Zwischen Varrel und Scharringhausen

Bauarbeiten an der K20 im Zeitplan

Blick vom Nordufer mit dem bereits fertigen Widerlager aus Beton (vorne) auf die Südseite. Fotos: S. Wendt

Varrel - Von Sylvia Wendt. Es ist windig, es nieselt. Und es wackelt. Ortstermin an der Großen Aue zwischen Scharringhausen und Varrel. Nein, nicht mit den Petrijüngern des Angelvereins Varrel. Die haben ihre Saison noch nicht begonnen.

Das gut zehnköpfige Team der Firma Oehm baut derzeit die neue Brücke über die Große Aue und Hans-Peter Dierksen, zuständiger Brückenbaufachmann bei der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr Geschäftsbereich Nienburg, schlägt den Ortstermin vor, weil ein Widerlager ausgeschalt wird und außerdem ein provisorischer Steg die beiden Uferseiten verbindet. Der Steg (das wackelige Element an diesem Tag) ist ausschließlich für die Facharbeiter gedacht, nicht für Passanten oder Radtouristen. Die Baustelle sei entsprechend gesichert. Eigentlich ist hier Ruhe eingekehrt, die Umleitungen greifen, Zaungäste sind von Anfang an vor Ort, behalten die Arbeiten im Blick.

Statt Ruderboot: Die Arbeiter nutzen den provisorischen Steg über den Fluss, um zu den Baustellen zu gelangen.

Gab es unverhoffte Bodenschätze? Überraschungen beim Bauen? „Nein“, sagt Dierksen. Die Katastrophe zum Auftakt mit dem nicht fachgerechten Abriss der alten Brücke (wir berichteten) reiche. Die fachliche Seite eines Brückenbaus ist doch ein wenig komplizierter, als der Laie das vermutet. Tatsächlich sind die Vorgaben heute um ein Vielfaches komplizierter, als es die alten Römer noch zu lösen hatten. Technisch interessierte Bürger hätten in Hans-Peter Dierksen einen Ansprechpartner, der jedes noch so kleine Detail auf der Baustelle (und davon gibt es etliche) in seiner kleinen wie großen Bedeutung für Statik und Lebensdauer erklären könnte.

Das Widerlager ist, rein laienhaft ausgedrückt, einer der Pfeiler, auf dem die Brücke nachher ruht. Er steht fertig auf der Nordseite. Spundwände halten den Bereich um die Widerlager für die Bauarbeiten trocken, werden später wieder herausgenommen. Die Widerlager sollen, je nach Wasserstand, knapp außerhalb der Großen Aue stehen. Das Werk aus Beton wird vor Ort gegossen: Die passgenaue Verschalung verschlingt 100 Kubikmeter Beton, das sind gut 13 Betonmischfahrzeuge. Insgesamt dauere es fünf bis sechs Stunden, bis die verschalte Widerlager-Form komplett aufgefüllt ist.

Dieses elementare Bauteil an Ort und Stelle zu gießen bedeute, dass eben keine Naht entsteht. Doch weil es sich um Beton handelt, sei eine sogenannte Soll-Riss-Fuge eingearbeitet.

Oben: Widerlager Nordufer, unten: Arbeiten am Südufer.

Sind die Arbeiten denn im Zeitplan? „Ja, die Firma Oehm liegt gut im Zeitplan, die Baustelle ist richtig gut geführt. Ziel ist die Fertigstellung bis Ende September“, sagt Dierksen. Ende nächster Woche solle das zweite Widerlager auf der südlichen Seite betoniert werden, dann würden die ersten Vorkehrungen zum Aufbau des Traggerüstes für die Herstellung des Überbaus getroffen. Mitte Mai könne es zeitlich soweit sein, dass mit der Betonage des Überbaus begonnen werden kann. 235 Kubikmeter Beton werden dafür benötigt, hat Dierksen errechnet.

Vor Ort ist auch Bernd Fredrich, Teamleiter Straße und Planfeststellung beim Landkreis Diepholz im Fachdienst Umwelt und Straße. Er blickt auf den Radweg, der entlang der K 20 zwischen Varrel und Scharringhausen eine Lücke in dem Radwegenetz der Samtgemeinde Kirchdorf schließt.

Die Firma Koldewey habe mit Erdarbeiten begonnen, es werden Versorgungsleitungen gelegt, unter anderem auch Leerrohre für die künftige Breitbandversorgung. Ab April könnte Schotter verlegt werden, der erste Abschnitt (auf der nördlichen Seite) vielleicht bereits im Mai fertiggestellt sein. Koldewey-Geschäftsführer Simon Kopmann habe mitgeteilt, dass der gesamte Radweg wohl vor der Brücke fertig sei, berichtet Fredrich.

Brückenfachmann Dierksen atmet ob dieser Ansage tief ein...

Der Brückenbau ist, da verklären die beiden Kräne an der Baustelle derzeit den Blick ein wenig, mit viel Handarbeit verbunden, während beim Straßenbau zahlreiche Geräte eingesetzt werden können, die „Strecke machen“. Rund 100 Jahre soll das Bauwerk dann halten, aktuellen Tonnagen trotzen.

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