Neue Generation, neue Strategien

Diepholzer Verband an Planung des Junglandwirtetags beteiligt

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Engagierte Junglandwirte: Hagen Koop (v.l.), Björn Meyer, Meinke Ostermann, Niklas Behrens, Mathis Meyer, Insa Meyer und Armin Lührs.

Kirchdorf - Von Janna Silinger. Auf dem Hof von Junglandwirt Björn Meyer ist der technologische Wandel buchstäblich sichtbar. Rechts der alte Stall, in dem die Kühe gefüttert, zwei mal am Tag in die Melkstation getrieben werden, in dem händisch sauber gemacht wird. In dem Menschen am Werk sind. Und links die Version, die zukünftig immer häufiger zu sehen sein wird: ein fast vollautomatischer Kuhstall.

Solche neuen und sich rasant weiterentwickelnden Technologien sind unter anderem Thema beim Junglandwirtetag, den die niedersächsischen Junglandwirte, in diesem Jahr die Diepholzer und der Nienburger Verbände, derzeit planen. Die Veranstaltung startet am 19. Februar um 9.30 Uhr im Bildungszentrum Deula-Nienburg.

Einige Betriebe, wie auch der von Björn Meyer, sind bereits modern aufgestellt. Das heißt im Bezug auf Milchkühe, dass der Landwirt nur zum Einsatz kommt, wenn mal etwas schief läuft, eine Kuh beispielsweise krank ist. In dem Fall wird er über ein Daten sammelndes Halsband informiert, das mit seinem Computer vernetzt ist. Der Mensch ist auch gefragt, wenn die Kuh sich nicht melken lassen will. „Aber in der Regel laufen die Tiere allein zum Melkroboter“, berichtet Meyer. Dort gebe es besonders leckeres Futter als Lockmittel. Davon bekommen die Kühe aber nur, wenn sie genug Milch produziert haben. Und darüber entscheidet wiederum der Roboter. Der testet auch die Qualität der Flüssigkeit und säubert die Euter. 

Stillstand noch lange nicht in Sicht

Die „Spitzentiere“ unter den 210 Kühen geben laut Meyer bis zu fünf mal am Tag Milch. Zugang zu Futter, Wasser und dem Melkroboter besteht ununterbrochen. Das Ausmisten übernimmt eine Art automatisches Kehrblech. Es gibt sogar eine Maschine, die von allein das Futter zurück vor das Gatter schiebt, wenn die Kühe zu wild darin gewühlt haben und es in der Mitte der Halle gelandet ist.

So sieht sie also aus: die Zukunft. Und ein Stillstand ist noch lange nicht in Sicht, das wissen die jungen Landwirte im Landkreis Diepholz, die sich vor etwa zwei Jahren zusammengeschlossen haben. Deshalb freuen sie sich umso mehr auf den diesjährigen Junglandwirtetag.

Zu den „Jungen“ darf man sich etwa bis 40 Jahre zählen, berichtet Niklas Behrens, Vorsitzender des Niedersächsischen Vereins. Im Rahmen der Veranstaltung kommen verschiedene Redner zu Wort. Sie berichten unter anderem über technologische Prozesse, neue Maschinen und den Umgang mit Klimaveränderungen. Für die Teilnehmer geht es jedoch in erster Linie um den Austausch untereinander. Sie möchte sich vernetzen, die neue Generation. Denn auf sie kommen auch neue Probleme zu. Solche, die Eltern und Großeltern möglicherweise noch völlig fremd sind. Allen voran: der Klimawandel. „2017 war es viel zu nass, 2018 viel zu trocken“, resümiert Meinke Ostermann. Mit diesen Problemen hätten sie alle zu kämpfen, weshalb es sinnvoll sei, sich zusammen zu schließen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Das Halsband liefert beispielsweise Daten darüber, wie viel das Tier isst.

Eine weitere Herausforderung sei der Dialog mit den Bürgern. „Viele wissen gar nicht, was wir Landwirte machen“, so Ostermann. Früher, hätte jeder irgendeine Oma gehabt, die ein paar Schweine und Kühe hatte, die irgendwann geschlachtet wurden. Das sei nicht mehr der Fall, meint auch Behrens. Und die Menschen hätten keine Ahnung von dem, was auf dem Land eigentlich vor sich geht. Deshalb müsse Aufklärungsarbeit geleistet werden. „Wir machen alle einen tollen Job und uns ist es wichtig, dass es unseren Tieren gut geht. Das sollten alle Menschen wissen“, fügt Ostermann hinzu.

Ressourcenarme Landwirtschaft

Björn Meyer weist auf eine weitere kostspielige Herausforderung hin: den technologischen Wandel. Wer nicht auf dem neusten Stand ist, gehe ein wirtschaftliches Risiko ein. „Stichwort: Effizienz. Das klingt im Zusammenhang mit Tieren immer komisch und kalt“, so der junge Mann. Aber Fakt sei: Es gehe bei der Automatisierung darum, möglichst ressourcenarme Landwirtschaft zu betreiben und nichts zu verschwenden, es gehe um Nachhaltigkeit. Daher bekämen die Tiere genau so viel Futter, wie sie brauchen, um hochwertige Milch zu geben, essen nach eigenem Bedarf und lassen sich melken, wenn sie möchten - das seien Prozesse, bei denen das Tierwohl an erster Stelle stehe, so die Meinung der Landwirte.

Ein infrastrukturelles Problem steht dem „stets neusten Stand“ aber noch im Weg. „Die ganzen weißen Flecken im Landkreis sind wirklich hinderlich, wie soll man da immer informiert sein und wissen, was es alles so neues gibt?“, so Ostermann. Selbst in den peruanischen Anden und der südafrikanischen Steppe hätte man besseren Empfang als im Landkreis Diepholz.

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