Malermuseum Wehrbleck: Start Sonderausstellung „Glaser“

Museumsstruktur ist ein Thema „über das wir sprechen müssen“

Stillleben im Malermuseum in Wehrbleck, in das Wilhelm Köster zum „Tag des Handwerks“ einlädt.
+
Stillleben im Malermuseum in Wehrbleck, in das Wilhelm Köster zum „Tag des Handwerks“ einlädt.

Wehrbleck – „Durchblick“, mal im Wortsinn, vermittelt das Malermuseum in Wehr-bleck am Wochenende. Den „Tag des Handwerks“ (18. September) schätzt Museumschef Wilhelm Köster als Maler- und Lackierermeister und ehemaliger Obermeister der Innung, ganz besonders – und hat deshalb eine Sonderausstellung „Glaser“ konzipiert. An beiden Tagen, 18. und 19. September, ist das kleine Juwel auf dem Hof Witte jeweils von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

In der Maler- und Lackiererbranche ist es nicht anders, als in manch anderen Gewerken: Alte Handwerkskunst wird neu entdeckt. Junge Lehrlinge, die zu Besuch im Malermuseum sind, entdecken dann: „Das gab es schon mal“. Mit Wilhelm Köster haben sie einen Kollegen, der ihnen viele Kniffe und Tricks verraten kann. Etwa, wie man Eisblumen auf das Glas zaubert und warum der Tiegel Tafelleim deshalb in der Nähe der Scheibe steht. Der Laie, der dachte, Eisblumen auf Fenstern gibts nur im Winter, wird eines Besseren belehrt. Um eine kleine Fensterscheibe herum drapiert sind allerlei Werkzeuge – jedes einzelne kann Köster benennen und seine Funktion erklären: Wie das Glas in den Rahmen kommt, dass der Kitt geknetet werden muss, damit er geschmeidig ist, warum der Kreidepinsel wichtig ist (um Öl und Fette von der Scheibe zu kriegen): „Mit jedem Exponat wird eine Erinnerung an alte Zeiten wach. Bis in meine Ausbildung zurück“, erklärt Köster.

Wilhelm Köster zeigt, wie Eisblumen aufs Glas kommen.

Aus den Tiefen der Exponate fördert er einen unscheinbaren Plastikbehälter zutage. Drin eine weiße Masse, nicht flüssig, nicht fest: „Je schmaddriger, je besser“, lautet das fachmännische Urteil. Es ist „gelöschter Kalk“. Sumpfkalk, wie er in einer Bielefelder Kirche benutzt wurde und bereits vor dem Jahr 1970 eingelegt. Es müsse immer Wasser drauf, damit er nicht eintrocknet. Er sei „mit Kalk- und Lehmfarben groß geworden“, sagt Köster. Das sei also nichts Neues, was jetzt entdeckt werde im Zuge des Trends, natürliche Substanzen, die möglichst ohne Ausdünstungen daher kommen, zu nutzen. Angeblich mit „neuen“ Farbsubstanzen – Köster winkt ab: „Das gibt es schon lange, ob Leinöl, Hanf, Leindottersamen.“ Viele der Rohstoffe hat Wilhelm Köster vor Ort, kann sie den Besuchern zeigen. Die bindet er gerne auch in ein Quiz ein. Etwa: Seit wann wird über Schimmel in Häusern gesprochen? Fragts, und greift nach einer Bibel, um die Stelle zu zitieren.

Wozu der Kreidepinsel benötigt wird, wird gerne erklärt.

Und so kommt das Gespräch drauf, wie die Museumsstruktur sich aktuell darstellt: Wer guckt nach den Exponaten, in Zeiten eines Lockdowns? Köster. Wer ist Ansprechpartner für all jene, die feststellen „ich habe auch noch was“ – und es dem Museum überlassen möchten? Köster. Wer führt die Gäste versiert und mit unzähligen Anekdoten zu Pinsel, Pötten und Purpur durch die Räume? Köster.

Fensterrahmen und Werkzeuge, die Glaser verwenden.

