Projekt „Daseinsvorsorge“

Mobilität im Sulinger Land ist Schlüsselthema

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Das Netz des Anrufsammeltaxis könnte über das gesamte Sulinger Land ausgebreitet werden. 

Zusammen ist besser, als allein: Die Kooperationsbereitschaft zu stärken ist eines der Ziele des Projektes „Daseinsvorsorge im Sulinger Land“.

Kirchdorf - Projekt Daseinsvorsorge Sulinger Land: Ein Jahr lang begleiteten ein Team um Dr. Karl Born von der Universität Vechta sowie Alisa Koch, Regionalmanagerin bei der Bremer Firma Sweco, diverse Treffen und Workshops. Mit dem Input der ungezählten Protagonisten aus dem Sulinger Land, aus Politik, Verwaltung, Vereinen und Verbänden wurde erforscht, was die Bürger vermissen.

Ausgearbeitet wurden fünf Handlungsfelder: Grund- und Nahversorgung, medizinische Versorgung, Bildung, Teilhabe am öffentlichen Leben und Mobilität. Das Projekt endet zwar am 31. Dezember – die Zusammenarbeit indes wollen die Kommunen fortführen. Dazu gehört, dass bestehende Kooperationsstrukturen gestärkt werden.

Projekte brauchen Struktur - und Bürgerwillen

Einig sind sich die Verwaltungschefs, dass Ideen nur umsetzbar sind, wenn die Bürger sie auch unterstützen. „Wir können nichts verordnen, Projekte können nur mit den Akteuren selbst umgesetzt werden“, kommentiert Heinrich Kammacher, Samtgemeindebürgermeister in Kirchdorf.

Einig sind sie sich auch, dass für eine Vielzahl der Ideen Experten an ihrer Seite gut wären, „um Projekten eine Struktur zu geben“, erklärt Sulingens Bürgermeister Dirk Rauschkolb.

Das Projekt Daseinsvorsorge erfuhr wissenschaftliche Begleitung von (sitzend, von links) Dr. Karl Born, Arne Ortland und Alisa Koch. Stehend, von links, Rainer Ahrens, Dirk Rauschkolb, Detlef Tänzer und Heinrich Kammacher bei der Abschlusspräsentation in Kirchdorf. 

Grundverständnis ist, dass Digitalisierung und Daseinsvorsorge eine Gemeinschaftsaufgabe aller Kommunen des Sulinger Landes sei. „Kooperativ, innovativ und digital“ seien die Stichworte, unter denen neuartige und digitale Projektideen entwickelt werden sollen – über die Grenzen der Kommunen hinweg.

Als erstes Handlungsfeld soll die Mobilität Fahrt aufnehmen. Die Ideen: Das Anrufsammeltaxi ausdehnen, Carsharing und eine Schulweg-App.

Erstes Thema: Mobilität

In den Samtgemeinden Schwaförden und Kirchdorf füllt ein Anrufsammeltaxi Lücken im Netz des öffentlichen Personennahverkehrs. Die Idee, es auf das gesamte Sulinger Land und damit auf das Gebiet der Stadt Sulingen und der Samtgemeinde Siedenburg auszudehnen, müsse wohlüberlegt werden – immerhin müssten Kosten geschultert werden. Eine App könne die Nutzerfreundlichkeit erhöhen und den Anmeldeprozess deutlich erleichtern, erklärt Arne Ortland, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Team von Dr. Born.

Eine andere Idee sei das Carsharing. Wie so ein Angebot nutzbar ist auf dem Land? Um Antworten darauf zu finden, wünschen sich die Kommunalchefs Kooperationspartner als Experten an ihrer Seite.

Vorzüge des Landlebens

Dass man nicht allen gerecht werden kann, wissen die Verwaltungschefs. Und: Man wisse sehr wohl, dass auch Bürger auf’s Land gezogen seien, um die Vorzüge des Landlebens zu genießen, allerdings nicht wirklich auf städtische Annehmlichkeiten verzichten mögen. „Da wird der Blick ins Grüne gesucht, aber gerne mit Anschluss an die Straßenbahn vor dem Haus. Das geht nicht“, erklärt Rainer Ahrens, Samtgemeindebürgermeister in Siedenburg.

Für Detlef Tänzer, Fachdienstleiter Kreisentwicklung im Landkreis Diepholz, sind innovative Ideen, die grenzübergreifend allen Kommunen im Landkreis als Option angeboten werden können, immer willkommen.

Zusammenarbeit

Und diese Ideen erhoffe er sich durch das Uni-Team um Dr. Karl Born. Der wiederum erklärt, dass die Wissenschaftler nicht etwa aus ihrem Elfenbeinturm an der Uni heraus Ideen entwickeln könnten, sondern den Kontakt in die Region benötigen: „Für uns ist die Zusammenarbeit hohe Verpflichtung. Nur so können wir Einblicke in die Gemeindeentwicklung gewinnen.“ Diese Einblicke sollen nicht beendet sein mit dem Ende des Projektes: „Wir möchten wissen, was vor Ort passiert“, erklärt Born.

Weitere Zukunftsziele: Unter dem Stichwort „gemeinsam für Gesundheit“ steht die Idee eines medizinischen Versorgungszentrums, hinter „Ehrenamt Professionell“ stehen gemeinsame Schulungen für die aktiven Protagonisten und die Bündelung von Vereinsstrukturen (über kommunale Grenzen hinweg) kann in der Gründung von Arbeitsgemeinschaften münden, in Vernetzungstreffen, in denen eigenständig Lösungen gefunden werden. Mit Blick auf die Nah- und Grundversorgung sehen die Wissenschaftler den Ansatz in einer „SmartMikrologistik Sulinger Land“ für die Transportwege.

Änderungs- und Risikobereitschaft

Als Punkt vier in der Liste der Handlungsempfehlungen für die Zukunft hat Arne Ortland die Änderungs- und Risikobereitschaft aufgelistet und sagt: „Scheitern gehört zum Leben dazu.“ Das will Dirk Rauschkolb geändert haben in „Wer nicht wagt, der nicht gewinnt.“

„Wir sind vier unterschiedliche Gemeinden, müssen Vertrauen aufbauen, dürfen aber die Identifikation nicht verlieren“, sagt Kammacher.

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