Erstes Ja-Wort im Barenburger Speicher 1996

Liebe in Zeiten der Formalitäten

Der Speicher in Barenburg wird durch Mitglieder des Verschönerungs- und Heimatvereins geschmückt: „Demnächst haben die 109. Trauung dort, die sicherlich ein wenig anders werden wird, unter Corona-Hygienebedingungen. Wir geben uns besondere Mühe, auch diese Trauung zu einem sehr schönen Ereignis werden zu lassen“, versichert Christa Habelmann vom Vorstandsteam.
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Der Speicher in Barenburg wird durch Mitglieder des Verschönerungs- und Heimatvereins geschmückt: „Demnächst haben die 109. Trauung dort, die sicherlich ein wenig anders werden wird, unter Corona-Hygienebedingungen. Wir geben uns besondere Mühe, auch diese Trauung zu einem sehr schönen Ereignis werden zu lassen“, versichert Christa Habelmann vom Vorstandsteam.

Barenburg – Das erste Brautpaar, das sich im Barenburger Speicher das Ja-Wort gab, ist noch verheiratet – es feiert am 24. April seine Silberhochzeit. Die Eheleute leben heute mit zwei Kindern im Alter von 19 und 22 Jahren glücklich in Heiligenrode, teilt der Jubilar mit. Diana Meyer und Carsten Riekmann wollten damals das historische Gebäude in der Fleckensmitte für ihr Ja-Wort nutzen.

Doch das sollte sich als gar nicht so einfach entpuppen.

Und wenn der Himmel vor Liebe oftmals voller Geigen hängt, ist der Boden der Tatsachen auch heute noch übersät mit Formalitäten. Doch der Reihe nach: Das Niedersächsische Innenministerium hatte bereits 1992 die bis dahin geltende Vorgabe, dass sich grundsätzlich nur in den Diensträumen der Kommune, meist im Rathaus, das örtliche Standesamt befinden dürfe, geändert. Auch aufgrund der Wünsche aus der Bevölkerung. So sei im August 1992 eine neue Rechtslage geschaffen worden, erklärt Ute Vogt, Standesbeamtin in der Samtgemeinde Kirchdorf. Die sei aber nicht groß publiziert worden. In Gang gekommen sei das Thema in der Samtgemeinde erst Ende 1995, als das junge Paar aus Barenburg seinen Wunsch dem damaligen Bürgermeister der Gemeinde, Heinrich Kammacher, vorstellte. Der heutige Samtgemeindebürgermeister erinnert sich: Er habe die Idee, den historischen Speicher als Trauort einzusetzen, „der Politik“ vorgestellt. Der damalige Samtgemeindedirektor Armin Tiemann habe sich vehement dagegen ausgesprochen, weiß Ute Vogt. Tiemann habe organisatorischen Aufwand für die offiziellen Amtsbücher, die damals noch hin und her getragen werden mussten, angeführt, dazu einen finanziellen Mehraufwand, kurzum: Aus praktischen Gründen sei eine Trauung außerhalb des Rathauses abzulehnen. Doch Kammacher gelang es, den Verwaltungsausschuss mehrheitlich zu begeistern und auch der Samtgemeinderat sei mit Beschluss vom 12. Dezember 1995 dem Antrag gefolgt, erinnert Ute Vogt.

Auch das Varreler Küsterhaus wird Trauort

„Bürgernähe“, „Verwaltung reagiert flexibel“ waren Reaktionen – und letztlich habe die Entscheidung für den Speicher in Barenburg den Anstoß gegeben: Auch das historische Küsterhaus in Varrel wurde als Trauort festgelegt. Hier erfolgte die erste Hochzeit am 4. Oktober 1996, hat Ute Vogt in den Unterlagen nachgeschaut. Das erste Paar, das sich hier das Ja-Wort gab, sei inzwischen getrennt, leider. Grundsätzliche Anforderung an einen Trauort außerhalb des Standesamtes im Rathaus sei, dass es ein besonderes Gebäude ist und die Räumlichkeiten der „Würde der Zeremonie“ entsprechen, also einen würdevollen feierlichen Rahmen bieten. Sichergestellt sein müsse auch, dass eine ordnungsgemäße Beurkundung erfolgen kann, also die „Sicherheit des Personenstandsregisters nicht gefährdet“ ist.