Und da liegt ein Problem: Mit Köster wird das Handwerk bunt und lebendig. Ohne Köster fällt nicht auf, warum ausgerechnet die Purpurschnecke an der Decke ihre Spur zieht: Sie liefert das teuerste Pigment überhaupt.

„Das macht Spaß, die Gespräche mit Gästen. Insbesondere die Resonanz von den Schülern“, sagt Köster. 2020 war das Museum komplett geschlossen, obwohl Köster gerne im September 2020 das 15-jährige Bestehen gefeiert hätte. Und in diesem Jahr ist es auch noch nicht wieder im Fokus von Gästen.

Am Wochenende aber trägt Köster in Sachen Werbung für das Handwerk dick auf: Panzerglas und wie man das wohl durchschneiden kann steht unter anderem auf dem Plan.

Über eine besondere Farbtonkarte können Farbkombinationen von Wand, Boden und Möbel vorab „geprüft“ werden.

Ein ganz unscheinbares Schätzchen zückt der Mann mit dem markanten Bart dann. Und man weiß nicht: Die Farbdesignkarte von einst scheint wieder komplett „in“ zu sein, andererseits aber sind die Farbkombinationen mitunter... hm... speziell. Aber gut, irgendwem gefällt auch so was, witzig ist es allemal.

Ob kleine Exponate oder große: Für Köster ist das mittlerweile eine Platzfrage. Was kann er ausstellen? Wo kann er es lagern zwischendurch? Da Köster das Museum aber fast alleine führt, organisatorisch angeschlossen ist an den Heimatverein Wehrbleck, frage mancher mittlerweile nach: Wie geht es denn weiter? Das ist eine Frage, die Köster nicht beantworten kann, aber er weiß: „Wir müssen uns damit auseinandersetzen.“ Er berichtet von Gesellenstücken, Meisterstücken, die ihm angeboten werden – wer aber erzählt die Geschichten später einmal, die dahinter stecken? Neue Exponate herzeigen bedeute wiederum, andere wegzunehmen. Aber welche? „Im Grunde sind sie alle wichtig.“ Und wenn dann ein Spender ins Museum kommt, wolle der ja sein Exponat sehen.

Gelöschter Kalk: „Je schmaddriger, je besser“, sagt Köster.

Und die Aktionen rund um das Malermuseum? „Die Pinselbrüder aus Lohne wollen auch gerne mal wieder live und vor Ort hier Pinsel binden“, sagt Köster. Auch solche Aktionen würde der Museumschef wieder hochfahren – wie es die Pandemie-Vorgaben erlauben.

Draht zum Museum

Wilhelm Köster gewährt Einblicke via Instagram (wilhelmkoestermalermeister), ist unter Tel. 01 72 / 4 23 82 42 und per E-Mail (hw-koester@gmx.de) erreichbar.

Von Sylvia Wendt

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

15 Ratsmitglieder in Weyhe verabschiedet

Relax Pur für 2 – jetzt zum Schnäppchenpreis von 29,99 Euro

Relax Pur für 2 – jetzt zum Schnäppchenpreis von 29,99 Euro

Kalte Füße im Bett? Diese Bettdecken sorgen für einen guten Schlaf

Kalte Füße im Bett? Diese Bettdecken sorgen für einen guten Schlaf

Meistgelesene Artikel

Kreissparkasse Syke schließt sechs Filialen

Kreissparkasse Syke schließt sechs Filialen

Kreissparkasse Syke schließt sechs Filialen
Schaschlik und Plov aus dem Kazan: Radik Tamoyan betreibt neues Restaurant in Barnstorf

Schaschlik und Plov aus dem Kazan: Radik Tamoyan betreibt neues Restaurant in Barnstorf

Schaschlik und Plov aus dem Kazan: Radik Tamoyan betreibt neues Restaurant in Barnstorf
Verfall der Dorfmitte in Drebber?

Verfall der Dorfmitte in Drebber?

Verfall der Dorfmitte in Drebber?
Frontalkollision: Zwei Tote bei Unfall auf B214 in Barver

Frontalkollision: Zwei Tote bei Unfall auf B214 in Barver

Frontalkollision: Zwei Tote bei Unfall auf B214 in Barver

Kommentare