Ohne Kurzarbeit durch die Pandemie

Corona, Brexit und die Folgen für Diesel Technic in Kirchdorf

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Corona und Brexit Volker Brinkmann, Abteilungsleiter Partner Marketing und Kommunikation von Diesel Technic mit Sitz in Kirchdorf, spricht über die Folgen für den „Global Player“.

  • Kirchdorfer Unternehmen erweitert Logistikkapazitäten
  • Test-Center ist Herzstück des Quality-Systems
  • Vertriebspartner in mehr als 150 Ländern

Kirchdorf – Der Firmenname an den großen Gebäuden ist weithin sichtbar – und dennoch ist einer der größten Arbeitgeber kaum präsent bei vielen: Diesel Technic in Kirchdorf. Die Firma ist einer der größten Anbieter für Fahrzeugteile und Zubehör im „Automotive-Bereich“, mit 41 000 Produkten im schier endlosen Hochregallager und zwei Produktmarken. Die Firma ist ein sogenannter „Global Player“ – aber wie funktioniert das in einer Pandemie? Was bedeutet der Brexit? Nachgefragt bei Volker Brinkmann, Abteilungsleiter Partner Marketing & Kommunikation.

Der Standort Kirchdorf wächst. Welche Pläne gibt es aktuell bei Diesel Technic?
Mit dem größten Investment in der Firmengeschichte wurden in den letzten zweieinhalb Jahren die Konzernzentrale in Deutschland und parallel dazu die Logistikkapazitäten in den Tochterunternehmen erweitert. Der Schwerpunkt der Erweiterungen in Kirchdorf lag in der Logistik und im Technik-Bereich. Durch die Großinvestition hat die Diesel-Technic-Gruppe gezielt drei zentrale Kundennutzen ausgebaut: Vertriebspartner können sich über eine höhere Verfügbarkeit der rund 41 000 Artikel freuen und profitieren dank der gesteigerten Effizienz der Intralogistik auf Dauer von einer verkürzten Lieferzeit. Darüber hinaus garantieren wiederholte Investitionen in das Diesel-Technic-Quality-System ein konstant hohes Qualitätsniveau sowie eine kontinuierliche Produktoptimierung.Diese Erweiterung ist ein wichtiger Meilenstein für die weitere Entwicklung der Diesel-Technic-Gruppe.
Wenn derzeit keine äußerlich sichtbaren Erweiterungen geplant sind, gibt es interne Veränderungen?
Neben der äußerlich sichtbaren Erweiterung durch die Vergrößerung der Logistikkapazitäten sind auch diverse interne Veränderungen im Rahmen der Erweiterung vorgenommen worden. Die Mitarbeiterkantine wurde vergrößert und modernisiert. Neue, moderne Büros eingerichtet. Ein Großteil der Investitionen floss in das neue Test-Center, das Herzstück des Quality-Systems. Dies bietet neben erweiterten Prüf- und modernsten Messmöglichkeiten unter Laborbedingungen auch ein eigenes Elektronik-Testlabor sowie schnelles Prototyping per 3D-Druck. Um die Produktdatenqualität zu verbessern, wurde zudem in das Inhouse-Fotosystem investiert. Hier können 360-Grad-Produktbilder und -videos erstellt werden. Durch die hochmoderne Ausstattung können wir das hohe Qualitätsniveau gewährleisten und unseren Mitarbeitern ein sehr interessantes Arbeitsumfeld sowie optimale Arbeitsbedingungen bieten.
Welche Auswirkungen haben die Corona-Vorgaben und -Einschränkungen auf das Unternehmen?
Corona und die damit verbundenen Vorgaben und Einschränkungen haben Auswirkungen auf die praktische Zusammenarbeit mit Kollegen und Geschäftspartnern – und natürlich auf das Geschäft an sich.Neben der strikten Einhaltung der bekannten AHA-Regeln versuchen wir, alle internen und externen Zusammenkünfte mit mehreren Personen weitestgehend zu vermeiden.Video-Telefonate werden vermehrt genutzt, um speziell mit unseren Vertriebspartnern in mehr als 150 Ländern in Kontakt zu bleiben. Das regelmäßige Feedback der Vertriebspartner ist für uns, gerade in der aktuellen Zeit, sehr wichtig, um diese optimal zu unterstützen.Moderne Ausstattung der Arbeitsplätze und Konferenzräume macht die digitale Kommunikation problemlos möglich. Ebenso haben sich die weltweiten Geschäftspartner sehr schnell auf die neue Art der Kommunikation eingestellt.
