Schafe überwintern im Stall

Freistätter Schäferei mit neuem Schwerpunkt: Landschaftspflege im Moor

„Psst, hier geht es um uns im Text. Guck also nett in die Kamera.“
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„Psst, hier geht es um uns im Text. Guck also nett in die Kamera.“

Freistatt – Echter Winter im Winter, mit Schnee und Eiseskälte: Und wo sind die Schafe? „Seit Silvester im Stall. Die tragenden Tiere gebären hier die Lämmer. Aktuell sind es bereits um die 400. Die Ausnahme: Die Gesellschaftertiere für die Herdenhunde, die bleiben draußen“, sagt Schäfer Klaus Menke. Könnte er das bitte kurz erklären?

Im Jahr 2017 hat der Naturschutzbetrieb von Bethel im Norden für den Schutz seiner Schafherde in Freistatt Pyrenäenberghunde angeschafft. 50 bis 60 Kilogramm schwer, ähneln die Vierbeiner mit dem hellen Fell nur auf den ersten Blick einem Golden Retriever. Denn, nein, sie wollen nicht spielen: Sie sind darauf abgerichtet, eine Schafherde zu bewachen – und sie gegen Angriffe zu verteidigen, notfalls mit ihrem Leben. Gegen Angriffe von Wölfen, um genauer zu sein.

Und damit sie nicht etwa verlernen, Schafe um sich herum zu tolerieren, bleiben immer drei bis vier der friedvollen Tiere bei der jeweiligen Hundegruppe, erklärt Menke. Während die Herde fast komplett in den Ställen sei, verbleiben diese kleinen Gruppen auch im Winter draußen, auf einem verkleinerten Areal, zwischen einem halben und einem Hektar groß, inklusive Schutzhütte.

Pyrenäenberghunde schützen 1400 Schafe und 100 Ziegen

Mittlerweile sind neun Hunde in Freistatt aktiv. Je zwei Rüden und eine Hündin bilden ein Team. Es gilt, 1 400 Schafe und 100 Ziegen zu beschützen. Warnungen an den Zäunen um die Herden erklären etwaigen Passanten die Herdenhunde, ihre Funktion und ihr Verhalten.

Morgens und abends drehe das Team eine Runde. Dabei würden die Herdenhunde ordentlich durchgeknuddelt, obwohl die Pyrenäenberghunde so gar nicht nach Leckerlis und Streicheleinheiten aussehen. „Die müssen ja Kontakt und Berührung zulassen, etwa für notwendige Behandlungen durch den Tierarzt.“

„Schäfer sein, das ist ein bisschen auch ein Lebenskonzept“, sagt Klaus Menke.

Für den Naturschutz- und Landschaftspflegebetrieb Freistatt würden derzeit Ziele neu formuliert: „Wir wollen weg von den Fleisch produzierenden Herde“, erklärt Menke. Die Tiere seien aufgeteilt auf zwei Standorte (Deckertau und Heimstatt), die größere der beiden sei in Heimstatt. Dort werde die Herde im künftigen Hauptschwerpunkt eingesetzt: zur Landschaftspflege, im Moor.

Deutschland sei, was Lammfleisch angeht, zu 50 Prozent Selbstversorger. Dass aus Neuseeland importiertes Lammfleisch immer noch billiger sei, als das in Deutschland in Bio-Qualität produzierte, erschwere die Situation. Die Lammböcke, zumeist im Januar geboren, bleiben bis etwa Mai in Freistatt. Mit einem Gewicht von um die 34 Kilogramm nur ein paar Kilo unter idealem Schlachtgewicht werden sie alle im Mai an einen Betrieb im Emsland verkauft. Hier sind sie während der Sommermonate noch in der Moorpflege aktiv, bevor sie im Alter von acht oder neun Monaten geschlachtet werden, erklärt Klaus Menke.

Die Freistätter kreuzen die Diepholzer Moorschnucke mit der Fleischschafrasse „Charmoise“ – um des Fleisches willen, respektive, um ihre Schafe marktfähig zu halten. Und die Wolle? Ist ein Zusatzgeschäft: „Die verkaufen wir nicht kostendeckend“, erklärt Menke. Der Schafscherer berechne zwei Euro pro Tier, plus seine Verpflegung während des Einsatzes. Verkauft werde die Wolle pro Tier indes für 60 bis 80 Cent. „Traurig, für einen nachwachsenden Rohstoff“, findet Menke das.

Die Schafe sind seit Silvester im Stall. Hier kommen auch die Lämmer zur Welt: Aktuell sind es bereits um die 400.

Schäfer-Nachwuchs ist kaum zu finden

Klaus Menke ist 58 Jahre alt, das Team umfasst einen Landwirtschaftsmeister, drei Schäfer und eine Auszubildende. Nachwuchs für den Job als Schäfer zu finden ist schwierig. Auch das ein Grund, die Herde nicht zu vergrößern. Die notwendigen Gebäude zu errichten, die erforderliche Fläche vorzuhalten seien zwei weitere. Die Schule für die Auszubildende befindet sich in Sachsen-Anhalt, für fast alle Lehrlinge bundesweit (außer aus Bayern und Baden-Württemberg). Es seien 14 Schüler in der Klasse. In den 80er Jahren, als sich Menke entschied, Schäfer zu werden, habe es eine große Welle gegeben. „Vielleicht kommt die ja erneut.“ Junge Leute mit dem Drang, etwas anderes aus ihrem Leben zu machen, in der Natur zu sein.

Welchen Gedanken hängt er nach in der Zeit draußen bei der Herde, zumeist allein? Ja, Klaus Menke ist mit Handy unterwegs heutzutage. Er habe keine Langeweile, sagt er, müsse ja ständig die Tiere beobachten. Menke sagt aber auch: Als Schäfer müsse man gesettled sein, also gefestigt, denn: „Man kann nicht vor sich selbst davonlaufen.“ Der Beruf sei „ein bisschen auch ein Lebenskonzept“. Nach seinem Wunschurlaubsziel befragt, sagt der Schäfer: „Ich habe das ganze Jahr Urlaub.“

„Druck“ durch Wölfe wird größer

Und der Wolf? Gab es Sichtungen in Freistatt? „Na klar, es sind ja genügend Tiere im Landkreis Diepholz unterwegs. Bisher funktioniert unser Konzept, wir haben im Jahr 2020 keinen Schaden gehabt“, sagt Schäfer Klaus Menke. Allerdings seien Wölfe da gewesen, als die Schafherden noch auf den Weiden standen. Manches Mal seien die Pyrenäenberghunde morgens sehr erschöpft gewesen. Die Hunde hätten somit ihre Aufgabe geschafft, hätten die Herde bewacht und verteidigt. Noch. „Es scheint, als befinden wir uns in einer Vorstufe zu Brandenburg.“ Brandenburg habe die weltweit höchste Wolfsdichte und ein befreundeter Schäfer in dem Bereich arbeite mit derzeit 25 Hunden bei einer ähnlich großen Herde, sagt Menke. Der Druck werde größer, merkt der Schäfer an. Die Wolfsrudel würden größer, wenn sie sich aufstellen, sei die Gefahr nicht gebannt, denn befreundete Rudel könnten sich zusammenschließen. Dann würde ein Teil die Herdenhunde ablenken und der andere angreifen.

Die Anzahl der Hunde in Freistatt zu verdoppeln sei jedoch schwierig. Die Vierbeiner seien nicht wirklich auf Kommandos zu trainieren. In der Interaktion der Tiere untereinander stelle eine so große Hundestaffel eine besondere Schwierigkeit dar.

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