Feiern nur noch bis Februar 2020

Das letzte Gasthaus in Holzhausen schließt im Februar

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Heidrun und Fritz Niemeyer schließen das Traditionshaus in Holzhausen Ende Februar 2020. 

Das Gründungsdatum lasse sich nicht recherchieren, sagen Heidrun und Fritz Niemeyer. Das Datum des letzten Öffnungstages steht indessen fest: Samstag, 29. Februar 2020. Für die Ortschaft Holzhausen, heute Teil der Gemeinde Bahrenborstel, bedeutet das: Das letzte Gasthaus schließt seine Pforten.

Holzhausen – Die Familie Niemeyer wohnt seit Jahrhunderten auf der Hofstelle. Ein frühes Dokument verweist auf einen Lehrer Niemeyer, der 1756 dort lebte. Wann genau die Familie beschloss, sich der Bewirtung von Gästen zu widmen, ist letztlich auch nicht das, was derzeit in der Ortschaft diskutiert wird. Die Schließung ist es, schon vor etlichen Monaten angekündigt, die näher rückt und nun glaubt man auch, dass Familie Niemeyer es ernst meint. „Wie könnt ihr das machen?“, lautet die Frage vieler.

Spezialitätentermine stets ausgebucht

Viele Stammgäste sind tief betrübt: Familie Niemeyers Gaststätte genießt einen ausgezeichneten Ruf als Landgasthaus. Die Spezialitätentermine sind stets ausgebucht, sobald sie feststehen. Auch jetzt ist die Terminkladde voll – Familienfeiern vornehmlich, bis fast zum letzten Tag. Spargel- oder Gänseessen, Familienfeiern, Buffetangebote: Auf veränderte Nachfragen seitens der Gäste hat die Familie Niemeyer stets reagiert. Auch, als das Tagesgeschäft an der Theke eben nicht mehr gefragt war. Dann war eben nicht mehr täglich, schon gar nicht durchgehend, geöffnet. Das war anders, als Fritz Niemeyers Mutter Mariechen noch lebte: Da wurde das Gasthaus um 7 Uhr geöffnet. Jeden Tag.

Amtliche Viehwaage stand bei den Niemeyers

Bis zum Jahr 1997 stand bei Niemeyers noch die amtliche Viehwaage. Fritz Niemeyer hatte einen Kursus besucht, war öffentlich bestellt, die Daten der Viecher der örtlichen Bauern festzustellen. „Dann wurde um 4 Uhr geöffnet“, erinnert sich Niemeyer. „Und manches Mal war es zu früh um 4 Uhr.“ Wie meint er das? Naja, das Vieh wiegen, das war nicht an einem Tag erledigt. Das habe von Montag bis Samstag gedauert. Der Gastbetrieb ging dann bis abends. Und am nächsten Tag halt alles von vorn, ging es wieder um 4 Uhr weiter. „Und wir haben da schon den Schwatten aufgesetzt“, ergänzt Heidrun Niemeyer und lacht: „Schöne Sache.“

Gasthaus Holzhausen: „Schlürschluck für den Weg“

Als Frischvermählte übernahmen sie im März 1976 den gastronomischen Betrieb. Vater Heinrich war krank – und verstarb noch im selben Jahr, ganz plötzlich. Das führte letztlich dazu, dass die Landwirtschaft, die Niemeyers nebenbei betrieben, aufgegeben wurde. Bis dahin war es manches Mal so, dass die letzten Gäste einer Feier frühmorgens noch nicht beim „Schlürschluck für den Weg“ angekommen waren, aber die 14 Milchkühe gemolken werden mussten. Zuerst wurde also das Milchvieh verkauft, dafür der Bestand an Sauen erhöht, von ehemals 20 bis 25 auf etwa 50. Doch irgendwann passte auch das nicht mehr in den Tagesablauf.

Die Tiere wurden verkauft, die Ländereien verpachtet, drei Jungs (Thorsten, Frank und Thomas) vergrößerten die Familie. „Früher habe ich auch noch Bohnen gezogen und selbst eingemacht“, erinnert sich Heidrun Niemeyer. Der eigene Gemüsegarten war irgendwann zu pflegeintensiv. Nach der Schließung soll dafür gerne wieder Zeit bleiben.

Mehr Zeit für Familienzusammenkünfte

Und auch nicht nur für die jüngste Enkeltochter, die mit Papa und Mama im Haus wohnt. Fünf Enkelkinder gibt es insgesamt. Alle drei Söhne sind in anderen Berufen erfolgreich, zwei wohnen in Holzhausen, einer in Delmenhorst. Eigentlich nah genug für regelmäßige Besuche – doch als Gastronom arbeitet man, wenn andere frei haben. Immer heißt es: „Nach dem Fest ist vor dem Fest“. Da waren die Visiten am Wochenende oft genug nicht möglich – auch für mehr Familienzusammenkünfte soll deshalb ab März 2020 mehr Zeit bleiben.

Der Blick zurück: „Man müsste ein Buch schreiben über die Erlebnisse“ – das haben Niemeyers oft gedacht. Nun, gefragt danach, stockt ihnen die Stimme. Der Abschied vom Gastwirtsleben fällt ihnen nicht leicht. Wehmut schleicht sich ein, trotz der vielen Arbeit, gewuppt mithilfe der Familie (Schwester und Schwager Ingrid und Hartmut Lübber und, immer wieder, die Söhne) und einem Team an Mitarbeitern, dem das Ehepaar Niemeyer ebenso herzlich dankt: „Ohne geht es nicht.“

Betrieb in Holzhausen wird eingestellt

Ab März 2020 aber dann doch. Dann ist mehr drin als die eine Woche auf Langeoog oder Fehmarn im Jahr.

Der Betrieb (Gastraum für 25 Personen, Clubraum für 50 Personen und Saal für bis zu 200 Personen) wird eingestellt, nicht verpachtet, nicht verkauft: Familie Niemeyer möchte hier wohnen bleiben. Sich räumlich gerne ein bisschen vergrößern.

Aber, verständlich, nicht zugucken müssen, wie ein Nachfolger das Traditionshaus führt.

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