Kirchdorfer Kirche: Decke der Sakristei droht einzustürzen

Massive Bauschäden

Die Decke der Sakristei droht einzustürzen: Pastor Klaus-Joachim Bachhofer und Küster Fritz Lohmeier zeigen Stellen auf, an denen Löcher notdürftig abgedeckt wurden.

Kirchdorf - Von Sylvia Wendt. Die Berechnung war so: Von 2 500 Gemeindemitgliedern in den 600 Haushalten muss sonntags jeweils einer das Haus hüten, 700 Gemeindemitglieder sind unter 14 Jahren – gehen also nicht in die Kirche. Von den 2 500 müssen also 1 300 abgerechnet werden, bleiben 1 200 Menschen, für die ein Platz in der Kirche vorgehalten werden sollte. „Man ging ja zusätzlich davon aus, dass Kirchdorf eine nachgefragte Bäderkultur aufbauen und entsprechend zahlreiche Touristen anlocken würde“, erklärt Klaus-Joachim Bachhofer, heute Pastor der Kirchengemeinde, die Größe der Kirchdorfer St. Nikolaikirche.

Und ihre Berechnung aus dem 19. Jahrhundert, die in der Chronik von Joachim Hölzchen nachzulesen ist. Dass die Kapazität der Kirche heute vielleicht nicht wirklich 1 200 Wohlstandsgesellschaftskörper fasst, merkt Bachhofer schmunzelnd an und dass es sich seiner Erkenntnis entziehe, ob die Kirche auch einmal ausgelastet gewesen sei.

Besucherzahl und Auslastung sind aber aktuell weniger Thema, als brisante Bauschäden: Die Decke der Sakristei droht einzustürzen. Und würde das passieren, so die erste Aussage eines Bausachverständigen, könnte die Statik der gesamten Kirche betroffen sein. Denn: Bei Inaugenscheinnahme der Löcher habe er auch Schäden an den Bau tragenden Balken entdeckt, heißt es in einer ersten Analyse.

Was ist passiert? Ein Blick in die Geschichte: Eingeweiht wurde der Bau am 8. Dezember 1832, nach knapp dreijähriger Bau- und Planungszeit, heißt es in der Chronik. Der Turm allerdings sei älter, stamme aus dem 14. Jahrhundert, merkt Bachhofer an.

Zwischenzeitlich habe es diverse Renovierungsarbeiten gegeben. Größere Arbeitsvolumen fielen Anfang der 1960-er Jahre an. Da sei, unter anderem, der Altar, der an der Wand stand, nach vorne geholt worden. Man wollte den schwindenden Besucherzahlen begegnen.

Auch das Taufbecken sei damals wieder installiert worden: Vorher seien die Pastoren samt mobilem Taufbecken in die Häuser gefahren, um vor Ort zu taufen. Das alte Taufbecken, in der Mitte so tief, dass ein Kind ganz untergetaucht werden konnte, wollte man nicht nutzen. „Zu kalt“, erklärt Bachhofer die Entscheidung seiner Vorgänger.

Heute ist das Taufbecken wieder fester Bestandteil in der Nähe des Altars. Der Konfirmandenjahrgang 1963 stiftete eine besondere Schale, in die das Wasser gefüllt wird, mit dem der Pastor den Kopf des Täuflings benetzt.

Die damaligen Arbeiten hätten die Kirche wieder in den Originalzustand versetzen wollen: Sterne, die auf das Kassettendach gemalt waren, wurden beseitigt. Bibelsprüche, die auf die Wand gemalt waren, wurden übermalt.

Neuer Anstrich für Türen und Fenster

Und auch für die aktuellen Arbeiten bemühe man sich, am Original zu bleiben. Zusammen mit den Fachleuten des Amtes für Bau- und Kunstpflege suche man nach Quellen, die Auskunft geben können, man werte alte Fotos aus. Sonneneinstrahlung habe die Farbe der südlichen Außentür ausgeblichen. Auch die Fensterrahmen sollen eine Auffrischung erhalten.

Die Decke der Sakristei allerdings bedarf mehr Aufmerksamkeit. Wie groß (und kostspielig) die Arbeiten sein werden, stehe derzeit noch nicht fest. „Über einen längeren Zeitraum hinweg muss Feuchtigkeit eingedrungen sein. Und über mehrere Jahre und Generation hinweg sind Risse in der Kalkschicht ausgebessert werden, indem einfach noch mehr Putz aufgetragen wurde. Jetzt allerdings ist die Decke so schwer geworden, dass sie nachgibt“, erklärt Pastor Klaus-Joachim Bachhofer.

Die großen Löcher habe man jetzt abgedeckt und die Decke notdürftig mit acht Stützpfeilern gesichert. So bestehe keine akute Einsturzgefahr. Erste Hinweise würden auf einen massiven Holzbefall der bautragenden Balken deuten. Endgültige Aussagen bezüglich der Statik der Kirche, die ebenfalls betroffen sein könnte, seien noch nicht getätigt, erklärt Bachhofer.

Über die Sakristei gelangt der Pastor in die Hochkanzel. Mit den Konfirmanden erkundet der Pastor sonst alle Ecken und Räume der Kirche – die Sakristei ist derzeit ausgenommen.

„Wir wollen die notwendigen Arbeiten so schnell wie möglich durchführen und versuchen, Fördergelder zu bekommen“, berichtet Pastor Bachhofer. Der Kirchenvorstand werde im April entscheiden, was passiert.

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