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Landkreis Diepholz plant digitale Grundwassermessung

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Von: Anke Seidel

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Jeder Tropfen Wasser ist angesichts sinkender Niederschlagszahlen wertvoll.
Jeder Tropfen Wasser ist angesichts sinkender Niederschlagszahlen wertvoll. © sdl

130 bis 140 Liter Wasser verbrauche jeder Bürger täglich. Ein zu hoher Wert, appeliert Jens-Hermann Kleine, Erster Kreisrat in Diepholz.

Landkreis   Diepholz – Die Angst vor Dürrezeiten und um das Wasser hat im Fachausschuss für Kreisentwicklung, Bauen und Umwelt eine Grundsatzdiskussion ausgelöst. Konsens nach dem Meinungsaustausch unter Leitung von Joachim Hafer (CDU) im Diepholzer Kreishaus: Ein Weiter-So kann es nicht geben, neue Strategien müssen entwickelt werden. Erster Kreisrat Jens-Hermann Kleine stellte in seinem Fazit klar: „Alle müssen ihren Beitrag leisten und Wasser sparen – dauerhaft!“ Jeder Bürger verbrauche im Schnitt zwischen 130 und 140 Liter pro Tag. Diese Menge müsse spürbar sinken: „Sonst schaffen wir das nicht!“

Grundwasserstände im Landkreis Diepholz seit 10 Jahren rückläufig

Dass schon seit zehn Jahren ein fallender Trend der Grundwasserstände auch im Landkreis Diepholz zu beobachten sei, das hatte zuvor Martin Kleingünther (Untere Wasserbehörde) erläutert und Messergebnisse vorgestellt. Hintergrund: das Wasserversorgungskonzept des Landkreises Diepholz. Seit 2018 – also seit vier Jahren – sei ein „sehr starkes Defizit“ bei den Niederschlägen zu verzeichnen, so Martin Kleingünther. Nun sollen Grundwassermessungen helfen, „die Entwicklung des Grundwassers besser zu verstehen“. Messsonden sollen im kommenden Jahr gesetzt werden und fundierte Erkenntnisse bringen.

Außerdem erwartet die Untere Wasserbehörde einen neuen Erlass zur mengenmäßigen Bewirtschaftung des Grundwassers vom Land Niedersachsen. „Ein sehr schwieriges Thema“, gestand Martin Kleingünther. Deshalb sind im kommenden Jahr Gespräche mit den Wasserversorgungsverbänden geplant.

Unabhängig davon reflektierte der Referent noch einmal die Maßnahmen, die nach dem Trockenfallen des Hombachs in Weyhe zur Stabilisierung des Wasserstands umgesetzt worden waren. Weitere stützende Maßnahmen könnten folgen – wenn ein Förderantrag des Landkreises Diepholz an das Land Erfolg hat.

Erstmals in seiner Geschichte hatte der Landkreis Diepholz bei anhaltender Dürre im August per Verordnung die Grundwasserentnahme eingeschränkt. Betroffen waren davon nicht nur Bürger, sondern auch Landwirte. Denn die Feldberegnung war zu bestimmten Zeiten untersagt worden.

„Das hat funktioniert!“, stellte Erster Kreisrat Jens-Hermann Kleine grundsätzlich fest. Offenbar hatte es nur wenige Verstöße durch Unkenntnis gegeben. Aber durch soziale Kontrolle seien solche Fälle schnell bekannt geworden. Laut Martin Kleingünther war auch aus dem Hombach unerlaubt Wasser entnommen worden. Der Verantwortliche sei aber ermittelt worden.

Politiker sprechen sich dafür aus, Wasser in der Region zu halten, statt Richtung Nordsee abzuleiten

Andreas Pawelzik (Grüne) hinterfragte grundsätzlich weitere Handlungsoptionen, um das Wasser zu schützen. Dazu gehört auch, so bewies die Diskussion, die Niederschläge möglichst in der Region zu halten – und sie nicht über Vorfluter Richtung Nordsee abzuleiten.

Für Ulrich Helms (FWG) war klar: Es müsse dringend mehr getan werden. Dabei sah er auch die Kommunen in der Pflicht.

Dass am Ende die Natur dem Wassersparen Grenzen setzt, stellte Mathis Langhorst (FDP) klar. Denn wenn Feldfrüchte nicht ausreichend mit Wasser versorgt würden, dann würden sie am Ende verdorren.

„Viele Fachleute wissen, was man machen könnte, aber das Wetter spielt nicht mit!“, stellte Wilken Hartje (CDU) mit Blick auf das unberechenbare Wechselspiel zwischen Niederschlägen und Dürre fest. Dies hatte punktuell insbesondere im Nordkreis zu einer solchen Trockenheit geführt, das Hartje bereits von einer „Sahelzone“ sprach. Deshalb sei es enorm wichtig, das vorhandene Wasser aufzufangen. Das sei nicht nur Aufgabe des ländlichen Raums. „Das müssen alle tun!“, skizzierte der CDU-Politiker kurz das Konzept der Schwammstadt, sprich das Prinzip, per Stadtplanung in neuen Baugebieten anfallendes Regenwasser vor Ort zu speichern, statt es durch die Kanalisation abfließen zu lassen.

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