Mozart: Anarchische Wortassoziationen und himmlische Musik

Kultur in den Sümpfen

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Eberhard Brünger und Michael Mengeling zeichneten ein Portrait von Mozart.

Freistatt - „Musik von Hand gemacht und Texte in ganzen Sätzen, gelesen und ganz ohne Smilies“, versprach Wolfgang Klee, Verbundleiter der Altenhilfeeinrichtungen Heimstatt und Kirchdorf bei der Begrüßung. Der Alte Saal“ war fast bis auf den letzten Platz besetzt.

Auf dem Programm standen Musik und Texte aus Briefen von Wolfgang Amadé Mozart. Eberhard Brünger und Michael Mengeling zeichneten die Ambivalenz eines Mannes, der zu der adligen Gesellschaft gehören wollte, sich Konventionen unterwarf – aber dennoch seinem unangepassten Charakter Raum verschaffte. „Wenn die Engel im Himmel unter sich sind, so hören sie Mozart“, soll Goethe gesagt haben. Mozarts Musik scheint himmlisch, nicht von dieser Welt, seine Sprache hingegen war irdisch, deftig und zuweilen vulgär. Das Wunderkind Wolfgang Amadé Mozart, die Facetten seiner Persönlichkeit und der historische Kontext standen im „Alten Saal“ in Heimstatt im Mittelpunkt.

Eberhard Brünger (Flügel) und Michael Mengeling (Lesung) entführten die Zuhörer in Mozarts Leben und seine Gefühlswelt. „Mozart war der Prototyp eines Wunderkindes“, erklärte Mengeling. Als Kind vom Vater auf Erwachsensein sowie Leistung getrimmt. Mozart war sicher kein einfacher Zeitgenosse, das wurde an diesem Abend deutlich. Und die Zuhörer tauchten unter anderem mit den „Sechs Deutschen Tänzen“ und dem Menuett D-Dur KV 355 ein in Musik und Texte, die ihnen oftmals ein Lächeln ins Gesicht zauberten. So wie bei den Briefen an das „Bäsle-Häsle“, seine Cousine Maria Anna Thekla Mozart, die nach der Pause auf dem Programm standen. „In diese Briefen kommt die närrische Art Mozarts zum Ausdruck. Es fielen alle Hemmnisse“, kommentierte Mengeling die teils rhythmisch aneinandergereihten Wortassoziationen und Sprachspielereien, teils in Fäkalsprache, die einige Wissenschaftler zu der Vermutung bewog, Mozart habe am Tourette-Syndrom gelitten. So unterzeichnete der Komponist seine Briefe gerne mit Wolgang Sauschwanz. Die Zeitgenössin Karoline Pichler berichtete damals von einem Mozart, der über Sessel und Tisch sprang, Purzelbäume schlug und miaute wie eine Katze, erkläre Mengeling. Wenn er musziert habe, sei er aber der angenehme Zeitgenosse geworden, den man sich gewünscht habe, sagte Brünger. Mozart sei ruhig geworden, mit seiner Musik verschmolzen. Brünger scherzte: „Mozart und die Frauen, da hab ich auch zwei Stücke dazu, darunter einen Trauermarsch.“ Die Idee zu einem gemeinsamen Programmm zum Thema Mozart hatte Michael Mengeling. Eberhard Brünger hatte die Idee, für diesen Abend den „Alten Saal“ als Veranstaltungsort zu wählen. „Um zu zeigen, dass wir in unseren Sümpfen hier und da ein wenig Kultur haben.“ Bei Wolfgang Klee rannte er damit offene Türen ein. Das Publikum entließ Brünger und Mengeling erst nach einer Zugabe. Die „Kultur aus den Sümpfen“ kam gut an.

ch

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