24-Stunden-Milchmarathon am Weltmilchtag

Live beim Melken dabei sein

Zuschauen ist erlaubt, beim Melken am Weltmilchtag am 1. Juni, dank des 24-Stunden-Milchmarathons.
+
Zuschauen ist erlaubt, beim Melken am Weltmilchtag am 1. Juni, dank des 24-Stunden-Milchmarathons.

Scharringhausen – Wenn Janno mit seinem Trettrecker über den Hof fährt, dann kann er den Gästen genau erklären, welche Maschine was kann, wofür sie da ist – und wo die Kühe sind. Derzeit kommen eher keine Gäste auf den Hof Meyer in Scharringhausen, aber Janno ist mit seinen vier Jahren gerne bereit, alle Familienmitglieder mit Informationen zu versorgen. Der Knirps ist Sohn von Björn und Teresa Meyer – und scheinbar schon die nächste Generation Landwirt.

  • Ein Milch-Mix der besonderen Art: Das Forum Moderne Landwirtschaft hat Live-Schaltungen, Expertengespräche, Kochrezepte und mehr zusammengestellt für den Weltmilchtag am 1. Juni. Um 0 Uhr geht es los mit den ersten Beiträgen. Um 6 Uhr wird gemolken, live. Björn Meyer aus Scharringhausen erklärt die bereits vorhanden Technik im Kuhstall. In unserem Text verrät er auch, was er mit der vielen freien Zeit macht, die er durch die Technik gewinnt. Und wieviele Liter Milch er am Tag so schafft...

Es ist ein Familienbetrieb, der sich nicht im Blick zurück auf eine Bauernidylle verliert, sondern seit Jahren schon Technik als Bestandteil der täglichen Arbeit willkommen heißt. Was das genau umfasst, stellt Björn Meyer am 1. Juni vor, am Weltmilchtag. Das Forum Moderne Landwirtschaft lädt ein, 24 Stunden lang einen Blick in die Milchviehhaltung, Milchverarbeitung und Co. zu werfen. Der Live-Stream startet am 1. Juni um 0 Uhr und kann auf der Internet-Plattform YouTube verfolgt werden (Stichwort: „24h LIVE Milchmarathon“, auf anderen Plattformen werden Beiträge mit #milchmarathon gekennzeichnet).

6 Uhr: Mit Bauer Henning Renk zum Melken in den Kuhstall

Die Live-Schaltung zum Melken erfolgt nicht nach Scharringhausen, sondern nach Soltau, auf den Hof von Henning Renk, mit 31 Jahren ebenfalls ein junger Landwirt, wie Björn Meyer. Renks Alltag mit 80 Kühen steht im Unterschied zu Meyers: Der hat 330 Kühe. Würde man das einen großen Betrieb bezeichnen? „Ja“, sagt Meyer. Im Schnitt seien es in Niedersachsen etwa 120 Kühe pro Milchviehhof. Familie Meyer stemmt die anfallende Arbeit zu Fünft: Neben Björn arbeiten seine Eltern Martina und Dieter sowie zwei Vollangestellte auf dem Hof. Das geht dank Melkroboter, die jedes der Tiere automatisiert melken und füttern. Und um die Gülle zu beseitigen ist kein Besen notwendig – auch das erledigt ein Roboter.

Ein Futterkran, wie er auf dem Hof Meyer in Scharringhausen im Einsatz ist.

Der technisierte Kuhstall umfasst auf dem Hof Meyer ein automatisches und individualisiertes Fütterungssystem, Melkroboter, Halsbänder, die die Vitalwerte der Kuh messen und dem Landwirt aufs Smartphone senden, einen automatischen Gülleschieber, der die Gülle direkt abtransportiert und in die hofeigene Biogasanlage leitet sowie eine Stromversorgung der Roboter durch Solarpanelen auf dem Stalldach, heißt es in einem Pressebericht des FML zum „24h Milchmarathon“.

Der voll automatisierte Kuhstall? Mitnichten: Zwar sind die Anlagen rund um die Uhr in Betrieb, das heißt, jede Kuh kann selbst entscheiden, wann sie liegen möchte oder sich melken lassen oder fressen möchte.

Die Kuh entscheidet, wann sie zum Melken geht - auch wenn es nachts ist

„Es gibt keine feste Melkzeit“, erklärt Meyer. Der Roboter entbindet den Landwirt aber nicht, im Gegenteil: Gefordert ist eine permanente Bereitschaft, immer müsse jemand erreichbar sein, wenn das Gerät einen Einsatz meldet. Auch außerhalb der regulären Arbeitszeit. Außerdem bleiben noch die Bereiche Besamung, Klauenpflege, Tierarztbesuche.

Da neben dem Melken auch das Füttern automatisiert sei, werde weitere Zeit geschaffen. Das klingt deutlich nach einem Aber, das Björn Meyer flugs folgen lässt: „Aber die eingesparte Zeit bedeutet nicht wirklich freie Zeit.“ Sie bedeutet, dass Meyer die Zeit anders nutzen kann, flexibler in der Gestaltung seines Arbeitstages ist. Dazu würde letztlich auch zählen, dass ein Frühstück am Sonntag mit der Familie „drin“ ist oder ein ganzer freier Tag. Wichtiger ist Meyer aber, dass er Zeit gewinnt, um sich gezielt um Einzeltiere kümmern zu können, die - aus welchen Gründen auch immer, etwa Krankheit – eine gesonderte Betreuung brauchen.

