Landessuperintendentin Dr. Birgit Klostermeier wünscht sich ein Umdenken in der Gesellschaft

Erkennen, wie sehr ein Mensch den anderen braucht

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Dr. Birgit Klostermeier erinnerte daran, wie wichtig es ist, die Hilfe von Mensch zu Mensch mehr zu wertschätzen. Bild: Kreykenbohm

Freistatt - Von Julia Kreykenbohm. Sorgen. Ein Wort, das zwei Dinge meinen kann. Sich Sorgen machen, also Angst haben, was dem Menschen oft schadet. Und für andere Sorge tragen, sich um sie kümmern, was wiederum gut tun kann – dem, um den sich gesorgt wird, und dem, der sorgt. Im Moment scheint es mehr eine Zeit der erstgenannten Sorge zu sein. „Wir alle sorgen uns“, sagte Superintendent Klaus Priesmeier am frühen Mittwoch Abend beim Jahresempfang des Kirchenkreises Grafschaft Diepholz in Freistatt.

„Es sind viele Menschen da, mit denen wir nicht gerechnet haben, und es sind manche nicht da, die gebraucht werden.“ Als hätte jemand sie extra für dieses Thema dort aufgehängt, beleuchten die Lampen der Moorkirche den Schriftzug hinter ihm an der Wand: „Es ist das Kreuz von Golgatha – Heimat für Heimatlose“. Die rund 120 Gäste schweigen mit ernsten Mienen. Es sind Leute aus der Politik, aus Gremien und der Kirche. Priesmeier scheint ihnen aus der Seele zu sprechen. Er hat sie mit dem Satz „Willkommen, liebe Sorgenträger“ begrüßt. Denn jeder von ihnen trage in dieser Zeit viele Sorgen mit sich herum.

Und darin liege eine Gefahr, wie Gastrednerin Landessuperintendentin Dr. Birgit Klostermeier in ihrem Vortrag deutlich macht. „Wir vergessen vor lauter Sorge das, was wichtig ist und worum es geht.“ Für sie ist der Beweis der Blick auf die Reihenfolge der Nachrichten: „Da kommt erst das Wetter, dann die Börse und danach erst die eigentlichen Berichte über die Menschen.“ Dies sei der Ökonomie geschuldet, denn diese sei nichts anderes als „die Sorge des Menschen um sich selbst“.

In der Jahreslosung „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet“ liegt für sie ein wichtiger Schlüssel. „Denn wir sind alle Kinder Gottes und sollten daher in jedem Menschen unseren Nächsten sehen. Wir wissen intuitiv, was richtig ist, wir müssen es nur wahrnehmen.“ Einfach umzusetzen sei das nicht, aber dieses Wissen könne wie ein Kompass die richtige Richtung weisen.

Der Mensch müsse wieder in den Mittelpunkt von allem rücken. „Es wird bereits so viel gemacht, aber es wird nicht wahrgenommen, nicht gewertschätzt“, erläuterte Klostermeier. Man müsse viel stärker anerkennen, was Menschen für andere tun, als eine Art „Bewegung gegen die Entwertung der Sorge für den Menschen.“ Es sei eine alternative Ökonomie, die sich „UmCare“ nenne (englisch „care“, deutsch „kümmern“). Dabei macht Klostermeier keinen Unterschied zwischen ehren- und hauptamtlichen Helfern. „Wer putzt die Büros? Wer kümmert sich um Pflegebedürftige? Wer betreut Sterbende?“ Ein Problem der heutigen Gesellschaft sei, dass gern tabuisiert werde, wie abhängig der Mensch doch von anderen Menschen ist, dass jeder Hilfe braucht. Dadurch gehe die Wertschätzung für diese Arbeit verloren.

Für jemanden zu sorgen, heiße auch immer, Verantwortung zu übernehmen. „Darum dürfen wir nicht damit aufhören“, sagt Priesmeier abschließend. Aber man dürfe es mit der Sorge auch nicht übertreiben und sich davon erdrücken lassen. „Das Leben fängt mit unserem Tun nicht an und hört auch nicht damit auf. Es ist ein Geschenk, wir müssen es wahrnehmen und genau hingucken.“

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