mitbegleiten und die Ökumene leben sind zwei Themen, die einen starken Pastor fordern. Den bekommt die Nordwestgemeinde.

sis

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