Nicht alltägliche Fehlersuche in Kirchdorf / Sand und „Verzopfung“

Taucheinsatz im Klärwerk

+
Karl Kerlen (r.) hilft seinem Taucher Riaan van der Merwe beim Tauchgang im Belebungsbecken des Klärwerks Kirchdorf.

Kirchdorf - Für den Job müsse man einen Arsch in der Hose haben. „Es ist ein toller Job, ich liebe ihn“, sagt Markus Peter, Abwassermeister bei der Wasserversorgung Sulinger Land. Nur eine Stunde später entfährt ihm dann doch ein Fluch. Ortstermin am Klärwerk in Kirchdorf, mit dem Team und Tauchern. Tauchern?

„Wasser ist unser Element“ heißt der Slogan der Firma „Kerlen Taucher“. Der Name ist an diesem Tag Programm: Das Trio besteht aus drei Tauchern, zur Belegschaft der Hanauer Spezialfirma gehört aber auch eine Taucherin.

Das Wasser für den Tauchgang ist an diesem Tag das im Belebungsbecken der Klärwerks Kirchdorf. Seit geraumer Zeit läuft der Betrieb nicht mehr perfekt – man vermutet Verstopfungen, sogenannte Verzopfungen. Haare und Papierreste (feuchtes Toilettenpapier, Damenbinden und Tampons) verbinden sich zu betonhartem zopfähnlichem Gebilde, das zwischen Belebungsbecken und Nachklärbecken für eine Störung des Ablaufs sorgt. Das Klärwerk zu leeren, um die Arbeiten zu erleichtern, geht nicht – das Grundwasser sei in dem Bereich zu stark und würde in die Becken drücken, sie damit zerstören. Stürme fegen Äste und Laub auf die Becken, beides kann sich auch verheddert haben im Becken.

Markus Peter und das Team des Klärwerks, Stephan Emker und Florian Kuraschinski, können zunächst nur zusehen, wie Taucher Riaan van der Merwe seine Vorbereitungen absolviert. Der Südafrikaner ist heute dran mit tauchen, Chef Karl Kerlen war tags zuvor im Einsatz, Konstantin Marx ist der Signalmann, behält die Luftversorgungsanlage des Tauchers im Auge. Der taucht mit Pressluft, nicht mit Sauerstoff, wie die Freizeittaucher. Während Riaan van der Merwe Stück für Stück der bis zu 75 Kilo schweren Spezial-Ausrüstung anzieht, überstreift, festbindet, zuzieht, arretiert, bleibt Zeit für Fragen. Nein, das ist ein ganz normaler Job. Andere gehen ins Büro, er taucht. Heute im Klärbecken in Kirchdorf, morgen vielleicht im Hafenbecken in Hamburg. Nach fünfeinhalb Jahren erst ist der Spezialtaucher mit seiner Ausbildung fertig: Einer handwerklichen Ausbildung, etwa als Schlosser oder Maurer, folgt eine als Taucher. Zwei Gesellenbriefe haben die Taucher in der Tasche.

Einsatz im Klärwerk Kirchdorf

Und so dauert es nicht lange, dann hat van der Merwe eine sogenannte Haube an dem Rohr in dem vier Meter tiefen Becken so justiert, dass die Pump-Arbeiten beginnen können. Das Rohr muss komplett leer sein, damit man mittels einer Kamerafahrt erkunden kann, ob „nur“ eine Verzopfung vorliegt – oder das Rohr gar beschädigt ist.

Letzteres möge es bitte nicht sein, hoffen die Mitarbeiter der Wasserversorgung. Nach fünf Stunden sind die Arbeiten beendet, Taucher Riaan van der Merwe hat sich zwischenzeitlich ein zweites Mal die Ausrüstung angezogen, ist ins Nachklärbecken gestiegen, um die Arbeiten zu unterstützen, hat den Bereich abgefühlt – sehen konnte er auch in diesem Becken nichts. „Aber wir tauchen hier ja auch nicht zum Spaß und wollen bunte Fische sehen“, kommentiert Karl Kerlen trocken den Einsatzbereich. Viel Sand und die Zöpfe wurden rausgespült, man wolle den Bereich weiterhin im Auge behalten, sagt Markus Peter. Die Leitungen seien in Ordnung, mitunter aber müssten die Reinigungsarbeiten wiederholt werden.

Die wurden im laufenden Betrieb durchgeführt, keiner der 3500 angeschlossenen Privathaushalte und Firmen wird etwas von dem nicht alltäglichen Einsatz im Klärwerk Kirchdorf gemerkt haben.

sis

Mehr zum Thema:

Saarländer wählen neuen Landtag - Reicht es für Rot-Rot?

Saarländer wählen neuen Landtag - Reicht es für Rot-Rot?

Ferrari-Star Vettel triumphiert beim WM-Auftakt

Ferrari-Star Vettel triumphiert beim WM-Auftakt

London: Fast alle Festgenommenen wieder frei

London: Fast alle Festgenommenen wieder frei

Werk-Kunst Ausstellung im Verdener Rathaus

Werk-Kunst Ausstellung im Verdener Rathaus

Meistgelesene Artikel

Hochkarätige Akteure prügeln sich im Dreyer Sportcenter Dassbeck

Hochkarätige Akteure prügeln sich im Dreyer Sportcenter Dassbeck

Palliativstützpunkt: Vorstand schließt Kassenprüfer aus

Palliativstützpunkt: Vorstand schließt Kassenprüfer aus

Sattelzug blockiert Lange Straße

Sattelzug blockiert Lange Straße

Problem Brandschutz: Barrier Grundschule muss auf größten Raum verzichten

Problem Brandschutz: Barrier Grundschule muss auf größten Raum verzichten

Kommentare