Wie sehen die Einschnitte aufgrund der Pandemie für das Unternehmen aus? Gibt es Folgen für die Entwicklung?
Das Positive ist, dass das Geschäft nie komplett zum Erliegen gekommen ist, da kontinuierlich Transporte per Lkw weiterliefen, um die Grundversorgung sicherzustellen. Dennoch spüren wir natürlich starke Auswirkungen in der Entwicklung. Diese sind abhängig von den Einschränkungen im jeweiligen Land. Die Tochtergesellschaft in Singapur musste beispielsweise teilweise komplett geschlossen werden beziehungsweise es durfte nur eine bestimmte Personenanzahl vor Ort tätig sein. Generell ist zu sagen, dass wir auf Grund der Corona- Auswirkungen ein sehr schlechtes drittes Quartal zu verzeichnen hatten. Das vierte Quartal ist bisher glücklicherweise jedoch deutlicher positiver, wodurch wir hoffen, einen Großteil des vorherigen Quartals ausgleichen zu können. Das Überseegeschäft kompensiert momentan den stärkeren Geschäftsrückgang in Europa. Im Überseegeschäft ist speziell der Nahe Osten positiv in der Entwicklung. So können wir aktuell beispielsweise in Saudi Arabien, einem unserer wichtigsten Märkte, von unserer sehr guten Artikelverfügbarkeit und unserer lokalen Expertise in Bezug auf neu eingeführte Importprozesse profitieren. Die Planung für die nächsten Jahre ist auf Grund der aktuellen Umstände natürlich sehr herausfordernd und basiert auf vielen Unsicherheiten. Wir sind jedoch sehr stolz darauf, dass wir ohne Kurzarbeit, was zu Gehaltseinbußen unserer Mitarbeiter geführt hätte, und ohne coronabedingte Entlassungen durch die Krise gekommen sind. Dies stellt Diesel Technic als stabilen und verlässlichen Arbeitgeber in der Region dar.
Gibt es Auswirkungen aufgrund des Brexit für den Standort Großbritannien/Irland? Auch da versprechen Sie „1A-Logistik“ rund um die Uhr für die 41 000 Ersatzteile.
Im Ersatzteilgeschäft sind Verfügbarkeit und schnelle Lieferung essentiell –  nichts ist schlimmer und teurer als ein Fahrzeug, das steht und nicht genutzt werden kann. Durch erhöhte Logistikkapazitäten können wir eine verbesserte Artikelverfügbarkeit sowie eine schnellere Lieferung erzielen. Ein Highlight stellt das neue, vollautomatische Kleinteilelager mit Shuttle-Technik dar, mit dessen Hilfe sich die Kommissionierleistung vervielfacht. In dem viergassigen, etwa 17,5 Meter hohen Kleinteilelager lagern über 40 000 Behälter, die mehr als 12 000 verschiedene Artikel beinhalten. Die 148 Shuttle-Fahrzeuge sorgen für eine hohe Zahl von Ein- und Auslagerungsvorgängen in kurzer Zeit – gewährleisten so eine schnellere Auftragsbearbeitung und Lieferzeit. Weiterhin bietet das Shuttle-System moderne, ergonomisch optimierte Arbeitsplätze, um den Arbeitsprozess im Lager zu optimieren und zu vereinfachen. Für unseren Standort in Kingswinford in der Nähe von Birmingham ist natürlich das Thema „Brexit“ relevant. Das Thema bedeutet für uns intern einen immensen Aufwand. Eine eigene Projektgruppe beschäftigt sich mit der Prüfung von Regularien und daraus resultierenden Maßnahmen. Die optimale Versorgung und Ausstattung der Tochtergesellschaft mit Ware für den lokalen Markt hat hohe Bedeutung. Mit großem Extraaufwand und Extrainvestment werden bereits zum dritten Mal, nach zuvor zweimaliger kurzfristiger Verschiebung des Termins, Sondersendungen vorbereitet, um die Tochtergesellschaft mit Ware aufzustocken, um mögliche Zölle zu vermeiden. Dieser Prozess bedeutet für unsere Logistik einen extremen Mehraufwand. Eine weitere Auswirkung ist, dass wir Kunden aus Irland, das weiterhin zur EU gehört, in Zukunft aus Kirchdorf versorgen werden. Dies bedeutet für uns ebenso einen erhöhten Aufwand und führt auch zu Nachteilen bei Kunden, da diese nicht mehr „lokal“ betreut werden können. Geschäftsauswirkungen in Großbritannien sind schwer zu prognostizieren und sind natürlich auch sehr stark abhängig von der generellen Konjunkturentwicklung im Land.

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