Tagesmutter Sabrina Lehning bietet in Barenburg eine 24/7-Betreuungszeit an

„Müssen uns flexibler aufstellen“

Sabrina Lehning, neue Tagesmutter in Barenburg, vor dem großen Sandkasten im Garten.
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Sabrina Lehning, neue Tagesmutter in Barenburg, vor dem großen Sandkasten im Garten.

Barenburg – Sabrina Lehning hat schon früh Verantwortung übernommen: Mit 19 Jahren ist sie Mutter eines Sohnes, alleinerziehend und macht dennoch eine Ausbildung zur Erzieherin. Die ist in Nordrhein-Westfalen, ihrem Heimatbundesland, anders geregelt als in Niedersachsen, umfasst aber auch eine intensive Ausbildung rund um Kinderpflege und Kindererziehung. Der Abschluss in Theorie und Praxis erfolgt im Jahr 2015.

In diesem Beruf ist Sabrina Lehning lange Zeit tätig, entscheidet sich aber, sich selbstständig zu machen. Mittlerweile ist sie mit Ehemann und dem inzwischen elfjährigen Sohn in Barenburg heimisch geworden. Doch die Selbstständigkeit allein ist dann doch nicht ihr Ding: Der Alltag mit Kindern habe gefehlt, sagt die heute 30-Jährige.

In diese Überlegungen hinein stoßen Gespräche mit Freunden darüber, wie nachgefragt Kinderbetreuung ist und hier insbesondere die Arbeit von Tagesmüttern. Sabrina Lehning bespricht eine mögliche Raumnutzung mit der Familie, weiß, wie wichtig die Tagesmütter sind, denn: „Ich hätte ohne Tagesmutter meine Schule damals nicht besuchen können. Die war eine Stunde entfernt und um halb sechs morgens habe ich meinen Sohn damals zu seiner Tagesmutter gebracht.“

Das Einfamilienhaus mit Garten in Barenburg liegt in einer ruhigen Straße, das Erdgeschoss mit drei Räumen bietet Platz zum Spielen und Schlafen sowie ein eigenes Bad, es könnte komplett für die Kinderbetreuung genutzt werden – der Familie blieben genügend Räume im Obergeschoss. Und damit erfolgt der Start. Viele befreundete Mamis spendieren ausrangiertes Spielzeug, Windeln, Kleidung.

Ruhebereich: Heiß begehrt ist die Kinder-Hängematte.

Die notwendigen baulichen Voraussetzungen sind zügig erledigt. Was allerdings mehr Zeit in Anspruch nimmt, ist die Ausbildung und Qualifikation der gelernten Erzieherin und Mutter eines Sohnes zur Tagesmutter. Für Personen mit entsprechender Vorqualifikation gibt es keine Ausnahmen – auch Sabrina Lehning muss etwa ein 25-stündiges Praktikum bei einer Tagesmutter absolvieren. Sabrina Lehning begrüßt zusätzliche Schulungen in Sachen Steuern, im kaufmännischen Bereich – kurz: Dinge, die zur Ausbildung als Erzieherin nicht dazu gehören, aber als Selbstständige gut zu wissen sind. Andererseits: „Eine Stunde nur hat eine Schulung gedauert zum Thema ‚Wie gehe ich mit meinem Kind um, wenn es wütend ist?‘. Dazu hatte ich in der Ausbildung ein ganzes Seminar“, erinnert sich Lehning.

Aktuell wartet sie darauf, dass sie ihre Prüfung ablegen kann, muss aber deshalb bis zum Frühjahr 2022 warten, weil die anderen Kursteilnehmer die Module, die Sabrina Lehning bereits absolviert hat, noch absolvieren müssen.

Müsste da nicht dringend eine Überarbeitung stattfinden, damit, wer eine solche Ausbildung und Vorqualifikation besitzt, einen verkürzten Zugang erhält? Eine Idee, der Sabrina Lehning nur zustimmen kann: „Schade, dass Erfahrung nicht relevant ist.“ Mitarbeiter des Jugendamtes prüfen alle Bewerber vorab, in Gesprächen und sind auch vor Ort. „Da gab es sofort grünes Licht“, erinnert sich Sabrina Lehning.

Spielbereich: Abenteuer sind garantiert.

Für sie sei wichtig, die Lebenswirklichkeit der Eltern aufzugreifen. Deshalb solle ihre Betreuungszeit sieben Tage in der Woche, 24 Stunden täglich umfassen. Ein Beispiel: Eine der Mamis der fünf Kinder, die Sabrina Lehning aktuell betreuen darf (nach Abschluss der Ausbildung darf sie acht Plätze anbieten) arbeite im Schichtdienst, Mutter und Kind müssten „mitten in der Nacht“ aufstehen, wenn das Kind bei ihr betreut werden soll. Das umgehen Mutter, Kind und Tagesmutter, indem das Kind bereits bei Sabrina Lehning einschlafen „und am Morgen in Ruhe aufwachen kann. Das ist entspannt für beide Seiten.“

Diese „Randzeiten“ würden gebraucht, sagt Sabrina Lehning. Wie geht Kinderbetreuung, wenn die Arbeitszeit von 12 bis 19 Uhr dauert? „Deshalb biete ich an, dass ich Kinder aus den Kitas der Umgebung abhole.“ Wie ist die Rund-um-die-Uhr-Betreuung dann leistbar? „Ich habe nicht jedes Kind jeden Tag, ich achte auch auf freie Zeiten. Aber grundsätzlich sind 24-Stunden-Kitas in Großstädten bereits selbstverständlich. Wir müssen uns hier auf dem Land auch flexibler aufstellen.“

Für Eltern und Kind sowie Tagesmutter gelte, dass die Chemie stimmen muss. „Ich arbeite so, wie ich meine, dass es den Kindern guttut. Sehr gerne etwa nach der Montessori-Methode. Auch die U3-Arbeit wird immer wichtiger.“ Aktuell betreut Sabrina Lehning Kinder im Alter zwischen einem und sechs Jahren, grundsätzlich aber dürfe das Alter zwischen Neugeborenem und zwölf Jahren liegen.

Als Tagesmutter könne sie intensiver betreuen und schon jetzt seien die Anfragen zahlreich. Ob in der Zukunft sogar eine „Großtagespflege“ mit zehn Betreuungsplätzen denkbar ist, für die dann eine zweite Fachkraft eingestellt werden müsste, bleibe abzuwarten.

Der eigene Sohn genieße die Spielkameraden – auch wenn er manches Mal Spielzeug teilen muss.

Von Sylvia Wendt

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