Der voll automatisierte Kuhstall? „Wir sind dennoch jeden Tag im Stall.“ Bemerken die Tiere einen Unterschied zwischen mehr oder weniger Technik im Tagesablauf? „Nein, es sind Nutztiere. Die erwarten nicht jeden Tag Streicheleinheiten – und haben auch kein Verlangen danach“, sagt Meyer und meint: Es ist egal, wer melkt und füttert. Zwei Mal am Tag stehe ein Routinedurchgang durch die Stallungen auf dem Plan. Der Menschen, nicht der Roboter.

Technik im Stall: Was geht da noch?

Wie sieht die Zukunft aus, was geht da noch? Die Landwirte arbeiten mit den Firmen zusammen, die die Technik entwickeln, damit die Idee der Entwickler auch in der Praxis umsetzbar ist. Für die Firma Lely etwa sei sein Hof Testbetrieb, führe „Feldversuche“ durch, erklärt Meyer. „Da bringen wir auch eigene Ideen ein.“

Beschränkt die Technik die Zahl der Tiere? „Nein, im Gegenteil. Wenn rund um Melken und Füttern bei uns nicht alles automatisiert wäre, könnten wir das mit fünf Personen für 330 Tiere nicht leisten“, erklärt Björn Meyer, dessen Ehefrau Teresa als Lehrerin einen anderen Berufszweig gewählt hat.

Das automatisierte Fütterungssystem der Firma, deren Technik Familie Meyer in Scharringhausen nutzt.

Und was kann noch automatisiert werden? „Puh.... Es gibt ja schon Technik, die man auch für die Liegeboxen einbauen kann, etwa die automatisierte Einstreu“, erklärt Meyer. Letztlich aber sei Technik teuer und damit will die kaufmännische Entscheidung für oder gegen die Anschaffung wohl überlegt sein. Das Problem: Alles ist teurer geworden, nur die Milch nicht. Der liege seit zehn Jahren bei 34,6 Cent pro Liter. Kostendeckend wären aber erst 42 Cent, „dann könnte ich für meine Arbeit auch den gesetzlichen Mindestlohn anrechnen“, unkt Meyer. Und Geld sparen für Anschaffungen.

Die Familie bewirtschaftet den Hof seit 400 Jahren – hat er sich auch was anderes als Landwirtschaft vorstellen können? „... ach ... da wächst man mit auf. Nein. Ich kann mir nichts anderes vorstellen. Landwirt ist ein umfangreicher und interessanter Beruf. Ich kann selber bestimmen, was ich verändern möchte, wo ich mich optimieren kann.“

Was ist mit neuen Marketingoptionen und Vermarktungsideen?

Und neue Marketingwege? Hofverkauf von eigenen Produkten? Das wäre neben Ackerbau (die Familie bewirtschaftet knapp 190 Hektar landwirtschaftliche Fläche und betreibt eine Biogasanlage) und Viehzucht ein drittes Standbein, für das weiteres Personal benötigen würde, „denn es ist ein ganz neues Arbeitsfeld – und dafür fehlt uns die Zeit.“ Meyer gibt zu bedenken, dass bereits etliche Berufskollegen gute Ideen hatten, regionale Produkte herzustellen und anzubieten.

Neben Milchautomaten gäbe es viele Beispiele, aber viele seien eben auch gescheitert. Ein Hauptgrund: „Der Verbraucher nimmt es nicht an. Wenn zwei Milchtüten nebeneinander stehen, greift er zum billigeren Produkt. Gefordert wird bio, aber gekauft wird billig. Und zwei Kilometer Umweg fahren, um hier auf dem Hof in Scharringhausen einzukaufen – das macht niemand“, gibt Meyer einen Standortnachteil zu bedenken.

Und wieviele Liter Milch trinkt der Milchbauer selbst am Tag? Björn Meyer muss lachen und verrät: „Einen Liter am Tag schaffe ich locker. Gerne auch mit Kakao.“ Kaffee müsse es nicht sein.

Der bereits vorproduzierte Beitrag rund um den Hof Meyer in Scharringhausen und den dortigen Einsatz von Technik im Milchviehbetrieb ist zu sehen am 1. Juni um 14, 16 und 19.30 Uhr.

Wer Henning Renk live beim Melken zusehen möchte, muss sich um 6 Uhr einschalten. Außerdem gibt es zahlreiche Expertengespräche, Kaffee gibt’s um 11.15 Uhr virtuell aus dem Barista-Workshop aus Hannover. Aber nicht für Janno und Papa Björn, die bleiben bei Milch und Kakao.

Von Sylvia Wendt

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Was bei einem Kaiserschnitt auf Frauen zukommt

Was bei einem Kaiserschnitt auf Frauen zukommt

Meistgelesene Artikel

Sulingen soll kein „weißer Fleck“ bleiben bei der Bahnanbindung

Sulingen soll kein „weißer Fleck“ bleiben bei der Bahnanbindung

Sulingen soll kein „weißer Fleck“ bleiben bei der Bahnanbindung
Hof Kastens: Stuhrer Paar zeichnet düsteres Bild von der Landwirtschaft

Hof Kastens: Stuhrer Paar zeichnet düsteres Bild von der Landwirtschaft

Hof Kastens: Stuhrer Paar zeichnet düsteres Bild von der Landwirtschaft
17 Tempotafeln messen in Weyhe die Geschwindigkeit

17 Tempotafeln messen in Weyhe die Geschwindigkeit

17 Tempotafeln messen in Weyhe die Geschwindigkeit
Viel Arbeit im Diepholzer „Appletree Quartier“

Viel Arbeit im Diepholzer „Appletree Quartier“

Viel Arbeit im Diepholzer „Appletree Quartier“

Kommentare