Auf Wunsch wird auch der Eingang festlich dekoriert.

Mittlerweile hat die Samtgemeinde Nutzungsverträge mit den örtlichen Vereinen geschlossen: Sowohl im Verschönerungs- und Heimatverein Barenburg als auch im Verein „Kultur im Küsterhaus“ haben sich Arbeitsgruppen gebildet, die die Trauungen vorbereiten. Sie schmücken die Räume, stellen die Bestuhlung für die jeweilige Gästezahl auf, bereiten den Sektempfang vor, wenn gewünscht. Sie schmücken ebenso den Außenbereich und sorgen, je nach Wunsch, auch für Extras. In Varrel kann das etwa Klavierbegleitung sein. Die Gebühren für die Trauung richten sich nach der gewünschten Leistung. Im Küsterhaus findet eine größere Gesellschaft Platz, als in Barenburg. Trautermine werden auch freitagnachmittags bis 18 Uhr sowie samstags von 8 bis 18 Uhr angeboten.

Heiratswillige gibt es ja immer noch, allein seit Ausbruch der Pandemie hätten viele ihre Hochzeit verschoben, manche auf den Frühling 2021 – und suchen bereits einen neuen Termin, berichtet Ute Vogt. 22 Paare haben sich dennoch nicht gescheut und sich im Jahr 2020 in der Samtgemeinde Kirchdorf das Ja-Wort gegeben. Für den Zeitraum von 1996 bis 2020 hat Ute Vogt die Zahlen herausgesucht: 751 Trauungen habe es insgesamt gegeben. 498 im Rathaus in Kirchdorf (66,31 Prozent), 148 im Küsterhaus in Varrel (19,91 Prozent) und 105 in Barenburg (13,98 Prozent).

Hoch-Zeiten für die Hochzeiten: In den Jahren 2016 und 2019 hatten sich jeweils 15 Paare für das Küsterhaus entschieden als Trauort, in Barenburg waren die Jahre 2009, 2015 und 2018 mit jeweils acht Trauungen die nachgefragtesten. Für das Rathaus in Kirchdorf ragt das Jahr 1999 heraus, mit insgesamt 45 Trauungen – im Vergleich zum Jahr 2008, als sich „nur“ 19 Paare in Kirchdorf trauen lassen wollten.

Im Schnitt 30 Trauungen im Jahr in der Samtgemeinde Kirchdorf

Im Schnitt seien es um die 30 Trauungen jährlich, die das Team der Standesbeamten der Samtgemeinde durchführe, erklärt Ute Vogt. Insbesondere auswärtige Gäste würden zunehmend begrüßt, die ihre Hochzeit mit Familie und Freunden anschließend in stilvollen Gastronomiebetrieben in Kirchdorf und Wehrbleck feierten. Im Jahr 2019 waren es 15 solcher Trauungen, berichtet Ute Vogt. Die auch 1996 Standesbeamtin war – allerdings zum Zeitpunkt der ersten Hochzeit im Barenburger Fachwerkspeicher im Mutterschutz. Deshalb war es Kollege Michael Kopecki, heute Allgemeiner Vertreter des Samtgemeindebürgermeisters und Fachbereichsleiter Finanzen, der das Paar, das sich für den gemeinsamen Familiennamen Meyer entschied, traute. Vogts Einstellung damals wie heute: „Das Brautpaar soll seinen schönsten Tag haben.“

Die erste Trauung im Barenburger Fachwerkspeicher wurde vor 25 Jahren in der Sulinger Kreiszeitung dokomentiert.

Das gilt, natürlich, für alle: Die erste eingetragene Lebenspartnerschaft in der Samtgemeinde wurde 2001 ebenfalls im historischen Speicher Barenburg besiegelt. Der Bund der beiden Frauen hielt: Sie heirateten 2018, nach dem in Deutschland seit dem 1. Oktober 2017 die „Ehe für alle“ ermöglicht wurde.

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