„Nach wie vor ein interessanter Beruf“

Jürgen Müller geht in den Ruhestand – nach 30 Jahren als Sparkassenchef in Varrel

Jürgen Müller geht am Freitag in den Ruhestand. Foto: S. Wendt

Varrel – 180 Kilometer, ein Weg, nur um „Tschüss“ zu sagen: Jürgen Müller rührt das. Und es zeige ihm bezüglich des Umgangs mit Kunden: „Da kann man nicht viel falsch gemacht haben.“ Müller ist 61 Jahre alt und, Stand Dienstag, noch vier Tage im Dienst als Leiter der Sparkasse Varrel. Ein Monat fehlt noch, dann wären es volle 31 Jahre auf dem Chefsessel in Varrel gewesen.

Ein Blick zurück: Jürgen Müller ist sich nicht schlüssig, was er nach dem Fach-Abitur machen soll, ein Jahr Arbeit auf dem elterlichen Hof – einem Mischbetrieb mit Kühen und Schweinen in Scharringhausen – führt zu Bewerbungen im kaufmännischen Bereich. Am 1. August 1977 beginnt die Ausbildung bei der Kreissparkasse Grafschaft Diepholz, nach deren Ende Müller als Springer arbeitet und in der Sparabteilung Sulingen. Zwei Banküberfälle gab es während der Zeit im Mittelzentrum.

Müller wechselt 1986 als stellvertretender Leiter in die Geschäftsstelle Varrel. Und er ist der letzte Leiter, dem man abverlangt, auch vor Ort zu wohnen. Das ist besonders erwähnenswert, weil Jürgen und Ingrid Müller 1986 gerade erst in ihr neu gebautes Haus in Barenburg eingezogen sind. Drei Jahre später also der Umzug nach Varrel. Familie Müller fasst schnell Fuß. Das ist hier eine bodenständige Gegend, sagt Müller. Als Bänker betreut er über die Jahre viele Kunden, die aus der Gegend stammen, aber weggezogen sind – doch das Vertrauen in die heimischen Bänker im Bezug auf die Finanzen blieb.

Kann er Unterschiede feststellen zwischen den Kunden heute und denen von einst? „Die Treue zur Bank ist größtenteils geblieben. Kunden werden kritischer, das aber ist legitim. Hier ist die Vertrauensbasis eine andere, als in der Großstadt. Wir müssen zwar mit dem Mitbewerber kämpfen, wir müssen uns aber nicht verstecken und haben Angebote, die in die Welt passen.“

Nach 35 Jahren gehe er mit einem guten Gewissen: „Es hat mir immer Spaß gemacht. Dass es manchmal auch Unterschiede gab, ist nur natürlich.“ Kunden habe er gesagt: „Es muss für dich passen, aber auch für uns.“ Falsche Beratung komme als Bumerang zurück. In den zurückliegenden über drei Jahrzehnten habe es Veränderungen gegeben: Einst waren alle Mitarbeiter für alles zuständig, zunehmend sei die Spezialisierung erfolgt, die unbedingt erforderlich sei, sagt Müller.

Nutzt Müller Online-Banking? „Ja.“ Aber am PC, er verfüge nicht über ein app-fähiges Mobiltelefon. Er grinst. Die Kicker aus der Ü50 Fußballmannschaft sind in der WhatsApp-Gruppe vernetzt. Jürgen Müller muss richtig angerufen werden, dass am Montagabend überraschend Training angesetzt ist.

Zwei erwachsene Kinder (Tochter Katharina ist ebenfalls bei der Sparkasse, Sohn Christoph Lehrer), 61 Jahre alt – was macht er denn jetzt? „Es gibt genug zu tun. Fußball bleibt, Küsterhaus bleibt (Müller ist im Vorstand des Vereins Kultur im Küsterhaus, Anmerk. d. Red.) und alles, was bisher in Hetze erfolgte, kann ruhig angegangen werden.“ Und das ist? „Etwa der Umbau des elterlichen Hofes in Scharringhausen.“ Er traue sich da einiges zu, handwerklich gesehen, arbeite gerne mit Holz. Und das schönste Erlebnis? „.... Hm .... Was soll ich denn da sagen?“ Das schlimmste Erlebnis? „Gibt es nicht. Niederlagen einstecken ist normal, aber es sind auch nie Beschimpfungen von Kunden gekommen – ein Zeichen, dass ich wohl vieles richtig gemacht habe. Das Vertrauensverhältnis ist auf dem Land das A und O.“

Müllers Rat an künftige Bänker? „Das ist nach wie vor ein interessanter Beruf. Man muss sich nur bewusst sein, dass es ständig Veränderungen gibt und die immer schneller erfolgen. Im Bankbereich mitunter schneller, als in anderen Sparten.“ Sicherlich werde vieles ins Internet verlagert – aber die kompetente – und vertrauensvolle – Beratung werde vor Ort nachgefragt.

Er gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Was ihm fehlen werde, sei der tägliche Kundenkontakt, sagt Müller.

Nachfolger als Sparkassenleiter in Varrel wird Tim Rehburg.

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