Willkommen bei den Waldbanausen

Naturgartenprojekt der Holzhausener Kita gewinnt Nabu-Preis

Willkommen bei den „Waldbanausen“ im Waldkindergarten Holzhausen, hier Levi (vorne) und Hanna.
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Willkommen bei den „Waldbanausen“ im Waldkindergarten Holzhausen, hier Levi (vorne) und Hanna.

Holzhausen – Das Empfangskomitee ist aufgereget: Besuch hat sich angesagt und es gibt Süßes zur Feier des Tages. Ausgezeichnet wird das „Naturgartenprojekt“ des Waldkindergartens in Holzhausen: Der Landesverband des Naturschutzbundes Deutschland zeigt mit der Vergabe des dritten Platzes des Nabu-Jugendschutzpreises einer im Wortsinn wachsenden Idee seine Wertschätzung und bereichert das Konto der Kita in der Samtgemeinde Kirchdorf um 200 Euro.

Vielleicht reicht es für den Kauf einer Wildkamera sinniert Leiterin Silke Bornkamp. Leihweise hatten sie schon mal eine solche Kamera – und einen Marder vor der Linse. „In Echt“ springt nach dem Fototermin ein Rehbock am Naturgarten vorbei und die Eichhörchen haben eine eigene Futterstelle, in die die Kinder immer wieder neue Haselnüsse legen – wenn sie nicht gerade Kastanien in die Kastanienwanne schmeißen.

Die Idylle in Holzhausen ist das jüngste Angebot im Rahmen der Kinderbetreuung in der Samtgemeinde Kirchdorf, die „Waldbanausen“ gibt es seit 2019. Und wenn die Nachfrage das Angebot bestimmen könnte: „Aktuell sind es noch elf Kinder, aber demnächst ist die Gruppe voll mit 15 Mädchen und Jungen. Und das bis 2024“, freut sich Silke Bornkamp über die Resonanz, bedauert jedoch, bereits Absagen erteilen zu müssen.

Das war nicht immer so, erinnern Samtgemeindebürgermeister Heinrich Kammacher und Bahrenborstels Bürgermeister Matthias Stelloh an die zunächst zögerlichen Anmeldungen zum Start vor zwei Jahren.

Die Fläche in direkter Nachbarschaft zum Hof der Familie Stelloh, dem Dorfgemeinschaftshaus, der alten Schule und der Feuerwehr bedeute für die Gruppe eine Menge an Alternativen und Unterstützung.

Stelloh liefere etwa den Strom aus regenerativen Energien nach nebenan in den Wald, damit die Kinder Licht haben und einen geheizten Bereich – den WC- und Waschraum. „Gerade neulich hat es so stark geregnet und gestürmt, da sind wir einfach später rübergegangen und haben noch ein wenig Zeit unter dem Dach des Dorfgemeinschaftshauses verbracht“, sagt Bornkamp.

Die Gruppe sei derzeit dezimiert, weil einige Kinder erkrankt sind. Silke Bornkamp bestätigt, was bundesweit bereits aufgefallen ist: „Die Kinder erkranken, wenn sie erkranken, ernsthaft an Atemwegsinfekten – und es dauert länger, bis sie die überwunden haben.“ Sie gehe davon aus, dass die Abwesenheit der sonst gewohnten vielen Infektionsquellen die Abwehrkräfte „geschont“ hat – und eine Krankheit nun umso heftiger ausfällt.

Bei der Preisübergabe: Praktikantin Christabel Nyame, Silke Bornkamp, Rosa Freye, Melanie Baensch, Matthias Stelloh, Heinrich Kammacher (hinten von links) und die Kinder im prämierten Projektgarten.

Hanna ist gewappnet: Neue warme Schuhe mit einem „Kuschelfell“ habe sie, sagt die quirlige Frohnatur, die mit Levi und Joshua die Gäste empfängt. Die Kinder sind allesamt stolz auf ihren Waldkindergarten, der in zwei Jahren um etliche Bereiche gewachsen ist. „Es hat etwa ein Jahr gedauert, bis sich der Alltag eingependelt hatte – aber jetzt genießen die Kinder das vollkommen“, berichtet Silke Bornkamp.

Die Eichhörchenfutterstelle liegt neben dem Waldlabyrinth, das die Kinder selbst gebastelt haben, neben den Pötten mit „Fundstücken“, etwa Bucheckern. Neu angelegt wurden Wege. „Die Kinder haben das selbst erkannt und erarbeitet“, erklärt Bornkamp. Im vergangenen Jahr gab es in dem Waldstück eine größere Ausholzung. Bürgermeister Stelloh und Silke Bornkamp erwarten jetzt den Förster, um mit ihm festzulegen, was neu angepflanzt werden soll. Die Mädchen und Jungen hätten beschlossen, dass sie dann Wege festlegen sollten, damit die neuen kleinen Pflanzen geschützt sind – vor den sonst durch den Wald tobenden Kindern.

„Es geht ganz prima ohne Spielzeug“

Einen Sinn für Naturschutz lernen, keine Probleme damit haben, vermooste Stöcke anzufassen, um sie zu einer Totholzhecke zu stapeln, die Unterschlupf für Igel im Winterschlaf darstellt. „Was wir gelernt haben, ist, dass wir gar nicht soviel brauchen. Wenn wir gefragt werden, ob das denn geht, so ohne Spielzeug, dann können wir sagen: Ja, das geht ganz prima“, erklärt Bornkamp. Einzig Arbeitsmaterialien und Sicherheitsutensilien wie Arbeitshandschuhe würden beschafft. Letztlich gehe es auch um Nachhaltigkeit – und darum, das eigene Verhalten zu hinterfragen: Was kann ich tun, um die Natur zu erhalten?

Kurz nach der Eröffnung des Waldkindergartens kam Corona – und damit fehlte der Austausch mit anderen Waldkindergärten. Dass mit Melanie Baensch eine Erlebnispädagogin in den Reihen des Nabu die Preisübergabe durchführt, nutzen Bornkamp und Mitarbeiterin Rosa Freye gerne aus für ein Fachgespräch. Bornkamp hat, über Online- und Präsenzveranstaltungen zwischendurch, ihre Fortbildung zur Wald- und Naturpädagogin absolviert.

Rosa Freye war es, die mit dem Projekt Blumen- und Gemüsegarten am Waldrand ein Betätigungsfeld entwickelte, in dem Kinder ihre eigene Belohnung anbauen: Kartoffeln, die auch zum Kartoffeldruck genutzt wurden. Himbeeren, um daraus Marmelade zu kochen. Erdbeeren, weil die lecker schmecken und Blumen, damit man sie verschenken kann und eine Wildblumenwiese für die vielen Insekten, die man super gut beobachten kann. In die Auswahl einbezogen die Kinder, die sich auch Kohlrabi, Möhren und Radieschen gewünscht haben. „Unsere Waldkinder stellen fest, dass die Pflanzen Wurzeln ausbilden, dass sie mal an Stängeln Früchte tragen und mal unter der Erde“, erklärt Rosa Freye. Gießkanne, Schubkarren und Harken – die Kinder seien mit Eifer bei der Sache gewesen.

Projekte im Waldkindergarten würden mit Eltern, Großeltern, Samtgemeinde und Gemeinde umgesetzt, die im Schulterschluss arbeiten. „Das beeindruckt“, sagt Melanie Baensch.

Arbeiten im Hochbeet befördern auch nach der eigentlichen und längst abgeschlossenen Ernte eine allerletzte Kartoffel zu Tage. Was zur Frage führt: „Können wir wieder Kartoffeldruck machen?“

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