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Die Kommune als Energieproduzent

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Von: Sylvia Wendt

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Ob es in der Samtgemeinde Freiflächen für Solaranlagen geben wird, steht noch nicht fest.
Ob es in der Samtgemeinde Freiflächen für Solaranlagen geben wird, steht noch nicht fest. © dpa

Photovoltaikanlagen: Noch ungenutzte Dachflächen auf öffentlichen Gebäuden in der Samtgemeinde Kirchdorf sollen geprüft werden, statt Solaranlagen auf kostbare Ackerflächen zu setzen.

Kirchdorf – Die Stichworte „Energie“ und „Zukunft“ haben ein besonderes Vorhaben auf die Tagesordnung in der Samtgemeinde Kirchdorf gebracht: Regenerative Energien – wohin geht die aktuelle Entwicklung? Die Kommune als Energieproduzent: „Aktuell wird in der Samtgemeinde Kirchdorf doppelt so viel Energie erzeugt, als verbraucht wird“, erklärte Samtgemeindebürgermeister Heinrich Kammacher jetzt den Mitgliedern des Ausschusses für Gemeindeentwicklung, der unter Leitung seines Vorsitzenden Marlo Rethorn tagte.

Solaranlagen, Windparks, Biogasanlagen oder Wasserkraftwerke: „Insbesondere bei der Photovoltaik gibt es erhebliche, bisher ungenutzte Potenziale“, heißt es seitens der Verwaltung. Eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung, geringe Kosten und eine sichere, zuverlässige Technik werden als Stichworte genannt. Einerseits könnten Kommunen ihre Energiekosten in den eigenen Liegenschaften deutlich senken, andererseits einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Samtgemeindebürgermeister Kammacher: „Das ist ein Beitrag zum Klimaschutz.“

In Sachen regenerativer Energie sei auf Bundesebene die Freiflächenfotovoltaik ein aktuelles Thema. „Doch bevor wir gute Ackerflächen nicht mehr bewirtschaften, wollen wir nicht außer Acht lassen, dass wir etwa gut 25 Liegenschaften haben mit ungenutzter Fläche – die Dächer“, erklärte Kammacher den Ansatz, zu fragen, ob Politik diese Flächen untersuchen lassen möchte. Ob sie als Photovoltaikstandorte in Frage kämen?

Die Untersuchungen sollten offen durchgeführt werden, soll heißen: In welcher Form gegebenenfalls eine Photovoltaikanlage installiert wird, beispielsweise als „Bürgersolaranlage“, bleibe zu einem späteren Zeitpunkt zu klären.

„Macht so eine Untersuchung Sinn?“ So lautete die Frage der „Kirchdorfer Verwaltung“ an die „Kirchdorfer Politik“.

Jetzt diskutierte der Ausschuss: Andreas Plenge fragte, ob Speicherkapazitäten berücksichtigt würden. Laut Kammacher gibt es bereits Speicheroptionen, die in Frage kämen. Zumal „man in einer ganzheitlichen Betrachtung der Energieversorgung die Speicherkapazitäten nicht außer Acht lassen kann.“ Der Samtgemeindebürgermeister erinnerte daran, dass mit dem Rathaus in Kirchdorf und dem Freibad Barenburg bereits öffentliche Liegenschaften mit Abwärme durch eine Biogasanlage versorgt werden.

Speicherkapazität wird gleich mit geprüft

Matthias Stelloh berichtete von der laufenden Umstellung seiner eigenen Biogasanlage. Mit deutlich spürbarem finanziellen Aufwand rüste er aktuell um von einer Produktion von 500 Kilowatt rund um die Uhr auf 220 Kilowatt in nur wenigen Stunden Laufzeit. Im Fokus die Option, im Winter mehr und im Sommer weniger zu produzieren. Wichtiger Bestandteil der Umrüstung sei eine Verdoppelung des Speichers. Das sei sehr wichtig, auch im Hinblick auf eine mögliche Versorgung des nahen Holzhausener Kühlhauses, das im Sommer besonders viel Energie verbrauche.

Stelloh wies darauf hin, dass noch nicht feststehe, ob irgendwann für jeden Hausbesitzer die Vorgabe gilt, eine Photovoltaikanlage aufs Dach zu setzen. Das würde letztlich dann auch für öffentliche Liegenschaften gelten. Aktuell gibt es bereits eine Solaranlage – seit zwölf Jahren auf dem Dach der Turnhalle in Wehrbleck. Allerdings speise die allein die Halle, liefere nicht zusätzlich Strom ins Netz.

Geprüft wird, auf welchen Dächern der Liegenschaften der Samtgemeinde Solaranlagen machbar wären.
Geprüft wird, auf welchen Dächern der Liegenschaften der Samtgemeinde Solaranlagen machbar wären. © dpa / Uwe Anspach

Auch für Marina Poppinga sind die Dächer der öffentlichen Liegenschaften „eine interessante Fläche“, denn: „Sie stehen nicht in Konkurrenz zur landwirtschaftlichen Produktion. Und das ist das Gebot der Stunde: Sie für die Solarenergie zu nutzen. Das wäre auch eine Anregung für weitere öffentliche Gebäude, etwa die in Händen des Landkreises.“

Poppinga sieht die Idee, die Dachflächen der öffentlichen Gebäude mit Photovoltaik zu bestücken, als Vorbildfunktion für die privaten Häuslebesitzer.

Kommune mit Vorbildfunktion für Privatpersonen

Helko Krickemann fragte nach, wann denn genau mit der Freiflächennutzung zu rechnen sei. Das stehe noch nicht fest, erklärte Kammacher. Ob es überhaupt Bereiche für die Freiflächenphotovoltaik geben wird, werde über das Regionale Raumordnungsprogramm erfasst, das der Landkreis aktuell neu aufstellt. Die Planung jedoch mache die Kommune. Dazu erklärte Kammacher, selbst einst Landwirt: „Vom Landwirt zum Energiewirt – das ist eine Planung, die wir nicht forciert angehen. Bei dem einen oder anderen ist schon Goldgräberstimmung aufgekommen. Die Frage ist aber: Was bedeutet es für die Gesellschaft als Ganzes, wenn Flächen nicht mehr zur Nahrungsmittelproduktion genutzt werden?“

Rethorn: „Was dürfen wir und was können wir uns als Kommune erlauben?“

Ausschussvorsitzender Marlo Rethorn gab zu bedenken, dass die Mitglieder des Gremiums fast alle in den Räten der eigenen Gemeinden aktiv seien und sich fragen müssten: „Was dürfen wir und was können wir uns als Kommune erlauben?“

Der Ausschuss empfahl einstimmig, die Liegenschaften der Samtgemeinde auf eine Nutzung für Photovoltaikanlagen hin zu überprüfen. Das zu beauftragende Ingenieurbüro solle zudem die zu installierende Leistung sowie die Rahmenbedingungen für den eventuellen Einsatz eines Speichers prüfen. Kostenträger ist die Samtgemeinde. Heinrich Kammacher ergänzte, dass ebenso geprüft werde, ob es Fördermittel für die Nutzung geben würde.

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